Wie eine Pandemie die Wirtschaft beeinflusst

Die grössten Kosten entstehen nicht durch die Krankheit selbst, sondern durch die Angst vor einer Ansteckung.

Angestellte einer Fluggesellschaft desinfizieren den Innenraum eines Passagierflugzeugs von Thai Airways. Foto: Patipat Janthong (Barcroft Media)

Angestellte einer Fluggesellschaft desinfizieren den Innenraum eines Passagierflugzeugs von Thai Airways. Foto: Patipat Janthong (Barcroft Media)

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Als am Montag die Kurse an den Börsen weltweit Verluste verzeichneten, wurde als Grund dafür von Beobachtern in erster ­Linie die Sorge vor den Folgen des Coronavirus angeführt. Mit der Ausbreitung der Lungenkrankheit vor allem in China ­rücken damit schon jetzt mögliche realwirtschaftliche Konsequenzen mit in den Fokus.

Bisher sind sie über die hauptsächlich betroffenen Regionen hinaus kaum zu sehen. Es liegt in der Natur der Verbreitung einer solchen Krankheit, dass sich ihr weiterer Verlauf nur sehr schwer abschätzen lässt. Aus der Erfahrung und aus Studien zu früheren Epidemien lassen sich aber Lehren zu den potenziellen wirtschaftlichen Konsequenzen ziehen. Am meisten wird die Entwicklung des Coronavirus mit jener der Lungenkrankheit Sars verglichen, die vor allem im Jahr 2003 weltweit für Angst und Schrecken sorgte. Die wirtschaftlichen Folgen waren am Ende aber äusserst gering.

Börsen zeigen Unsicherheit

Dass die Börsen früh reagieren, ist typisch und wenig aussagekräftig. An den Kapitalmärkten werden Erwartungen zur Zukunft gehandelt und nicht die Zukunft selbst. Und bei einer unbekannten Krankheit ist die Unsicherheit dazu besonders gross. Je nachdem, ob die letzten Nachrichten gerade Anlass zur Panik oder zur Beruhigung geben, bewegen sich deshalb die Kurse. Bereits am Dienstag stiegen die Kurse weitweit wieder an.

Generell haben die Ängste vor der Krankheit die grösseren wirtschaftlichen Folgen als die Krankheit selbst und die mit ihr verbundenen Kosten. Sehr schnell und unmittelbar betroffen ist die Reisebranche und die ganze Mobilität. Wer reist, setzt sich dem Kontakt mit anderen Menschen aus und damit potenziell einer Ansteckung. Das ist jetzt vor allem in China selbst zu sehen – wie auch verordnete Reisebeschränkungen. Folgen hat die Angst vor einer Pandemie deshalb bereits auf den Ölpreis. Die Erwartung einer geringeren Reisetätigkeit liess ihn – gemessen an der Sorte Brent – auf unter 60 Dollar pro Fass fallen.

Wie bei allen Entwicklungen, die in der Weltwirtschaft Ängste hervorrufen, sind in den letzten Tagen die Kurse von allen Anlagen angestiegen, die als sicher gelten: Das gilt sowohl für den Schweizer Franken, das Gold oder Staatsanleihen von Ländern wie den USA, Deutschland oder der Schweiz.

Rasch wirken sich wachsende Ängste auch auf das Konsumverhalten aus. Das wäre bei einer weiteren Ausbreitung nicht mehr nur in China der Fall. Vor allem nicht zwingende Güter aus dem Luxusbereich werden gemieden. Das Gleiche gilt aber auch für Ausgaben im Vergnügungsbereich, weil die Leute öffentlichen Veranstaltungen, Kinobesuchen oder Festen aus dem Weg gehen oder weil sie (bei grossen Ansteckungsrisiken) verboten werden. Hält das Bedrohungsszenario länger an, werden angesichts eines geringeren Absatzes auch Unternehmen ihre Investitionen zurücknehmen, was den wirtschaftlichen Gesamtausstoss ebenfalls sinken lassen würde.

Indirekte Kosten überwiegen

Hohe volkswirtschaftliche Schäden verursacht zudem der Ausfall von Arbeitskräften im Fall einer Pandemie. Gemäss einer Studie aus dem Jahr 2003 würden sie in der Schweiz den grössten Anteil an allen Kosten einer Pandemie ausmachen. Beschäftigte würden nicht mehr zur Arbeit erscheinen, weil sie krank sind, Kranke pflegen wären oder weil sie sich von einer Ansteckung schützen wollten.

Moderne Kommunikationsmöglichkeiten etwa über ein Handy oder Computer ermöglichen den Austausch, ohne dass sich Personen physisch begegnen müssen. Dadurch können Arbeitsprozesse in vielen Berufen aufrechterhalten bleiben, ohne dass die Ansteckungsgefahr steigt. Die Kommunikationsmittel erhöhen andererseits aber die Wahrscheinlichkeit panikartiger Reaktionen, weil mit ihnen Fehlinformationen sehr rasch und effizient verbreitet werden können. Die ökonomischen Kosten drohen dadurch grösser zu werden als früher.

Erstellt: 28.01.2020, 21:42 Uhr

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