Wie Banden Kokain in Schweizer Schiffen nach Europa schmuggeln

Kriminelle nutzen eine neue Transportmethode: «Rip-off» – Kokain versteckt in Containerschiffen. Davon betroffen ist auch eine Genfer Firma.

Die Behörden von Philadelphia präsentieren im Juni ihren Rekordfund: Auf dem Schweizer Frachter MSC Gayane waren fast 20 Tonnen Kokain beschlagnahmt worden. Foto: Bastiaan Slabbers (Nurphoto)

Die Behörden von Philadelphia präsentieren im Juni ihren Rekordfund: Auf dem Schweizer Frachter MSC Gayane waren fast 20 Tonnen Kokain beschlagnahmt worden. Foto: Bastiaan Slabbers (Nurphoto)

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Als er am Morgen des 17. Juni 2019 im Hafen von Philadelphia einläuft, hat Kapitän Darko Roganovic keine Ahnung, dass sein Schiff Geschichte schreiben wird – aus unrühmlichen Gründen. Wenige Stunden später besteigen die amerikanischen Zollbehörden den Frachter MSC Gayane, 314 Meter lang, 48 Meter breit, mit Tausenden Containern beladen. Sie beschlagnahmen 19,76 Tonnen Kokain im Wert von rund 1,3 Milliarden Dollar. Es ist der grösste Fund in ihrer 230-jährigen Geschichte.

Die Drogenfracht ist in mehrfarbigen Leinensäcken versteckt, die ihrerseits auf sieben Container verteilt sind, gefüllt mit Wein, Trockenfrüchten, Kohle und Elektronikschrott für Europa. Das Kokain sollte nach der Ankunft des Frachters in Rotterdam zu Dealern in den verschiedenen Ländern transportiert werden, wohl auch in der Schweiz. Philadelphia war nur ein Zwischenstopp, zuvor war das Schiff in Chile, Panama und auf den Bahamas gewesen.

Der Riesenfund zeigt die Anfälligkeit des Seeverkehrs für den Drogenhandel. Und er wirft ein schlechtes Licht auf das in Genf ansässige Unternehmen MSC, die weltweit zweitgrösste Reederei. Bereits in früheren Jahren waren MSC-Schiffe in Fälle von Kokainschmuggel verwickelt gewesen. Im März etwa hatte der amerikanische Zoll in Philadelphia bereits 537 Kilogramm Kokain auf einem Frachter, der MSC Desirée, entdeckt. Im April wurde die MSC Carlotta in Peru mit 2,2 Tonnen abgefangen.

314 Meter lang, 48 Meter breit: Die MSC Gayane im Hafen von Philadelphia. Foto: AP

Im aktuellen Fall hat die amerikanische Justiz 6 von insgesamt 24 Besatzungsmitgliedern verhaftet und angeklagt. Unter ihnen der Erste und der Zweite Offizier, zwei der wichtigsten Männer an Bord der MSC Gayane. Kapitän Roganovic und sein Stell­vertreter konnten die Vereinigten Staaten hingegen unbehelligt verlassen – sie wussten von nichts. Die Genfer Ree­derei betont, dass die US-Justiz nicht gegen sie ermittle und sie mit den amerikanischen Behörden zusammenarbeite.

2019 ist auch in Europa und der Schweiz das neue Rekordjahr für Beschlagnahmungen. Seit Januar hat die Polizei im Hafen von Antwerpen, einem der wichtigsten Tore für Kokain nach Europa, fast 44 Tonnen sichergestellt. Auch in Basel gelang ein spektakulärer Fund: 600 Kilogramm, verstaut in 21 Koffern. In der Tiefgarage des Grand Casinos, nahe dem Flughafen Basel-Mulhouse, verhafteten sie drei Männer aus Osteuropa, darunter Michael Dokovich, einen der mächtigsten Figuren der organisierten Kriminalität auf dem Balkan (zur Recherche). Die Bande war eben daran, Kokain im Wert von knapp 20 Millionen Franken zu verladen. Es ist Schweizer Allzeitrekord.

