Was sagt der Privatbankier zum SRF-Film?

Christian Rahn hat mit unserem Autor «Private Banking» angeschaut. Ist der Banker-Job wirklich so? Rahns Fazit.

Szene aus dem SRF-Fernsehfilm «Private Banking». Foto: Sava Hlavacek (SRF)

Szene aus dem SRF-Fernsehfilm «Private Banking». Foto: Sava Hlavacek (SRF)

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Unverhofft tritt Caroline Weyer in die Fussstapfen ihres Vaters. Der Teilhaber eines traditionsreichen Geldhauses hat einen Herzinfarkt. Seine Tochter muss übernehmen. Eigentlich Suchttherapeutin, wird sie über Nacht zur wichtigen Figur in einer Bank, die in einer tiefen Krise steckt. Das ist die Ausgangslage des SRF-Zweiteilers «Private Banking», dessen erster Teil am Sonntag ausgestrahlt wird.

Christian Rahn ist Privatbankier. Auch er übernahm einst von seinem Vater. Heute ist er Teilhaber der Zürcher Bank Rahn+Bodmer Co. – einer der letzten echten Privatbanken der Schweiz, bei der die Inhaber mit ihrem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der Bank haften. Die Rahns gehören zu den ältesten Bankierdynastien. Die Firma besteht seit 1750.

Der Zürcher Privatbankier Christian Rahn bei der Visionierung des Fernsehfilms. Foto: Doris Fanconi

Die Familie Rahn ist in der Realität also ein Stück weit das, was die Weyers im Film sind. Und doch findet Christian Rahn in seinem Alltag nicht das wieder, was im Streifen gezeigt wird. «Es sind viel zu viele Klischees», so das Fazit des Bankiers, nachdem er den Zweiteiler gesehen hat. Einige davon seien zwar süffig, realistisch seien sie aber nicht.

Dabei liessen sich die Filmschaffenden von Bankjuristen, Compliance-Officers und Wirtschaftsjournalistinnen beraten. Sie nutzten auch ihre Kontakte zu Insidern. «Ausschlaggebend war, dass das Milieu stimmt und die Geschichte plausibel ist», so Lilian Räber, Leiterin der Abteilung Fernsehfilm SRF.

30 Angestellte für 8 Milliarden

Auch von der Grösse her ist Rahn+Bodmer mit der Filmbank Weyer vergleichbar. Das reale Traditionshaus an der Zürcher Talstrasse verwaltet rund 12 Milliarden Franken Kundengelder. Die Bank Weyer betreut 8 Milliarden Franken – mit 30 Angestellten. Das sorgt bei Rahn für Stirnrunzeln. «Mit 30 Mitarbeitern können Sie nicht 8 Milliarden professionell betreuen.» Seine Bank beschäftigt rund 180 Leute.

Bei der fiktiven Bank Weyer kriselts. Sie kann sich den gestiegenen Aufwand durch die gesetzlichen Anforderungen nicht mehr leisten und soll daher verkauft werden. Rahn überzeugt das nicht: «Die kleinen Banken müssen sich nicht zusammenschliessen, weil die Regulierung so teuer geworden ist.» Eine Privatbank verdiene ihr Geld mit der Kundenberatung, dabei spiele die Grösse des Instituts keine Rolle. «Daher müssen kleine Banken nicht verschwinden, wenn sie sich auf die Kundenberatung spezialisieren», so Rahn.

Vieles bei der Filmbank Weyer erinnert ihn an vergangene Zeiten. So streitet sich die junge Rechtsexpertin und Compliance-Angestellte Stefanie Pfenninger, die dafür sorgen soll, dass sich die Bank keinen Ärger einhandelt, mit den Kundenberatern, die möglichst unkontrolliert frisches Geld an Bord holen sollen. «Compliance und Kundenberatung arbeiten Hand in Hand», so Rahn. Auch reiche eine Person für die Überprüfung der Kundendossiers nicht. Bei der Bank Rahn+Bodmer sind rund zehn Leute für die Compliance zuständig.

«Die Fiktion spitzt auch mal zu und muss sich nicht an dokumentarische Fakten halten», sagt SRF-Frau Räber. Es sei nicht wichtig, dass die Zahl wahrscheinlich, sondern dass sie möglich sei. Die eklatante Unterbesetzung der Compliance werde im Film explizit erwähnt.

Mit dem Kunden aufs Pissoir

Bei der Bank Weyer hängt viel an wenigen Kundenberatern. Holen sie Neugelder, dürfen sie eine Glocke läuten. Bei Rahn+Bodmer gibt es das nicht. «Wir arbeiten, wir zelebrieren nicht», so Rahn. Auch stünden die Kundenberater nicht über den anderen Angestellten. Sie könnten keine Klienten vor der Geschäftsleitung verstecken, wie es im Film geschieht. Böse Überraschungen durch unbekannte Kunden mit unversteuerten Geldern könne es nicht mehr geben. «Es gab sicher auch schwarze Schafe im Banking», so Rahn. Die Privatbankiers seien aber sehr interessiert daran, dass die Finanzmarktaufsicht hart gegen Geldwäscherei vorgehe. «Wenn die Branche einen schlechten Ruf bekommt, schadet uns das auch.»

Die Kundenberater der Bank Weyer hingegen nutzen jeden Kniff, um an Kunden zu kommen. So begleitet einer einen reichen, betrunkenen Dänen aufs Klo, um ihm beim Pinkeln zu helfen. Für Rahn unvorstellbar. «Ein Privatbankier muss die Lebensumstände seines Kunden kennen, erst dann kann er ihn beraten. Aber deshalb würde ich mit ihm keinesfalls auf die Toilette gehen.»

Eng sind die Beziehungen zu den Kunden aber trotzdem. Rahn geht mit seinen Klienten bergsteigen, andere golfen zusammen. Kein Wunder: Die Kunden bleiben über Jahrzehnte bei der Bank, so Rahn. «Man spricht mit ihnen über ihr Geld, ihre Karriere, ihren Tod. Das führt manchmal dazu, dass aus langjährigen Kundenbeziehungen echte Freundschaften werden.»

Beim SRF wollte man einen Bogen aus der Vergangenheit ins Jetzt spannen. Für Rahn hat das nicht geklappt. Punkto Schwarzgeld zeige der Film eine Situation, wie sie vor 15 Jahren gewesen sei. Der Film endet denn auch mit der Aussage, dass 2400 Milliarden Franken ausländische Vermögen in der Schweiz verwaltet werden. Davon sei ein grosser Teil unversteuert, und das solle so bleiben. Für Rahn ein falsches Fazit. «Fast alle Kundenvermögen aus dem Ausland sind heute versteuert.» Dass eine Bank wie das Geldhaus Weyer zum Verkauf steht, ist daher für Rahn kein Zufall. So ein Institut habe keine Zukunft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.12.2017, 21:31 Uhr

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