Klimajugendliche wollen grüne Finanzindustrie

Die Schweizer Institute sollen stärker auf die Umwelt achten. Die Branche hegt Zweifel, ob die Massnahmen viel bringen.

Am Freitagmorgen haben Klimastreikende vor der Schweizerischen Nationalbank auf den Einfluss der Schweizer Finanzinstitute auf die Klimakrise aufmerksam gemacht.

Am Freitagmorgen haben Klimastreikende vor der Schweizerischen Nationalbank auf den Einfluss der Schweizer Finanzinstitute auf die Klimakrise aufmerksam gemacht. Bild: zvg Mario Trachsel

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Zu Tausenden haben die Klimajugendlichen in den letzten Monaten in Schweizer Städten demonstriert. Doch was sie verändern wollen, blieb lange unklar. Vor wenigen Tagen haben sie ein Label für umweltfreundliche Politiker vorgestellt. Nun legen sie mit einem Massnahmenplan für die Finanzbranche nach. Er liegt dieser Zeitung vor.

Heute versammeln sich die Klimastreikenden in Bern und werden vor einigen Banken auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Sie kritisieren in dem Papier, dass die Finanzbranche durch ihre Investitionen und die Finanzierung von klimaschädlichen Unternehmen die Klimaerwärmung antreibe. Die Banken würden damit das Pariser Abkommen verletzen.

Finanzflüsse offenlegen

Die Klimajugendlichen stellen drei Forderungen. Sie wollen von Bundesrat und Parlament bis 2020 klare Vorschriften und Standards zu nachhaltigen Investitionen und Finanzierungen für die Schweizer Finanzbranche, dazu gehören unter anderem Banken, Versicherungen und Pensionskassen. Sie verlangen weiter ab nächstem Jahr eineVeröffentlichung der Finanzflüsse. Darunter fallen Finanzierungen, Investitionen und Versicherungsdienstleistungen. Sie wollen auch eine Reduktion der direkten und indirekten Treibhausgasemissionen des Schweizer Finanzplatzes bis 2030 auf null. Mit der Finanzierung und den Versicherungsdienstleistungen für fossile Energien wäre es damit vorbei.

Die Klimastreikenden erhalten aus der Finanzbranche Unterstützung. «Die Forderungen von Klimaschutz Schweiz entspringen einer berechtigten Sorge um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und müssen deshalb ernst genommen werden», sagt Antoinette Hunziker-Ebneter, Verwaltungsratspräsidentin der Berner Kantonalbank (BEKB). Nachhaltige Produkte und eine Reduktion der Treibhausgasemissionen seien Anliegen, die von der BEKB unterstützt würden.

UBS und Credit Suisse äussern sich nicht zu den Forderungen. Beide Banken haben es sich aber zum Ziel gesetzt, das Pariser Abkommen zu erfüllen. Beide streichen hervor, dass sie Hunderte Milliarden Dollar nachhaltig investiert haben und dass sie Unternehmen den Übergang zu einem tieferen Ressourcenverbrauch finanzieren. Für eine Stellungnahme verweisen die Grossbanken an die Bankiervereinigung. Laut dem Branchenverband sei nachhaltiges Anlegen für den Finanzplatz wichtig. Das Geschäft wachse schon heute ohne gesetzliche Vorgaben überdurchschnittlich und soll weiter ausgebaut werden. «Die Bankiervereinigung prüft, welche weiteren Massnahmen am zielführendsten sind, um die Finanzströme klimaverträglich auszurichten», so eine Sprecherin.

Eine Schweizer Sonderlösung für nachhaltige Anlagen bringt internationalen Investoren wenig. 

Bei Bankmanagern lösen die Vorschläge der Klimastreikenden Stirnrunzeln aus. Die Ziele seien realitätsfremd, sagt einer. Die erste Forderung könnte den Umbruch in der Branche verlangsamen. Denn die Diskussion um internationale Standards für nachhaltige Anlagen laufe schon lange auf internationaler Ebene. Eine Schweizer Sonderlösung bringe den internationalen Investoren wenig. Eine Offenlegung der Finanzströme sei für eine Bank nicht denkbar.

Ein anderer Manager ist irritiert, dass die Argumentation der Klimajugendlichen derjenigen der Klimademonstranten ähnelt, die kürzlich in Zürich Filialen der CS und der UBS blockierten. Die Forderungen zusammen mit den Kundgebungen vor den Banken könnten dazu führen, dass der Schwarze Peter den Banken zugeschoben und der Hebel nicht dort angesetzt werde, wo es schnellere Resultate gebe.

Das Ziel null bis 2030 bedinge, dass die gesamte Wirtschaft ohne Kohlenstoff auskommen würde, inklusive aller Energie- und Transportsysteme. Da Schweizer Banken, Versicherungen und Investoren global tätig seien, müsste die Dekarbonisierung bis 2030 weltweit passieren. Bislang wird sie aber erst in 20 Ländern diskutiert. In anderen Ländern würden die umweltschädlichen Industrien sogar gefördert: Laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds werden fossile Energien jährlich mit etwa 5 Billionen Dollar subventioniert.

Erstellt: 01.08.2019, 22:48 Uhr

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