Einkaufen in Deutschland wird teurer – aber nur ein wenig

Die Lobby-Arbeit der Händler im süddeutschen Raum hat gefruchtet: Bei Waren über 50 Euro bekommen Einkaufstouristen die Mehrwertsteuer weiterhin zurück.

Schweizer Einkaufstouristen werden künftig erst ab einem Wert von 50 Euro die Mehrwertsteuer zurückverlangen können. Foto:Tamedia

Schweizer Einkaufstouristen werden künftig erst ab einem Wert von 50 Euro die Mehrwertsteuer zurückverlangen können. Foto:Tamedia

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es hätte schlimmer kommen können für die Schweizer Einkaufstouristen: Die sogenannte Bagatellgrenze wird wohl nicht auf 175 Franken angehoben, wie zuerst angedacht. Sondern nur auf 50 Euro. Und sie ist zeitlich begrenzt. Dies meldete der «Südkurier». Eine solche Bagatellgrenze gibt es heute nicht.

Wer heute aus der Schweiz nach Deutschland zum Einkaufen fährt, kann die Mehrwertsteuer von bis zu 19 Prozent zurückverlangen. Auch bei kleineren Beträgen lohnt es sich, die dafür vorgesehenen grünen Zettel auszufüllen.

Viel Aufwand für deutsche Zöllner

Der deutsche SPD-Finanzminister Olaf Scholz wollte dem ein Ende bereiten. Denn die Flut der grünen Zettel zu bearbeiten, bedeutet für die deutschen Zöllner vor allem eines: Viel und vor allem teurer Aufwand. Scholz’ Plan war es deshalb, eine Grenze einzuführen: Einkäufe unter 175 Euro sollten nicht mehr dazu berechtigen, die Mehrwertsteuer zurückzufordern.

Für die deutschen Händler nahe der Schweizer Grenze wäre eine hohe Bagatellgrenze fatal gewesen. «Die Schweizer Kunden sind sehr preissensitiv», sagt Claudius Marx von der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee auf Anfrage. Wird die Differenz zwischen Preisen in Deutschland und der Schweiz kleiner, fahren weniger Einkaufstouristen über die Grenze.

Entsprechend hat der Verband in Berlin lobbyiert. Mit Erfolg. Denn vom ursprünglichen Plan ist man offenbar abgerückt, nun liegt die Grenze bei 50 Euro. Das bringt für die Zöllner ebenfalls weniger Aufwand mit sich.

Eine Lösung auf Zeit

Noch wichtiger aber für die deutschen Händler ist die Aussicht darauf, dass die Bagatellgrenze wieder aufgehoben werden soll. Die neue Regelung gelte nur so lange, bis eine digitale Lösung zur Anmeldung von Waren bereitstehe, heisst es sinngemäss im Gesetzesentwurf, der am Mittwoch ins Berliner Kabinett kommt.

Wann eine solche digitale Lösung präsentiert wird, ist aber offen. Bereits wurde viel Geld in das Projekt gesteckt, die Rede ist von 28 Millionen Euro – bisher aber noch ohne zählbares Resultat.

«Wir können zufrieden sein», sagt Claudius Marx. Es sei letztlich ein Kompromiss, mit dem man Leben könne. Trotzdem gehe man von einer sinkenden Kundenfrequenz von rund 20 Prozent aus. Das heisst nun nicht, dass zwingend weniger eingekauft wird, sondern dass anders eingekauft wird. Also grössere Einkäufe statt viele.

Wenn die neue Regelung tatsächlich alle politischen Prozesse erfolgreich durchläuft, wonach es momentan aussieht, tritt sie ab dem 1.1.2020 in Kraft. «Somit dürfen wir uns über das Weihnachtsgeschäft freuen», sagt Marx.

«Sehr tief angesetzt»

Für die Schweizer Händler ist diese tiefe Bagatellgrenze entsprechend weniger positiv zu werten. Insbesondere, weil sie schon bald wieder wegfallen könnte. Bei der Schweizer IG Detailhandel heisst es, dass die Einführung einer Bagatellgrenze grundsätzlich zu begrüssen sei. So würde der steuerlichen Benachteiligung von Konsumentinnen, die im Inland einkaufen, entgegengewirkt. «Mit 50 Euro ist die Grenze aber sehr tief angesetzt», sagt ein Sprecher. Man erwarte deshalb keine grossen Auswirkungen auf das Verhalten von Konsumentinnen und Konsumenten, die in Deutschland einkaufen.

Im vergangenen Jahr ging der Einkaufstourismus zurück, die Zahl der ausgestellten grünen Zettel ist auf unter 15 Millionen gesunken. Ein Wert wie noch im Jahr 2014. Dazwischen erlebte der Einkaufstourismus in Deutschland einen Boom dank des Wechselkurses zwischen Franken und Euro. Marx geht davon aus, dass sich die leichte Abwärtstendenz auch in diesem Jahr zeigen wird.

Erstellt: 30.07.2019, 15:42 Uhr

Artikel zum Thema

Der Einkaufstourismus geht erstmals zurück

Der schwächere Franken führt nach zehn Jahren zu einer Trendwende beim Shopping ennet der Grenze. Mehr...

Der unterschätzte Preisdruck des Onlinehandels

Die grösste Studie zum Online-Shopping zeigt: US-Haushalte sparen über 1000 Dollar im Jahr – aber nicht alle. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...