«Alle offiziellen Händler sollen rentabel arbeiten können»

Die Weko verzichtet auf eine Untersuchung gegen die Amag. Sie sieht die freien Autohändler nicht diskriminiert.

Muss Empfehlungen der Weko umsetzen: Die Amag. (Archivbild) Bild: Keystone

Muss Empfehlungen der Weko umsetzen: Die Amag. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Eidgenössische Wettbewerbskommission Weko verzichtet auf eine Untersuchung gegen die Amag wegen der Diskriminierung von freien Autohändlern. Dies allerdings nur unter der Bedingung, dass die VW-Importeurin und -Verkäuferin die Empfehlungen der Weko umsetzt.

Denn in einer jahrelangen Vorabklärung hatten die Wettbewerbshüter Anhaltspunkte für unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen gefunden, die zur Eröffnung einer Untersuchung führen könnten, schrieb die Weko in der Zusammenfassung ihres Schlussberichts. Verschiedene Händler hatten der Amag vorgeworfen, ihre Position zu schwächen und sie vom Markt zu verdrängen zu versuchen.

Damit wolle die grösste Autoimporteurin der Schweiz ihre eigene Stellung im Verkauf von Neufahrzeugen und im Kundendienst stärken. Zudem habe die Amag Händler- und Serviceverträge gekündigt. Auch habe die grösste Autoimporteurin der Schweiz keine Werkstätten mehr zugelassen, die nicht gleichzeitig auch noch Neuwagen verkauften, lauteten die Klagen. Darüber hinaus würden die freien Händler gegenüber den Amag-eigenen Autoverkäufern diskriminiert.

Unzulässige Wettbewerbsabreden

Daraufhin hatte die Weko vor vier Jahren eine Vorabklärung eröffnet. Diese zeigte möglicherweise unzulässige Wettbewerbsabreden zwischen der Amag und ihren Vertriebspartnern einerseits bei der Verknüpfung von Service und Vertrieb. Andererseits gebe es Abreden über die Beschränkung des Bezugs von Ersatzteilen, schrieb die Weko nun in der Zusammenfassung ihres Schlussberichts.

Darin stellte die Weko fest, dass zwar die zahlreichen Kündigungen von Handels- und Servceverträgen den Grundsätzen der Weko entsprechen würden. «Hingegen widerspricht eine Verknüpfung von Service und Vertrieb den Grundsätzen der KFZ-Bekanntmachung», schrieb die Weko. Die KFZ-Bekanntmachung von 2015 legt die Wettbewerbsgrundsätze für den Autohandel fest.

Um die fraglichen Wettbewerbsbeschränkungen zu beseitigen oder zu verhindern, stellt die Weko der Amag eine Reihe von Bedingungen: So empfehlen die Wettbewerbshüter der Amag, in Zukunft auch mit reinen Servicepartnern zusammenzuarbeiten, die nicht im Vertrieb tätig seien.

Amag entgeht Untersuchung durch Aufspaltung

Beim Vorwurf der Diskriminierung der Handelsparter gegenüber den Amag-eigenen Autoverkaufshäusern habe die Weko zur Kenntnis genommen, dass die Amag die Geschäftsbereiche 'Import' und 'Verkauf' seit Anfang dieses Jahres getrennt habe. Damit würden für die konzerneigenen Autoverkäufer dieselben Bedingungen gelten wie für die unabhängigen VW-, Audi-, Skoda- oder Seat-Händler.

So soll die Amag beispielsweise bei Flottengeschäften darauf verzichten, gegenüber Flottenkunden bessere Angebote abzugeben als gegenüber ihren Handelspartnern. «Die Empfehlungen für Preisnachlässe für Flottenkunden sind aufzuheben», erklärte die Weko. Und beim Leasing solle die Amag, die Handelspartner informieren, dass sie frei seien, an den den Leasingaktionen der Amag teilzunehmen.

Ohne die Trennung der Geschäftsbereiche 'Verkauf' und 'Import' bei der Amag hätte die Weko eine Untersuchung durchgeführt, sagte Weko-Direktor Patrik Ducrey auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Denn es habe Anzeichen für eine Diskriminierung von freien Autohändlern gegeben.

Allerdings hätte man alles noch einmal neu anschauen müssen, ob die Vorwürfe auch unter der neuen Amag-Struktur zutreffen würden. Darauf habe die Weko aus Gründen der Verhältnismässigkeit verzichtet. «Wir haben uns gesagt, wenn die Amag die Empfehlungen der Weko umsetzt, können wir uns eine Untersuchung ersparen», sagte Ducrey.

Die Weko habe der Amag eine Frist gesetzt, die aber nicht bekannt gegeben werde. Die Amag müsse der Weko mitteilen, inwiefern sie bereit sei, die Empfehlungen umzusetzen, sagte Ducrey.

Freude bei der Amag

Die Amag nimmt den Entscheid der Kartellwächter mit Genugtuung zur Kenntnis. Die Importeurin von Marken des Volkswagenkonzerns zeigte sich erfreut, dass die Weko keine Untersuchung eröffnen werde. Damit bestätige die Weko die Gesetzeskonformität der Strategie der Amag Import AG.

Die Anregungen der Weko über gewisse Anpassungen in der Amag-Vertriebsnetz- und Händlermargenstartegie werde man prüfen. «Wir werden diese (...) mit hoher Geschwindigkeit angehen und den guten Dialog mit der Weko fortsetzen», erklärte Amag Import AG-Chef Bernhard Soltermann in einer Stellungnahme: «Es war und ist das Bestreben der Amag Import AG, dass alle offiziellen Händler und Servicepartner rentabel arbeiten können. An diesem Grundsatz orientiert sich unser Handeln.»

(oli/sda)

Erstellt: 16.10.2018, 11:24 Uhr

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