Doch diese Mengen sind nur ein Bruchteil dessen, was tatsächlich umgesetzt wird. Das zeigen die Recherchen des Tamedia-Recherchedesks mit seinen Partnern vom Journalistenkollektiv European Investigative Collaboration (EIC). Noch nie, sagen Ermittler, war so viel Kokain auf dem Markt, in der Schweiz, in Europa, weltweit. Schon gar nicht in dieser Reinheit.

Inzwischen enthält der Stoff in der Schweiz durchschnittlich 62 Prozent reines Kokain, in den Städten sind es häufig 80 Prozent oder mehr (zur Recherche). Noch vor acht Jahren waren es durchschnittlich bloss 33 Prozent. Nie war es einfacher, an den Stoff heranzukommen, nie wurde so viel konsumiert wie heute. Und noch nie stellte sich die Frage so drängend, was Kokain mit einer Gesellschaft macht, in der es ohnehin schon den Hang und Zwang zur Selbstoptimierung gibt. Mit immer mehr Menschen, die sich perfekt fühlen wollen, klar, überlegen, grossartig. Wie auf Kokain eben.

Laut Europol entdecken die Behörden bestenfalls 15 Prozent der Mengen, die tatsächlich auf dem Markt zirkulieren. «Ich bin seit 14 Jahren im Kampf gegen Drogen, aber ich habe noch nie so grosse Mengen an Kokain gesehen», sagt ein Interpol-Analyst. «Es macht mir Angst. Es ist einfach zu viel Geld zu verdienen.» Und das Problem wird sich noch verschärfen: «Die weltweite Kokainschwemme hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht», warnt etwa Kevin Scully, oberster Drogenjäger im Europa-Hauptquartier der US-Drug Enforcement Administration (DEA). Die Mengen werden «gegenüber dem Rekordjahr 2018 nochmals hochgehen».

Für diese Prognose braucht es nur simple Logik: In Kolumbien, dem wichtigsten Kokainproduzenten, haben sich die Anbauflächen in den letzten acht Jahren vervierfacht. Zurückzuführen ist dies hauptsächlich auf die Friedensverhandlungen zwischen der kolum­-bia­nischen Regierung und den Farc-Rebellen. Seither spritzt die Regierung keine Herbizide mehr, als Zeichen des guten Willens und weil sie gesundheitsschädlich sind. Und die Anbauflächen schiessen in die Höhe. Auch in Peru, Nummer zwei der Herstellerländer, und Bolivien, Nummer drei, wird immer mehr produziert. Und einmal abgepackt, muss der Stoff ja irgendwohin, weltweit 2000 Tonnen sind es pro Jahr, 2011 war es noch halb so viel.

Neue Schmuggelmethode

Von Kolumbien, Peru, Bolivien transportierten die Kartelle das Kokain an die Küsten, meist in die Containerhäfen im Osten Südamerikas. Brasilien ist schon seit 2013 die Hauptdrehscheibe, um Kokain nach Europa einzuschiffen. Es ist den Schmugglern gelungen, in das globale Handelssystem einzudringen, um immer grössere Mengen über den Atlantik zu transportieren. Der Schiffscontainer ist zum beliebtesten Versteck der Schmuggler geworden.

Ihre neue Methode nennen die Fahnder Rip-off, zu deutsch: Abzocke. Sie besteht darin, die Siegel bereits beladener Container zu knacken und das Kokain inmitten ganz normaler Waren zu verstecken – bei gefrorenem Fisch, Holz, Obst, Wein etwa. Wobei, verstecken heisst, den Stoff einfach in Leinensäcken, Sporttaschen oder Kartons dazuzulegen. Die Gangs machen sich längst nicht mehr die Mühe, die Drogen mühsam in aufgeschnittene Ananas oder Bananen zu quetschen – das würde das Herausholen der Ware am Ankunftsort nur unnötig verlangsamen. Nach dem Öffnen bringen sie falsche Siegel an den Containern an. Rip-off. Oder wie ein Westschweizer Polizist sagt, der auf Drogenhandel spezialisiert ist: «Man packt 50 Säcke mit 50 Kilogramm Kokain in Container, die Drogen reisen mit echten Waren und sind relativ einfach wieder herauszuholen.»

