Welche Farben die Schweizer für ihr Auto auswählen

Unsere Auswertung zeigt: Das kommt auf das Geschlecht und den Wohnort an – und früher war alles anders.

Überfüllter Parkplatz auf der Schwägalp anlässlich des Nationalfeiertags. (1. August 2019)

Überfüllter Parkplatz auf der Schwägalp anlässlich des Nationalfeiertags. (1. August 2019) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Die Schweizer sind langweilig – zumindest, was die Farbe ihrer Autos betrifft. Das zeigt unsere Auswertung der Datenbank des Bundesamts für Strassen (Astra). Von allen registrierten Fahrzeugen in der Schweiz ist mehr als jedes dritte grau beziehungsweise silbrig.

Zählt man die schwarzen und weissen Autos hinzu, ergibt sich ein tristes Bild: Drei Viertel der Schweizer trauen sich nicht, wirklich Farbe zu bekennen. Emotionen sehen anders aus.

Immerhin jedes zehnte Fahrzeug ist blau. Rot, Orange und Violett kommen auch noch einigermassen regelmässig vor. Andere Farben sieht man auf Schweizer Strassen selten. Laut René Reymond – er ist Geschäftsführer der Autowelt Amag in Dübendorf ZH, dem grössten Autohaus der Schweiz – hat das mehrere Gründe: «Grau- und Silbertöne sind pflegeleichter als andere Farben, und schwarz ist eleganter.» Bei Weiss müsse man an die vielen Firmen denken, die ganze Flotten in dieser Farbe kaufen würden. Viele Kunden würden sich aber für diese schlichten Farben entscheiden, obwohl es ein breites Angebot gebe.

Einige denken bei der Auswahl auch schon an den Wiederverkauf. «Silbrig und schwarz sind momentan sehr beliebt und haben deshalb einen höheren Wiederverkaufswert als farbige Autos», sagt Reymond. Beim Verkaufsgespräch würde man auch darauf hinweisen. Zudem seien Kunden beim Autokauf grundsätzlich weniger mutig als beispielsweise bei Kleidung, die viel weniger koste. Die Befürchtung, dass einem die Farbe verleiden könnte, sorgt für Hemmungen.

Grau ist zeitlos, schwarz sexy

Wer ein graues oder silbriges Auto kauft, ist auf Sicherheit und Werte bedacht, sagt die Farbpsychologie. Die unauffällige Farbe steht für Wertigkeit und Zeitlosigkeit – vor allem in unruhigen Zeiten. Weiss vermittelt Zurückhaltung und Pflichtbewusstsein. Schwarz hingegen ist eine Powerfarbe. Sie wird mit Erfolg assoziiert, und schwarz macht sexy.

Glaubt man der Farbpsychologie, wohnen im Kanton Luzern und im Berner Oberland komplett verschiedene Menschen. Während in vielen Luzerner Gemeinden weniger als 20 Prozent der Autos farbig sind, trifft das im Oberland zum Teil auf fast die Hälfte der Fahrzeuge zu. Ohnehin fällt auf, dass Autofahrer in ländlichen Gebieten mehr Mut zeigen als Städter, die oft zurückhaltend sind.

Woran könnten diese regionalen Unterschiede liegen? René Reymond von der Amag kann nur mutmassen: «In ländlichen Gebieten könnte frühes Eindunkeln und weniger Beleuchtung eine Rolle spielen, in den Bergen mehr Nebel. Ein auffällige, schrille Farbe sieht man dann einfach besser.»

Spannend ist, dass es nicht nur Unterschiede nach Wohnort zu geben scheint, sondern auch nach Geschlecht. 37 Prozent aller Personenwagen in der Schweiz sind auf Frauen registriert. Bei einigen Farben ist diese Quote jedoch höher, was darauf schliessen lässt, dass sie von weiblichen Kunden bevorzugt werden. Frauen entscheiden sich demnach eher für Violett, Orange und Rot. Bei den restlichen Farben sind die Abweichungen geringer.

Insgesamt muss man aber festhalten, dass Frauen ebenfalls hauptsächlich farblose – also graue, schwarze und weisse – Autos fahren. Das bestätigt auch Reymond: «Frauen bevorzugen nicht generell mehr farbige Autos als Männer.»

Was dagegen klar ist: Früher gab es weniger Einheitsbrei und mehr Farben auf den Schweizer Strassen. 1995 waren die häufigsten Farben der neu registrierten Autos Blau, Rot und Grün. Weiss, Grau/Silber und Schwarz machten zusammen erst ein Drittel aller Fahrzeuge aus. Heute sind es drei Viertel.

Reymond, der schon lange im Autogeschäft ist, hat diese Erfahrung ebenfalls gemacht: «Früher gab es sicher mehr Kunden, die sich für farbige Fahrzeuge entschieden haben. Heute ist man eher konventionell unterwegs.» Der Autohändler sieht darin aber auch einen Vorteil: «Gerade bei weissen und silbrigen Autos sieht man die Kontur besser. Da weiss man, was der Designer gemacht hat.»

Erstellt: 05.12.2019, 16:49 Uhr

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