Welche Krankenkassen am meisten Wechsler anzogen

Jahresende ist Wechselzeit bei den Krankenkassen: Eine ehemalige Billigkasse verliert Kunden, die Nummer 1 legte weiter zu.

CSS-Mitarbeiterin im Luzerner Leistungs- und Servicecenter der Kasse. Foto: Keystone

CSS-Mitarbeiterin im Luzerner Leistungs- und Servicecenter der Kasse. Foto: Keystone

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CSS-Chefin Philomena Colatrella kann getrost aufs neue Jahr anstossen: Ihr Krankenversicherer legt erneut am meisten zu, wie eine Umfrage bei den 15 grössten Anbietern der obligatorischen Grundversicherung ergeben hat. Auf Anfang nächsten Jahres gewinnt die CSS 35'000 neue Grundversicherte, wie Sprecherin Christina Wettstein auf Anfrage bestätigt. Mit neu 1,366 Millionen Kunden baut die CSS ihre Position als Nummer 1 weiter aus. Seit 2012 wuchs ihr Bestand um mehr als 10 Prozent.

Die Angaben der Versicherer sind provisorisch, die Anmeldefrist bei einer neuen Kasse läuft erst heute ab. Und immer öfter stellt sich heraus, dass ein Wechselwilliger gar nicht wechseln darf. Das ist dann der Fall, wenn jemand bei der alten Kasse Prämienrechnungen oder Kostenbeteiligungen nicht bezahlt hat.

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Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Verliererin der Wechselsaison ist die Groupe Mutuel. Die Walliser sind nicht mehr so billig wie früher. Daher dürften sie gemäss Branchenkennern mehr als 50'000 Grundversicherte verlieren. Sprecher Christian Feldhausen sagt dazu nur: «Kein Kommentar.»

Die Abgänge sind die Folge der Verluste, welche die Groupe Mutuel in den zwei vergangenen Jahren in der Grundversicherung erlitten hat. Daher weisen vier ihrer sechs Grundversicherer zu tiefe Reservepolster aus. Um diese Rücklagen wieder auf den vorgeschriebenen Minimalwert zu bringen, muss die Groupe Mutuel ihre Prämien auf 2018 um geschätzte acht Prozent erhöhen. Das ist doppelt so viel wie der schweizweite Durchschnitt im Standardmodell mit der Mindestfranchise. Das goutieren insbesondere Rappenspalter nicht.

Prämien steigen weiter

Der durchschnittliche Aufschlag in der Grundversicherung aufs kommende Jahr lag mit vier Prozent leicht unter dem Vorjahreswert. Dazu beigetragen hat, dass Billigkassen mit vielen jüngeren und damit meist gesünderen Kunden auf Anfang dieses Jahres ihre Prämien teilweise um mehr als 20 Prozent erhöhten. Denn sie mussten wegen der Verfeinerung des Risikoausgleichs mehr Geld an Konkurrenten mit älteren und kränkeren Versicherten überweisen.

Obwohl die Prämienerhöhungen geringer ausfallen: Die Wech­selbereitschaft dürfte in etwa gleich hoch gewesen sein wie im Vorjahr, sagt Felix Schneuwly, der Krankenversicherungsexperte des Internetvergleichsdiensts Comparis.ch. «Sie liegt bei uns im Durchschnitt der letzten drei Vorjahre», bestätigt Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig.

Aufs neue Jahr gewinnt die Winterthurer Krankenversicherungsgruppe Swica 25'000 Kunden. Dahinter folgen die Luzerner Concordia und die Berner Visana-Gruppe mit 17'000 respektive mehr als 15'000 neuen Versicherten.

Visana-Sprecher: «Immer mehr Kunden wählen diese Modelle»

Wer wechselt, wählt heute meist nicht mehr einfach das günstigste Standardmodell. Denn sie sind inzwischen teurer als alternative Versicherungsangebote, neudeutsch «Managed Care»-Angebote genannt. Damit verzichten Versicherte auf die freie Arztwahl und kontaktieren im Krankheitsfall stets zuerst einen Hausarzt, eine Gruppenpraxis, eine Apotheke oder ein medizinisches Callcenter. Dafür bieten die Versicherer ihren Kunden im Gegenzug einen Prämienrabatt.

Der Marktanteil solcher Angebote liegt mittlerweile bei über 65 Prozent und steigt weiter. «Immer mehr Kunden wählen diese Modelle», sagt Visana-Sprecher David Müller. Diese Tendenz gilt auch für treue Kunden, die zunehmend von einem Standard- auf ein Managed-Care-Modell ihres Grundversichers umsteigen. Mit diesen alternativen Angeboten lassen sich Ausgaben für unnötige Behandlungen und Medikamente vermeiden, also effektiv Kosten sparen.

Versicherer wie die Concordia und die Swica, die schon von Anfang an auf solche Modelle gesetzt haben, sind seit 2012 denn auch überproportional gewachsen. Sie konnten ihre Grundversicherungsbestände um über 10 Prozent erhöhen. Dies gilt auch für die Sympany- und die Visana-Gruppe. Hingegen stagnieren die Helsana-Grup­pe und die Groupe Mutuel, die seit 1996 mit ihrer Billigkassenstrategie Hunderttausende Versicherte akquiriert hatte. Beide dürften 2018 in etwa gleich viele Grundversicherte ausweisen wie 2012. Am stärksten zugelegt haben seit 2012 der Lausanner Discounter Assura und die Bauernkasse Agrisano. Am meisten verloren hat die Laufener EGK. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.12.2017, 09:59 Uhr

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