War der Glasfaser-Ausbau unnötig?

Telekom-Anbieter investierten Milliarden ins schnelle Festnetz. Mit der 5G-Einführung stellt sich nun die Frage, wofür.

Ganz schön bunt: Arbeiter verlegen Glasfaserkabel in Winterthur. (Archivbild) Bild: Marc Dahinden

Ganz schön bunt: Arbeiter verlegen Glasfaserkabel in Winterthur. (Archivbild) Bild: Marc Dahinden

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Der Ausbau der Glasfasernetz in der Schweiz wird seit Jahren vorangetrieben, die Kosten gehen in die Milliarden. Kommt nun aber der neue Mobilfunkstandard 5G, stellt sich die Frage, ob es die schnellen Festnetzanschlüsse überhaupt noch braucht. 5G, das dieses Jahr eingeführt werden soll, erlaubt es, einen Kinofilm in wenigen Sekunden herunterzuladen.

5G werde die Geschwindigkeit von Glasfasernetzen erreichen, sagt Comparis-Experte Claude Frick der «Ostschweiz am Sonntag». Der Zeitung zufolge droht eine Investitionsruine – finanziert durch die Steuerzahler. In den vergangenen Jahren haben städtische Elektrizitätswerke und auch ländliche Gemeinden zusammen mit der Swisscom in die Zukunft investiert. Über Gebühren sollten die Milliardeninvestitionen über eine Nutzungsdauer von etwa 30 Jahren amortisiert werden.

Ob das im Sinn der Konsumenten ist, bezweifelt Frick. So sei es viel günstiger, eine Funkantenne aufzustellen, als Strassen aufzureissen und Leitungen in die Wohnungen zu verlegen. Der 5G-Empfang werde spätestens in zehn Jahren so gut sein, dass damit alle Anwendungen in einem Haushalt gleichzeitig gedeckt werden könnten.

Swisscom rückt von Kurs ab

Dem scheinen sich auch die Verantwortlichen bei der Swisscom bewusst zu sein. Wurden Anschlüsse vor einigen Jahren noch bis in die Haushalte propagiert, werden heute noch Quartiere angeschlossen. Die Feinverteilung erfolge dann über die bestehenden Kupferkabel, die dank neuer Technologien mehr Daten gleichzeitig übertragen können (VDSL2-Vectoring).

Ein Beispiel aus dem Kanton Freiburg zeigt den Strategiewechsel: Noch 2012 war es das erklärte Ziel, 90 Prozent der Freiburger ans Glasfasernetz anzuschliessen. Kostenpunkt: 500 bis 600 Millionen Franken. Mittlerweile ist die Swisscom aus dem Projekt ausgestiegen und setzt auf der letzten Meile auf das Kupferkabel.

«Die Swisscom ist aus Kostengründen vom weit verästelten Glasfasernetz abgerückt», sagt Frick der «Ostschweiz am Sonntag». Vermutlich habe das auch damit zu tun, dass sie die Investitionen angesichts des 5G-Netzes gefährdet sehe.

Elektrizitätswerke hoffen weiterhin

Doch es gibt auch Argumente fürs Glasfasernetz. Der Berner Telekommunikationsanbieter Swiss Fibre Net wollte mit einer Studie herausfinden, ob die erdgebundenen Netze bald überflüssig werden.

Das Fazit der Studie lautete, die Glasfasernetze würden von der 5G-Einführung profitieren. Die Funkantennen müssten nämlich ans Glasfasernetz angeschlossen werden, damit sie ihr Potenzial entfalten könnten. Damit profitierten auch die Elektrizitätswerke. Allerdings genügt dazu ein grobmaschiges Netz.

«Ich glaube nicht, dass 5G jemals eine ebenbürtige Alternative zu einem Glasfaseranschluss werden wird», sagt zudem Telekomexperte Ralf Beyeler der «Ostschweiz am Sonntag». Für einen flächendeckenden 5G-Empfang brauche es Tausende neuer Antennen. Und: «Wenn abends zum Beispiel alle gleichzeitig ein Fussballspiel schauen möchten, würde das Mobilfunknetz zusammenbrechen», so der Experte. (oli)

Erstellt: 27.01.2019, 18:34 Uhr

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