Schweineohren und -füsse für Chinesen

Die Erlaubnis, Schweinefleisch nach China zu exportieren, kommt für die Branche zu einem günstigen Zeitpunkt.

Noch glücklich: Schweine auf einem Zürcher Bauernhof. Foto: Keystone

Noch glücklich: Schweine auf einem Zürcher Bauernhof. Foto: Keystone

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Fünf Schweizer Fleischverarbeiter dürfen künftig ihre Produkte nach China exportieren. Sie haben eine Zulassung für das fernöstliche Land erhalten, wie das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung von Bundesrat Guy Parmelin gestern mitteilte. Grundlage ist das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China.

In der Volksrepublik mit ihren 1,4Milliarden Einwohnern herrscht zurzeit ein Mangel an preiswertem Schweinefleisch. Wegen der sogenannten afrikanischen Schweinepest sind aussergewöhnlich viele Tiere verendet. China musste deshalb die Schweinefleisch-Importe erhöhen. Chinesinnen und Chinesen lieben Schweinefleisch. Jährlich essen sie rund 55 Millionen Tonnen des Proteinspenders – das sind gut 50 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Das Land ist denn auch weltweit der grösste Produzent von Schweinefleisch.

Die Pest hat die Fleischpreise in China in die Höhe getrieben. Der Handelskrieg verschärft das Problem weiter, denn ein Teil des Imports stammt aus den USA. Doch auf Schweinefleisch haben die Chinesen bereits 70 Prozent an Zöllen erhoben. Eine Chance also für andere Länder, nun einzuspringen.

Eine der Firmen, die profitieren könnte, ist Nutrivalor, eine Tochterfirma von Centravo. Nutrivalor ist auf die internationale Vermarktung von Fleischspezialitäten spezialisiert. Deren Sprecher Georg Herriger sagt: «Die Arbeit beginnt nun erst. Wir erhoffen uns, dass wir in China einen Markt aufbauen können.» Es werde aber noch einige Monate dauern, bis man wirklich nach China exportieren könne.

Nutrivalor hat für die Zulassung kräftig investiert, denn das Unternehmen musste ein Registrierungs- und Inspektionsverfahren durchlaufen. In einem neuen millionenteuren Verarbeitungsbetrieb im solothurnischen Oensingen hat der Fleischverarbeiter eigens eine Produktionslinie für den chinesischen Markt eingebaut. Prüfer aus China haben diese genau kontrolliert, um sicher zu gehen, dass sie auch den Richtlinien entspricht. Ein Verfahren, das Zeit in Anspruch nahm.

Ein neues Absatzparadies für die Schweinezüchter in der Schweiz wird China aber wohl trotzdem nicht. Denn in das Land werden nicht alle Teile eines geschlachteten Schweins exportiert, vielmehr gehen nach China Teile wie Schweinefüsse, -ohren-, -schwänze und -schnauzen.

Tiefe Exportmenge

Für Nutrivalor ist dies trotzdem ein Gewinn. Raphael Helfenstein vom Verband Suisseporcs sagt dazu: «Da das Ziel Nose to Tail ist, also die Verwertung des ganzen Tieres von der Nase bis zum Schwanz, sind wir froh, über diese neue Möglichkeit». Der gesamte Absatz werde sich aber wohl nicht vergrössern, glaubt Helfenstein. Denn Schweizer Schweinefleisch habe es nicht einfach auf dem internationalen Markt. Zu hoch sind die Produktionskosten. Dieser liegt laut Helfenstein bei 4.20 Franken pro Kilo Schlachtgewicht. In den USA liegen die Kosten bei 1.20 Franken, in der EU bei 1.80 Franken.

Allgemein exportiert die Schweiz verhältnismässig wenig Schweinefleisch ins Ausland. 2018 etwa waren es bloss knapp 800 Tonnen. Ein Grossteil des Exports geht nach Deutschland.

Übrigens: Auch in der Schweiz ist Schweinefleisch sehr beliebt. Pro Kopf und Jahr wird hierzulande 20 Kilogramm verspeist. «Schwinigs» ist damit das beliebteste Fleisch vor Poulet, von dem pro Einwohner jährlich 12 Kilogramm verzerrt wird.


UBS-Ökonom sorgt in China für Skandal

Eine flapsige Bemerkung über Schweine hat für einen UBS-Ökonomen Folgen. «Wir haben Paul Donovan gebeten, eine Auszeit zu nehmen, während wir diese Angelegenheit prüfen», sagte ein Sprecher der Grossbank gestern. «Wir evaluieren ob weitere Schritte erforderlich sind.»

Hintergrund ist ein Kommentar des Chefökonomen der Vermögensverwaltungssparte. Er sprach in einem Podcast vom Mittwoch über höhere Konsumentenpreise wegen der in China grassierenden Krankheit bei Schweinen: «Spielt das eine Rolle? Es ist wichtig, wenn du ein chinesisches Schwein bist. Esist wichtig, wenn man gerne Schweinefleisch in China isst».

UBS verliert Broker

Das hatte in der chinesischenFinanzbranche einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der Broker Haitong International, Hongkong-Tochter des chinesischen Brokers Haitong Securities, kündigte darauf seine Geschäftsbeziehungen mit der UBS auf. «Es gibt keinen klaren Zeitplan dafür, die Zusammenarbeit wieder aufzunehmen, das ist eine Entscheidung des Managements», erklärte Haitong. Zuvor hatte der Chef des Instituts, Lin Yong, den Schritt über eine Chatnachricht angekündigt.

Die UBS hatte sich zwar für den Kommentar entschuldigt – doch einige Firmen hatten die Entschuldigung nicht angenommen. Zwar hat bislang kein anderes Unternehmen seine Geschäftsbeziehung zur UBS aufgekündigt. Doch der chinesische Wertpapierverband empfahl seinen Mitgliedern gestern, den Cheföknom der Grossbank nicht mehr zu zitieren oder zu Veranstaltungen einzuladen. Donovan liess Anfragen für eine Stellungnahme unbeantwortet. (sda)

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.06.2019, 21:21 Uhr

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