Amerikaner stehen auf Flusskreuzfahrten in der Schweiz

Im ersten Halbjahr hat die Hotellerie mehr Übernachtungen verzeichnet als im bisherigen Rekordjahr 2018.

Ein Hotelschiff liegt am Ufer im Quartier St. Johann in Basel. (Keystone/Georgios Kefalas)

Ein Hotelschiff liegt am Ufer im Quartier St. Johann in Basel. (Keystone/Georgios Kefalas)

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Sie wollen ein Selfie mit dem Matterhorn im Hintergrund? Kein Problem: Genau dafür wird in Zermatt gerade eine neue Plattform mitten im Dorf gebaut. Sie steht symbolisch für den wachsenden Touristenstrom – und gleichzeitig klingelnde Kassen sowie übervolle Strassen.

Im vergangenen Jahr zählte das Bundesamt für Statistik so viele Logiernächte wie noch nie. Im ersten Halbjahr 2019 gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein weiteres Plus.

Die Zahlen der ersten Jahreshälfte sind beeindruckend: So kamen in den Monaten Januar bis Juni 18,7 Millionen Übernachtungen zusammen, ein Plus von 1,5 Prozent. Damit soll nicht Schluss sein. Bei Schweiz Tourismus geht man davon aus, dass auch der Sommer gut laufen wird. «Was wir von der Front ­hören, ist positiv», sagt Sprecher André Aschwanden.

Die Amerikaner sind nach den Deutschen die wichtigsten Gäste für den Schweizer Tourismus. 

Beim Verband Hotelleriesuisse zeigt man sich optimistisch, wie sich die Geschäfte in diesem Jahr entwickeln. «Nicht nur, aber vor allem auch wegen des schönen Wetters sehen wir eine gute Tendenz», sagt Sprecher Patric Schönberg. Gut möglich also, dass das Rekordjahr 2018 übertroffen wird.

Ein grosser Teil des Wachstums kommt aus den USA. Besonders beliebt sind bei den Amerikanerinnen und Amerikanern derzeit Flusskreuzfahrten. Wenn diese in Basel enden, hängen die Gäste jeweils noch ein paar Tage in der Rheinstadt an. Im ersten Halbjahr haben die ­US-Amerikaner für über 1 Million Übernachtungen gesorgt, das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Amerikaner sind damit nach den Deutschen die wichtigsten Gäste für den Schweizer Tourismus.

SAC-Hütten sind beliebt

Zum Aufschwung des inländischen Tourismus tragen auch die Schweizer Gäste bei. «Die Nachfrage nach Wanderferien hat ­zugenommen und ist noch grösser als im vergangenen Jahr», sagt Aschwanden. Das hat positive Auswirkungen auf Orte, an die es nicht die ganz grossen Touristenströme hinzieht: in die Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC).

Der Sommer 2019 verläuft auf den Hütten bisher sehr erfreulich. «Viele waren bereits früh an den Wochenenden sehr gut belegt, wenn nicht sogar ausgebucht», sagt Bruno Lüthi, Leiter Hüttenbetrieb beim SAC. Auch wenn die Saison noch andaure und deshalb keine verlässlichen Zahlen zur Verfügung stünden, sei es tendenziell ein sehr guter Sommer für die Hütten. Rund ­75 Prozent der Gäste seien Einheimische, sagt Lüthi. Man beobachte, dass auch europäische Gäste, vor allem aus Deutschland, vermehrt in die Berge reisten und in SAC-Hütten abstiegen.

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Für Ferienreisende aus Euroländern ist die Währungssituation ein entscheidender Faktor, ob sie in die Schweiz kommen oder nicht. Nachdem sich der Euro zum Schweizer Franken während der Finanzkrise deutlich nach unten bewegt hatte, hatten es die Schweizer Hotels schwer. So konnte nach der Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015 eine Schweiz-Reise bis zu 20 Prozent teurer werden. In den vergangenen beiden Jahren hat sich die Situation etwas entspannt. Die Erholung könnte aber bald wieder vorbei sein. Mittlerweile notiert der Euro wieder auf unter 1.09 Franken.

Um das Währungsrisiko auszugleichen, baut der Schweizer Tourismus verstärkt ein zweites Standbein auf – den Städtetourismus. Dieser ist von einem steten Wachstum geprägt. Der Städtetourismus ist mittlerweile fast so wichtig wie der Tourismus in den Bergen und auf dem Land zusammen. Im Kanton Zürich zählt man zum Beispiel mehr Übernachtungen als im Kanton Graubünden.

Der Städtetourismus ist mittlerweile fast so wichtig wie der Tourismus in den Bergen und auf dem Land zusammen.

Getrieben wird das Wachstum in den Städten einerseits durch Geschäfts-, aber vor allem auch durch Freizeittouristen. Das habe auch damit zu tun, dass man in Schweizer Städten im Vergleich zu Metropolen im Ausland praktisch in der Natur Ferien mache, sagt Aschwanden.

Damit der Tourismus den Schwung der vergangenen Jahre mitnehmen kann, hat Schweiz Tourismus im vergangenen Jahr das erste Mal auch den Herbst als eigenständige Saison beworben. «Die Destinationen wissen, dass die Herbst­saison im Durchschnitt 12 Tage länger dauert als 1970 respektive die Zeit des Schnees kürzer wird. Entsprechend hat die Branche investiert und das saisonale Angebot diversifiziert», sagt Aschwanden. Ausbleibender Schnee im Dezember soll so künftig nicht mehr allzu grosse Löcher in die Kassen reissen.

Erstellt: 06.08.2019, 09:40 Uhr

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