Im Fall des Frachters MSC Gayane, von Chile unterwegs nach Panama, kamen die Schmuggler vor der peruanischen Küste: In der Nacht näherten sich vier bis sechs Schnellboote dem Koloss. Die Besatzungsmitglieder hatten sie zuvor bestochen. Sie halfen den Schmugglern, den Stoff mit dem riesigen Kran hinaufzuladen, Netze voller Kokain, das sie anschliessend in den Containern verstauten. In 30, 40 Minuten war die Show bereits vorbei.

Druck auf die Familien

Bei der Ankunft in Europa hätten die Komplizen die mit Kokain beladenen Container der Genfer Reederei durch ihre Seriennummer identifiziert, diese übermitteln die Schmuggler jeweils vorab in die Häfen. Die Hafenmitarbeiter holen die Drogen aus den Containern und bringen erneut gefälschte Siegel an, um den Einbruch zu vertuschen. In den meisten Fällen haben der Spediteur und der Eigentümer des Containers keine Ahnung. Die Firmen, die die Container losschicken, wissen nichts vom Schmuggel.

Eine Person aus dem Umfeld von MSC sagt, man sei sich des Risikos für die Matrosen bewusst. «Drogenhändler versuchen, sich an die Besatzungen zu wenden, um Informationen über die Routen zu erhalten. Manchmal üben sie Druck auf die Besatzungen oder sogar auf ihre Familien aus. Leider ist dies etwas, das unsere gesamte Branche betrifft.» Die Genfer Reederei selbst betont, dass sie nach der Philadelphia-Affäre neue Massnahmen zum Schutz der Schiffe ergriffen habe: Überraschungsinspektionen an Bord, Spürhunde, zusätzliche Wachen, Video­kameras und finanzielle Belohnungen für Alarmträger. Die Firma erwägt sogar, eigene Taucher einzusetzen, um sicherzustellen, dass keine Drogen-Zylinder unter ihren Schiffen kleben bleiben – auch das eine bei Drogenhändlern beliebte Methode.

Ob es viel nützt, ist fraglich. Der spanische und der deutsche Geheimdienst schätzen, dass mittlerweile zwischen 70 und 90 Prozent des in Europa ankommenden Kokains per Container transportiert wird. Zwar nehmen die Beschlagnahmungen überall zu: um 18 Prozent in Spanien zwischen 2017 und 2018, um 40 Prozent in Latein­amerika. In Antwerpen haben sich die sichergestellten Mengen zwischen 2013 und 2016 sogar verdoppelt. Doch das reicht nicht, um den Schmuggel zu stoppen.

Vielmehr sind die Rekordfunde ein zuverlässiges Indiz für die Rekordmenge, die die Fahnder nicht finden. Jedes Jahr passieren Millionen von Containern Häfen wie Antwerpen, Rotterdam oder Hamburg, von denen nur gerade 1 Prozent tatsächlich kontrolliert wird – das ermutigt die Schmuggler. «Die Produktionssteigerung überschwemmt den Markt», sagt der Westschweizer Drogenfahnder. «Man schickt fünf Container los und mindestens drei werden passieren, das ist sicher.»

Der grosse Vorteil der neuen Methode ist für die Schmuggler, dass grosse Mengen an Kokain mithilfe sehr weniger Personen transportiert werden können. Ganz im Gegenteil zu Bodypackern, die sie einsetzen, um ein paar Hundert Gramm mit dem Flugzeug zu schmuggeln. Und das Risiko, dass die Kuriere geschnappt werden, ist sehr gross. «Die Rip-off-Methode funktioniert relativ gut und ist relativ neu», bestätigt ein Deutschschweizer Polizist, der den Kokainmarkt untersucht. «In den Jahren 2007 und 2008 hatten wir hauptsächlich private Boote und Flugzeuge. Aber der Schmuggel hat sich in den letzten drei bis vier Jahren sehr verändert.»

