Zurich-Versicherung hilft Thomas-Cook-Touristen

Reisende müssen laut Zurich ihre Hotelrechnung nicht selber bezahlen. Die Versicherung fordert Hotels auf, ihre Gäste nicht zu nötigen.

Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook beschäftigt auch die Regierung in London. Heck einer Condor Airbus A320. Bild: Ronald Wittek/EPA

Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook beschäftigt auch die Regierung in London. Heck einer Condor Airbus A320. Bild: Ronald Wittek/EPA

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Die Pleitewelle von Thomas Cook hat auch Deutschland und Österreich erfasst. Die dortigen Töchter meldeten Insolvenz an. Dies hat indirekt Auswirkungen auf die Schweiz.

Weil jetzt der Veranstalter Thomas Cook Deutschland insolvent ist, können Schweizer Konsumenten ihre Ansprüche mittels ihres Sicherungsscheins über die Kundengeldabsicherung der Zurich-Versicherung mit Sitz in Frankfurt geltend machen. Diese deckt Ausfälle in Gesamthöhe von bis zu rund 120 Millionen Franken. Ob das reicht, ist offen.

«Panik ist nicht angesagt», sagte ein Zurich-Sprecher. Die Reisenden müssten sich jetzt nicht hektisch um Rückflüge kümmern. Es könne aber sein, dass Kunden etwas früher zurückfliegen müssten.

Wie viele Schweizer Reisende mit Thomas Cook gestrandet sind, ist nicht klar. Schweizer Reisebüros, die eine Pauschalreise von Thomas Cook oder Neckermann verkauft hätten, stünden als Vermittler der Reise nicht in der Haftung, schrieb der Schweizer Reise-Verband am Vortag an seine Mitglieder.

Zurich übernimmt Kosten für Rückreise

Der deutsche Reiseverband DRV betonte, betroffene Pauschalreisende könnten «ihren Urlaub regulär zu Ende bringen und plangemäss nach Hause fliegen». «Jetzt, wo Thomas Cook Deutschland Insolvenz angemeldet hat, springt der Insolvenzversicherer Zurich ein», sagte DRV-Präsident Jörg Fiebig. Das Unternehmen habe angekündigt, die Kosten sowohl für die Hotels auch für die Rückflüge zu übernehmen.

Um Konflikte über die Bezahlung von Ferienunterkünften zu vermeiden, will die Zurich-Versicherung rasch handeln, sagte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur DPA in der Nacht auf Freitag.

Auf Basis der Buchungsinformationen und ohne Vorlage von Rechnungen sollen die Hotels in den Ferienorten nunmehr 50 Prozent der ausstehenden Zahlungen erhalten, so der Zurich-Sprecher. «Dies gilt sofort und unter der Voraussetzung, dass Thomas-Cook-Reisende von diesen Hotels ab sofort weder zur individuellen Zahlung von Hotelrechnungen aufgefordert oder anderweitig genötigt werden», sagte der Sprecher weiter.

Gäste mussten 1000 Euro hinblättern

Die Versicherung reagiert damit auf Berichte von Hotelgästen, die nach eigenen Angaben gezwungen worden waren, ihre Unterkünfte vor Ort selbst zu bezahlen. Einige deutsche Touristen hatten demnach mehr als 1000 Euro auf den Tisch legen müssen.

Zurich sichert nach eigenen Angaben «im Rahmen der gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen die Übernahme der Kosten für die Beherbergung der Reisenden im Zielgebiet. Entsprechendes gilt auch für die Rückreise.» Die Absicherung gilt für gebuchte Pauschalreisen von Öger Tours, Neckermann, Bucher Reisen, Thomas Cook Signature und Air Marin.

Mit Thomas Cook Deutschland sind nach Angaben von Geschäftsführerin Stefanie Berk noch etwa 120'000 Urlauber unterwegs. Das deutsche Aussenministerium erwartet keinen Massenandrang von im Ausland festsitzenden Urlaubern aus Deutschland.

Sanierung angestrebt

Thomas Cook Deutschland strebt mit der Insolvenz eine Sanierung an. Es soll verhindert werden, dass das Unternehmen Teil der Insolvenzmasse des britischen Mutterkonzerns wird. «Ziel einer Sanierung ist es, das profitable, aber schon länger durch das schwache Geschäft von Thomas Cook in Grossbritannien und den Brexit belastete Geschäft des deutschen Veranstalters selbstständig fortzuführen», hiess es. «Wir glauben an die Sanierungsfähigkeit der Company», sagte Berk.

Nach dem Ferienflieger Condor hat auch die Thomas Cook GmbH hat einen Überbrückungskredit beim Staat beantragt. Dabei soll es sich um 375 Millionen Euro oder umgerechnet gut 406 Millionen Franken handeln, wie die Nachrichtenagentur DPA am Mittwoch aus Koalitionskreisen erfuhr. Die Prüfung laufe.

Die Thomas Cook Deutschland hatte den Verkauf von neuen Reisen am Montag gestoppt. Urlauber, die bereits gebucht hatten, können seit Wochenbeginn nicht starten. Reisen sind zunächst bis diesen Donnerstag abgesagt.

Auch der österreichische Ableger von Thomas Cook stellte am Mittwoch einen Insolvenzantrag. «Jeglicher Verkauf von Reisen aus dem Portfolio der Thomas-Cook-Veranstalter ist gestoppt», teilte die Thomas Cook Austria AG in Wien mit.

Condor mit Rückenwind von 380 Millionen

Weiterfliegen kann dagegen die deutsche Fluggesellschaft Condor, die ebenfalls Thomas Cook gehört. Der deutsche Staat hatte am Vortag einen Kredit über 380 Millionen Euro (gut 463 Millionen Franken) zugesagt, weil die Airline als profitabel und lebensfähig gilt.

Bei Condor reagierten die 4900 Mitarbeiter, Kunden und Partner nach Worten von Christoph Debus, Airline-Chef der insolventen Cook-Gruppe, mit riesiger Erleichterung. Dank des Brückenkredits normalisierten sich die Buchungszahlen. Condor beantragte beim Amtsgericht Frankfurt ein Schutzschirmverfahren, um zu verhindern, dass die britische Thomas Cook Zugriff auf das Geld des Unternehmens bekommt.

Nach der Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook will die Regierung in London prüfen lassen, ob Manager des Unternehmens ihre Millionen-Boni zurückzahlen müssen. Ein entsprechendes Schreiben sei bereits an die Insolvenzverwalter gegangen, sagte der britische Verkehrsminister Grant Shapps am Mittwoch im Parlament.

Zum genauen Wert der Boni und Vergünstigungen kursierten am Dienstag unterschiedliche Zahlen. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA hatten die Führungskräfte bei Thomas Cook in den vergangenen zehn Jahren Zahlungen von knapp 50 Millionen Pfund (61 Millionen Franken) erhalten.

Der «Guardian» sprach von Auszahlungen von mehr als 35 Millionen Pfund (rund 43 Millionen Franken) in den letzten zwölf Jahren. Die Topmanager des Reiseunternehmens hätten seit 2014 Gehalts- und Bonuszahlungen im Wert von insgesamt 20 Millionen Pfund (gut 24 Millionen Franken) erhalten, berichtete die BBC unter Berufung auf Zahlen des Unternehmens.

(oli/sda)

Erstellt: 27.09.2019, 09:33 Uhr

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