Ein Ausflug nach irgendwo? SBB arbeiten an Überraschungsangebot

Passagiere erfahren erst nach der Buchung, wohin die Reise führt. Ein neues Angebot soll die Kunden überraschen – und vor allem leere Züge füllen.

Die Bundesbahnen tüfteln an SBB Surprise. Das Ziel des Angebots: leere Züge besser auslasten. Bild: Screenshot SBB Umfrage.

Die Bundesbahnen tüfteln an SBB Surprise. Das Ziel des Angebots: leere Züge besser auslasten. Bild: Screenshot SBB Umfrage.

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Sie wollen shoppen gehen oder an Ihrem freien Tag in die Berge? Wissen aber noch nicht genau wohin? Die SBB haben in diesem Fall vielleicht bald eine Lösung. Die Bundesbahnen arbeiten zurzeit an einem neuen Angebot namens SBB Surprise.

Das neue Angebot soll folgendermassen funktionieren: Der Kunde gibt online an, was er machen will. Also ob er wandern, eine Stadt besuchen oder lieber shoppen gehen will. Er gibt zudem an, wie viel Budget er für die Fahrt maximal hat, welches Wetter er bevorzugt und wann er abfahren möchte.

Das Programm dahinter, so die Idee, macht dann einen Vorschlag, der zu den eingegeben Daten passt, und ein Preis wird angezeigt. Entspricht das Angebot den Vorstellungen der Kunden, können sie sich das Billett kaufen. Sie wissen dabei aber nicht, wohin die Reise führt. Das erfahren die Passagiere erst, nachdem sie das Ticket gekauft haben.

So kann es sein, dass jemand aus Bern, der einen Tagesausflug in die Berge unternehmen will, nicht ins Berner Oberland gefahren wird, sondern nach Glarus. Oder es geht zum Shoppen plötzlich nach Lausanne statt nach Zürich.

Damit das Ganze auch funktioniert, sind die Tickets stark vergünstigt. Bis zu 50 Prozent Rabatt sollen drinliegen, je nach Destination.

Die Idee zu SBB Surprise stammt von Oliver Neumann. Er sagt: «Wir wollen die Kunden positiv überraschen mit dem Angebot.» Dabei sollen, im besten Fall, auch weniger bekannte Orte in der Schweiz von mehr Besuchern profitieren. Zudem werde den Kunden die Planung abgenommen.

Ganz neu sind solche Überraschungsreisen derweil nicht. Für Flugreisen zum Beispiel gibt es solche Angebote schon länger. Dabei können gar Komplettreisen inklusive Hotels gebucht werden.

Schlecht ausgelastete Züge

Hinter der Idee steckt aber nicht nur eine Überraschung für die Passagiere. Es geht vor allem darum, die Freizeitreisenden auf weniger ausgelastete Züge umzulenken. Denn diese machen einen beträchtlichen Teil der Passagiere aus. Die Züge der SBB sind im Durchschnitt über den Tag verteilt nur schwach belegt. Im Fernverkehr liegt die Auslastung bei rund 30 Prozent, im Regionalverkehr bei rund 20.

Zu den typischen Pendlerzeiten auf den Hauptverkehrsachsen sieht dies freilich anders aus: Da gehören überfüllte Züge zur Normalität. Fällt mal ein Zug aus oder hat eine grosse Verspätung, wird es erst recht eng.

Die SBB arbeiten diesem Ungleichgewicht zurzeit mit dem Einsatz von Sparbilletten entgegen. 80 Millionen Franken liessen sich die Bundesbahnen die Spartickets im vergangenen Jahr kosten. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen mit dem Preisüberwacher, der die hohen Gewinne im Fernverkehr den SBB-Kunden zurückführen will. Dieses Jahr sollen es mehr als 100 Millionen sein.

Spartickets bringen Mehrverkehr

Doch funktionieren die Sparbillette, um die Pendlerströme zu lenken? Das lässt sich zurzeit nur schwer beziffern. Im vergangenen Jahr wurden laut den SBB 5,5 Millionen Spartickets gekauft, das sind rund 15 Prozent aller normalen Billette und Tageskarten ohne Abos. Ein SBB-Sprecher sagt, dass wegen der Spartickets rund 1,3 Millionen Passagiere auf schwächer ausgelastete Züge gewechselt haben. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 fuhren 455 Millionen Passagiere mit den Bundesbahnen.

Wie viel der Effekt auf einzelne Züge heruntergebrochen ausmacht, können die SBB nicht sagen. Man sei aber sehr zufrieden mit der Massnahme, sagt der Sprecher. Einen Durchschnittswert pro Zug zu berechnen, macht denn auch wenig Sinn, weil Spartickets nur im Fernverkehr und ausserhalb der Hauptverkehrszeiten gekauft werden können.

Fest steht: Zumindest Mehrverkehr haben die SBB mit den Spartickets generieren können. Denn der Rest der 5,5 Millionen Tickets kauften Passagiere, die sonst mit dem Auto gefahren oder gar nicht erst gereist wären.

SBB Surprise könnte nun als zusätzliches Tool zum Lenken von Passagieren dazukommen. Es befindet sich aber noch im Entwicklungsstadium. Die Bundesbahnen prüfen nun erst einmal, wann und ob das Angebot eingeführt wird. Klar ist aber auch, dass die SBB darauf angewiesen sind, ihre Züge zur Hauptverkehrszeit zu entlasten. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.06.2019, 13:13 Uhr

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