Vekselberg soll als Zeuge vor Gericht

Ein ehemaliger Mitarbeiter im Family Office von Viktor Vekselberg betrachtet seine Kündigung als missbräuchlich. Als Beweise führt er versäumte Meldungen der Firma an Börsen- und Steuerbehörden an.

Oligarch Viktor Vekselberg hatte den ehemaligen Mitarbeiter K. T. für seine privaten Geschäfte angestellt. Foto: René Ruis

Oligarch Viktor Vekselberg hatte den ehemaligen Mitarbeiter K. T. für seine privaten Geschäfte angestellt. Foto: René Ruis

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K. T.* prozessiert gegen das Family Office des russischen Investors Viktor Vekselberg. Er wirft der Firma missbräuchliche Kündigung vor. Und dass sie ihm Leistungsboni nicht ausbezahlt habe, die ihm für die knapp fünf Jahre dauernde Anstellung zustünden. K. T. fordert rund 2 Millionen Franken. Das Begehren sei unbegründet, argumentieren die Vertreter des russischen Investors. Vor dem Arbeitsgericht in Zürich warfen sich die Parteien diese Woche gegenseitig «Beleidigung und Frechheit» vor.

Dabei hat vor sieben Jahren alles aussichtsreich begonnen. K. T. wurde von Viktor Vekselbergs Beteiligungsfirma Renova engagiert. Es winkte ein Millionensalär. Das scheinen Renova-Leute in Gesprächen genannt zu haben. In der Gerichtsverhandlung wurde das Beispiel eines Renova-Firmenanwalts vorgebracht, der bei einem 60-Prozent-Pensum über 2 Millionen Franken verdienen soll. K. T. hatte den Auftrag, eine Schweizer Niederlassung des Family Office aufzubauen. Aus steuerlichen Gründen konnten Vekselbergs private Geschäfte nicht mehr über die Renova abgewickelt werden. Die RE.A.M Management Ltd Larnaca wurde Ende Juni 2008 im hiesigen Handelsregister eingetragen. Der Hauptsitz befindet sich im steuergünstigen Zypern. K. T. wickelte für Vekselberg den Kauf von Firmenbeteiligungen ab, handelte mit Liegenschaften und bearbeitete Leasingverträge für dessen Luxusjachten und Flugzeuge. Die RE.A.M-Filiale übernahm mehrere Mitarbeiter von Renova. Alle erhielten einen Arbeitsvertrag von RE.A.M, auch K. T. Zu den besten Zeiten beschäftigte das Family Office, das an der gleichen Adresse wie Renova residiert, ein halbes Dutzend Mitarbeiter.

Filiale heute inaktiv

Ende 2012 erhielt K. T. die Kündigung. Laut dem RE.A.M-Anwalt war das stetig abnehmende Arbeitsaufkommen der Grund. Die Schweizer Filiale sei heute inaktiv. «Viele Arbeiten wurde nach Moskau ausgelagert – aus Kostengründen», sagt der RE.A.M-Anwalt. Juristische Abklärungen seien in den letzten Jahren an eine externe Anwaltskanzlei vergeben worden.

Von schwindender Arbeit will der ehemalige Angestellte nichts bemerkt haben. «In seinem Arbeitszeugnis sind ihm durchgehend beste Leistungen auch in quantitativer Hinsicht attestiert worden», sagte K. T.s Anwalt in der Verhandlung. Er führt die Kündigung viel mehr darauf zurück, dass sein Mandant Vorgänge in der Unternehmensführung von RE.A.M, etwa mangelnde Compliance, «konsequent» beanstandet habe. Er nannte in der Verhandlung mehrere Beispiele:

Die verspätete Meldung an die Börse über Details einer Transaktion mit OC-Oerlikon-Aktien. Vekselberg-Firmen haben mit einer Zahlung von 10 000 Franken eine Strafuntersuchung der Bundesbehörden abgewendet, wie die NZZ am Sonntag schrieb.

Die OC-Aktien wurden gemäss K. T. nicht nur von Vekselberg-Firmen direkt gekauft. Auch über eine Firma, deren Inhaber zu Vekselbergs Umfeld gehört, seien Transaktionen gelaufen. Die Wertschriftenbestände der Firma seien jeweils mit jenen von Vekselberg kumuliert worden. «Insofern handelt es sich wohl um eine Gruppenbildung, welche ebenfalls hätte offengelegt werden müssen», folgerte der Anwalt. Eine Strafuntersuchung des Eidgenössischen Finanzdepartements dazu gibt es nicht, wie ein Sprecher dem TA sagt. Die Finanzmarkt­aufsicht (Finma), die als Vorinstanz Abklärungen durchführt, gibt zu Einzelfällen keine Auskunft.

Die Unterhaltskosten von Vekselbergs Jacht seien den Steuerbehörden in Zug ihm Rahmen der Pauschalbesteuerung nicht deklariert worden, obwohl eine Meldung des weltweit privaten Aufwands Pflicht sei. Die Unterhaltskosten würden mehrere Millionen Franken pro Jahr betragen – ein Betrag, der höher liege, als was gegenüber der Zuger Steuerbehörden als jährlicher Lebensaufwand von Vekselberg angegeben worden sei. Vekselbergs bekannteste ­Luxusjacht ist die Tango. Sie ist 77 Meter lang, hat eine 22-köpfige Crew und Platz für über ein Dutzend Gäste, wie verschiedentlich berichtet wurde.

Auch habe Vekselberg Schenkungen getätigt, ohne dies den Zürcher oder Zuger Steuerbehörden zu melden. Eine solche Deklaration sei von Steuerfachleuten gefordert worden. Die Zuger Steuerbehörden wollen diese Angaben nicht kommentieren.

Vorwürfe «irrelevant»

Ein Sprecher von Vekselberg will den Inhalt der Vorwürfe und den Prozess nicht kommentieren. Auch der RE.A.M-Anwalt will inhaltlich nicht auf die Vorwürfe eingehen. Bestimmte Vorwürfe seien zu spät eingereicht worden und für den Prozess irrelevant. «Irrelevant sind sie zudem, weil kein kausaler Zusammenhang zwischen der allfälligen Kritik des Klägers und der Kündigung besteht», sagt er. Beweise wie E-Mails über eine Kontroverse zwischen RE.A.M und K. T. gebe es keine. Die Wiedergutmachungszahlung für die einen Tag zu spät gemeldete Aktientransaktion sei zudem eine Bagatelle.

Jetzt liegt der Ball beim Richter. Er hatte sich nach den Plädoyers für Fehler im bisherigen Beweisverfahren entschuldigt, was eher aussergewöhnlich ist. Grosse Chancen rechnet der Richter dem Kläger nicht ein, insbesondere was den Anspruch auf den Leistungsbonus angeht. Immerhin sollen jetzt neben schriftlichen Beweisen auch Einvernahmen von Zeugen durchgeführt werden, um abzuklären, ob eine missbräuchliche Kündigung vorliege und der Anspruch auf Leistungsboni bestehe.

Wie vom Kläger gefordert, ist es möglich, dass Viktor Vekselberg bald als Zeuge vor dem Arbeitsgericht Zürich erscheinen muss. Dass der Oligarch noch nicht vorgeladen worden sei, habe nicht mit Angst oder Schonung zu tun, sagte der Richter.

Ein Entscheid, ob Vekselberg vorgeladen werde oder nicht, wird in den nächsten Wochen fallen. Denkbar ist, dass es dann zu einem Vergleich der beiden Kontrahenten kommen könnte.

* Name der Redaktion bekannt

Erstellt: 20.03.2015, 20:01 Uhr

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