Für die Schmuggler hat die Rip-off-Methode ausserdem den Vorteil, dass die Polizei das Kokain nicht bis zum Absender zurückverfolgen kann. Selbst im Falle einer Beschlagnahmung wissen die Behörden nicht, wer den Transport organisiert hat und woher das Kokain stammt. Im Jahr 2015 kam versehentlich ein Container mit 150 Kilogramm Kokain im Basler Hafen an: Die Behörden konnten die Verantwortlichen nie identifizieren.

Doch auch wenn die Methode sehr effektiv ist, erfordert sie eine ausge­klügelte Kette von Komplizen: Matrosen, Hafenarbeiter, Zollbeamte, Logistikunternehmen – sie alle müssen bestochen werden, damit die Schmuggler den ausgewählten Container unbemerkt durch den Zoll bringen. Und das kostet viel Geld. Einer der korrumpierten Matrosen auf der MSC Gayane sagte den Behörden später, für seine Dienste seien ihm 50 000 Dollar bezahlt worden.

Der Hafen, den die Schmuggler besonders oft nutzen, ist Antwerpen. Er ist gemessen an der Zahl abgefertigter Container pro Jahr – elf Millionen – der grösste der Welt. 130 Quadrat­kilometer, ein Moloch, aber maximal darauf getrimmt, die Container schnell durch­zubringen. Rund 60 000 Menschen arbeiten direkt im Hafen. Schnelligkeit, sagen Fahnder, gehe hier noch mehr vor Sicherheit als in anderen Häfen. Daran kann auch eine 40-Mann-Sondereinheit der belgischen Polizei nicht viel ändern.

Rekrutierung in Fitnessstudios

Laut ihrem Chef Manolo Tersago rekrutieren in Antwerpen kriminelle Organisationen «aktiv auf Facebook, in Fitness-Studios oder in Cafés», immer auf der Suche nach Leuten aus dem Hafen, die helfen, das Kokain aus den Containern zu holen. «Sie finden leicht Leute», sagt er. «Einen Container zu verschieben zum Beispiel, kostet einen Kranführer nur ein paar Minuten, bringt ihm aber 25 000 bis 75 000 Euro.» Tersago sagt auch: «Die können sich jeden kaufen, den sie wollen.» Das hat, natürlich, mit dem vielen Geld zu tun, das mit Kokain gemacht wird. Mehr als mit jeder anderen Droge. 300 Milliarden Euro sind es weltweit, schätzt ein westeuropäischer Nachrichtendienst. Pro Jahr.

Wenn die Schmugglerbanden es schaffen, einen Zollbeamten zu bestechen, ist das für sie wie ein Lotto-Sechser. Die Zöllner bestimmen nämlich, welche ankommenden Con­tainer durchsucht werden – und welche durchgewinkt.

Zum Beispiel Gerrit Groenheide. Der niederländische Zollbeamte wurde wegen des Schmuggels von mindestens 4 Tonnen Kokain in den Rotterdamer Hafen 2017 zu 14 Jahren Haft verurteilt. Am Tag seiner Verhaftung fand die Polizei in seiner Küche 1,1 Millionen Euro in bar. Doch Groenheide betonte, Geld sei nicht sein einziges Motiv gewesen. Er habe sich auch bedroht gefühlt. «Sie wussten alles über mich, sogar, wo meine Kinder zur Schule gingen und wo sie arbeiteten», sagte er den Ermittlern.

Diese Drohungen sind nicht leer. Wer nicht gehorcht, riskiert viel. In den Niederlanden, wo die Hauptverantwortlichen für den europäischen Kokain­handel ansässig sind, wird bereits auf der Strasse gemordet. Am 18. September 2019 starb Rechtsanwalt Derk Wiersum, hingerichtet mit mehreren Kugeln in den Kopf, als er vor seinem Haus in Amsterdam ins Auto stieg. Er hatte Nabil Bakkali verteidigt, einen Kron­zeugen der Anklage in einem grossen Mordprozess gegen die Mocro-Mafia, eine niederländisch-marokkanische Gruppe von Kriminellen, die im Kokainhandel äusserst aktiv ist. Sie muss sich für mehrere Morde verantworten. Im März 2018 war bereits Bakkalis Bruder getötet worden. Auch in Spanien und Deutschland sind in den letzten Monaten Morde im Zusammenhang mit Kokain gemeldet worden.

