Die Chancen für Swiss Skies sinken

Die letzten Herbst angekündigte neue Airline bekundet Mühe bei der Investorensuche.

Noch weit von der Realisierung entfernt: Ein Teil der Flotte von Swiss Skies soll am Euro-Airport in Basel-Müllhausen stationiert werden. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Noch weit von der Realisierung entfernt: Ein Teil der Flotte von Swiss Skies soll am Euro-Airport in Basel-Müllhausen stationiert werden. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

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Sie erachteten den Zeitpunkt als ideal, um mit einer neuen Fluggesellschaft im wachsenden Markt von Überseeflügen mitzumischen: Vier Kenner der Luftfahrtbranche präsentierten im letzten September in Basel ihre Pläne für die erste Schweizer Fluggesellschaft, die Billiglangstreckenflüge anbietet. Das Medienecho zum angekündigten Projekt «Swiss Skies» war gross.

Fragt man heute bei den Verantwortlichen nach, wird man vertröstet. «Das Team von Swiss Skies arbeitet weiterhin intensiv an allen notwendigen Vorbereitungen für den Aufbau des Unternehmens und den Beginn des Zertifizierungsprozesses», teilt ein Mediensprecher schriftlich mit. «Wir erwarten, Ende des ersten Quartals über substanzielle Neuigkeiten zu unserem Projekt informieren zu können», heisst es.

Doch die Airline-Planer haben Mühe, das erforderliche Startkapital von 100 Millionen Franken zusammenzubringen. Man habe mehrere potenzielle Investoren getroffen, heisst es dazu offiziell. Gleichzeitig müssen die Verantwortlichen zugeben, dass es nicht gelungen ist, bis Ende 2018 rund 50 Millionen einzusammeln. Dieses Ziel setzten sich die Macher im letzten Herbst selber.

Harzige Investorensuche

Die Investorensuche verlaufe langsamer als geplant, schreibt Swiss Skies, wegen «einer Reihe von Faktoren wie dem allgemeinen wirtschaftlichen Ausblick, steigender Treibstoffkosten, erhöhter globaler Handelsbeschränkungen und politischer Unsicherheit wie beispielsweise dem Brexit».

Genau dies sind die Faktoren, die viele kleinere Airlines in Turbulenzen gebracht haben. Ein Beispiel dafür ist die Germania. Deutschlands zweitgrösste Fluggesellschaft informierte vergangene Woche über finanzielle Probleme. Zur Gruppe gehört auch die Schweizer Germania Flug AG mit Sitz in Glattbrugg, die 100 Mitarbeiter beschäftigt.

«Der europäischen Luftfahrtbranche steht ein Prozess der Konsolidierung bevor.»

Tobias Mattle, Sprecher Aeropers

Ende Woche zeigte sich Germania-Chef Karsten Balke zwar optimistisch, dank neuer Investoren den Finanzbedarf decken zu können. Doch die Lage bleibt offenbar prekär.

Auch die Pleiten von Wettbewerbern wie Air Berlin, Primera Air, Small Planet, VLM und der Berner Skywork sorgten jüngst für Schlagzeilen. «Es zeigt sich einmal mehr, dass das Geschäftsmodell von tiefen Preisen auf Kosten der Mitarbeiter nicht nachhaltig ist», schreibt die Pilotengewerkschaft Aeropers als Reaktion auf die finanziellen Probleme von Germania.

In diesem schwierigen Umfeld versuchen die Swiss-Skies-Leute, ihre Pläne umzusetzen. Sie planen eine Flotte von 38 Flugzeugen mit 1900 Mitarbeitern. Damit sollen 45 Ziele auf fünf Kontinenten angeflogen werden.

Konsolidierung erwartet

Das Unternehmen verspricht sich viel von der neusten Generation an Flugzeugen: Mit ihnen soll der Treibstoffverbrauch sinken und damit auch die Kosten. Swiss Skies will so Tickets bis zu 30 Prozent tiefer als andere Gesellschaften anbieten.

Bei Aeropers schüttelt man ob der Pläne den Kopf. «Der europäischen Luftfahrtbranche steht ein Konsolidierungsprozess bevor», sagt Tobias Mattle, Aeropers-Sprecher. In den USA sei es bereits vor zehn Jahren dazu gekommen. «Übrig geblieben sind noch vier grosse Anbieter. Diese arbeiten heute sehr rentabel», sagt Mattle.

2018 war laut dem Branchenverband Iata für Fluggesellschaften immerhin noch ein gutes Jahr. «Airlines wie Germania, die in diesem Umfeld in finanzielle Schwierigkeiten geraten, sind langfristig nicht überlebensfähig», ist Mattle überzeugt.

Dazu kommt, dass auch die Konkurrenz aggressiv mit tiefen Preisen für Langstreckenflüge wirbt. Vergangene Woche mietete die Swiss die Halle im Hauptbahnhof Zürich für ihre Marketingkampagne. Miami ab 499 Franken, so gibt der Platzhirsch den Tarif vor.

Erstellt: 13.01.2019, 21:15 Uhr

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