Nike zieht Schuh mit umstrittener US-Flagge zurück

Der Sportartikel-Hersteller wollte zum Unabhängigkeitstag der USA eine Special Edition verkaufen. Doch Kritiker sehen darin eine Glorifizierung der Sklaverei.

Das Modell «Nike Air Max 1 Quick Strike Fourth of July» sorgte in den USA für eine Debatte über Patriotismus und die Aufarbeitung der Sklaverei. Bild: AP

Das Modell «Nike Air Max 1 Quick Strike Fourth of July» sorgte in den USA für eine Debatte über Patriotismus und die Aufarbeitung der Sklaverei. Bild: AP

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Wenn die USA ihre Geschichte aufarbeiten, entzünden sich die Debatten oft an den Flaggen. Nun geriet der Bekleidungshersteller Nike in eine dieser Diskussionen: Er brachte eine Spezialversion seiner Air-Max-Sneaker auf den Markt, auf deren Rückseite die sogenannte Betsy-Ross-Flagge prangte. Die Schuhe sollten zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli verkauft werden. Doch Kritiker sehen darin eine Glorifizierung der Zeit, als die Sklaverei in den USA noch üblich war. Denn diese Flaggenversion gilt als die erste des Landes, die Näherin Betsy Ross soll sie vor mehr als 200 Jahren hergestellt haben. Der Unterschied zur aktuellen US-Flagge: Auf dem blauen Feld in der linken oberen Ecke sind nur 13 Sterne für die Gründungsstaaten abgebildet. Jetzt sind es 50 Sterne für 50 Bundesstaaten.

Auslöser der Diskussionen um die Schuhe ist wohl der afroamerikanische American-Football-Star Colin Kaepernick. Er habe Nike darauf hingewiesen, dass er die Betsy-Ross-Flagge als ein Symbol aus der Zeit der Sklaverei deute, berichtete das «Wall Street Journal» am Mittwoch. Kaepernick wirbt für Nike-Produkte und ist bekannt dafür, sich gegen Rassismus einzusetzen: Als vor Footballspielen die Nationalhymne gespielt wurde, ging er im Jahr 2016 als Zeichen des Protests auf die Knie. Dem US-Präsidenten Donald Trump gefiel Kaepernicks aktivistische Haltung nicht, er kritisierte im vergangenen September, dass Nike mit dem Sportler wirbt. Daraufhin verbrannten viele Kaepernick-Kritiker ihre Nike-Schuhe. Aber die Gegenbewegung war wohl grösser: In der Zeit des Aufruhrs um Kaepernick und Trump sei der Umsatz sogar gestiegen, verkündete Nike später.

Wer den Schuh schon hat, kann ein gutes Geschäft machen

Kaepernicks aktuelle Intervention dürfte dem Bekleidungshersteller zumindest kurzfristig wirtschaftlich eher geschadet haben. Denn Nike stoppte den Verkauf des Schuhs. Und der republikanische Gouverneur von Arizona, Doug Ducey, verkündete gar per Twitter, den Bau eines neuen Nike-Werks in dem von ihm regierten Bundesstaat nicht mehr fördern zu wollen: «Wörter können nicht ausdrücken, wie enttäuscht ich von dieser schrecklichen Entscheidung bin», schrieb er über den Verkaufsstopp der Sneaker-Sonderedition. Die gestrichenen Fördermittel dürften Nike allerdings nicht besonders schmerzen: Das neue Werk soll insgesamt 184 Millionen Dollar kosten, Arizona wollte es ursprünglich mit einer Million Dollar fördern.

Unterstützung bekamen Kaepernick und Nike vom demokratischen Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom: «Danke, dass ihr das Richtige getan habt», twitterte er. Ob Nike auch für den eigenen Umsatz das Richtige getan hat, wird sich zeigen. Der Aktienkurs des Schuhherstellers jedenfalls reagierte nicht auf die Debatte. Von dem Streit um die Sneaker profitieren bisher diejenigen am meisten, die den Schuh schon haben: Nike hatte ihn kurzzeitig für 130 Dollar verkauft, mittlerweile können Besitzer ihn auf Sneaker-Handelsplattformen teilweise für mehr als 2000 Dollar weiterverkaufen.

Erstellt: 03.07.2019, 15:12 Uhr

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