«Eine Art Kokainkurier»

Und was bedeutet all das für die Schweiz? Welchen Einfluss haben beispielsweise die Rekordbeschlagnahmungen? Keinen, sagt der Lausanner Kriminologe Pierre Esseiva. «Sie können so viel Kokain beschlagnahmen, wie Sie nur wollen, die Nachfrage bleibt gedeckt. Das Angebot ist ziemlich überwältigend.» Was mit dem Angebot zunehme, sagt Esseiva, sei auch der Reinheitsgrad der Droge.

Das Kokain, das in die Schweiz kommt, stammt dem Kriminologen zufolge «eindeutig aus den Niederlanden». Das Land sei «Drehscheibe» für den Kokainschmuggel in die Schweiz und ganz Europa. Hierzulande werde der Markt traditionell von Westafrikanern und Lateinamerikanern dominiert. Auch der Einfluss der Albaner nehme zu, weil sie direkte Kontakte in Amsterdam und Rotterdam hätten – und «damit Zugang zu Produkten von extrem guter Qualität und zu einem guten Preis». Esseiva fügt an: «Es gibt eine Art Kokainkurier, der von den Niederlanden in die Schweiz führt.»

Was mit dem Angebot zunehme, sagt Kriminologe Esseiva, sei auch der Reinheitsgrad der Droge: Ein Fahnder öffnet ein Kokainpaket in Philadelphia. Foto: Reuters

Ähnlich äussert sich ein ehemaliger Schweizer Dealer. Neben der Liefer­route über die Niederlande nennt er zwei weitere Routen: über Spanien und über den Balkan. Das Kokain werde nach Ankunft in den Häfen direkt in die Schweiz transportiert: «Und dann weiter mit dem Auto. Oder dem Bus. Reisebusse. Oder dem Lastwagen. Man kann es nie genau sagen.»

Die Nachfrage, sagt der ehemalige Dealer, sei riesig. Sie bestimme den Markt. «Auch ich habe eindeutig gemerkt, dass mehr Kokain in die Schweiz kommt. Wie viel mehr das ist, kann ich nicht sagen. Sicher genug. Wenn man schaut, wer wie viel konsumiert und wer alles konsumiert, dann ist das schon sehr krass. Sogar Putzfrauen konsumieren. Und Polizisten.» Er findet auch «krass», wer heute alles mit Kokain handle: «Familienväter etwa. Leute, von denen man das nie denken würde, mit super Jobs und sehr guten Löhnen.»

Alle versuchten, mit dem Kokain Geld zu machen, sagt der Mann, der sich selber aus dem Drogenhandel verabschiedet hat. Entsprechend gross sei die Konkurrenz unter den Händlern. Er habe von Dealern gehört, die andere an die Polizei verraten hätten, um sich ein bestimmtes Liefergebiet zu sichern. «Angenommen, einer kauft von einem Lieferanten sehr viel ein und verkauft den Stoff anschliessend in einer bestimmten Gegend, wird das demjenigen Dealer, der diese Gegend zuvor beliefert hat, nicht gefallen. Er wird schauen, dass es dem neuen Dealer nicht sehr gut geht», sagt er. «Er wird ihn nicht gerade erschiessen. Wir sind ja nicht in Südamerika. Aber wahrscheinlich wird er der Polizei einen Tipp geben.»

Heutzutage müsse man schlau vorgehen, fügt der ehemalige Dealer an. Er war nur einer von vielen in der Lieferkette des Kokains, die endet, wo sie in der Logik des Markts enden soll: beim Konsumenten. Das einstige Nasenpulver des Jetsets ist längst zur Massenware geworden.

Mitarbeit: Jörg Schmitt (Der Spiegel), Mark Eeckhaut (De Standaard) und Jan Meeus (NRC).

Erstellt: 08.11.2019, 17:59 Uhr

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