Schweizer Banken in Maduros Geldwäsche-Imperium verwickelt

Das venezolanische Regime wäscht im grossem Stil Geld – auch mit Kokainhandel und illegalen Goldverkäufen.

Soll einen Mafiastaat aufgebaut haben, der von einem weltweiten Korruptionsnetz gestützt wird: Nicolás Maduro Foto: Bloomberg/Getty

Soll einen Mafiastaat aufgebaut haben, der von einem weltweiten Korruptionsnetz gestützt wird: Nicolás Maduro Foto: Bloomberg/Getty

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Korruption, Geldwäsche und Drogenhandel sind wesentliche Bestandteile des Machterhalts des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Der Machthaber und sein Umfeld hätten einen kriminellen Staat und ein «weltweites Geldwäscheimperium» errichtet, heisst es in einer neuen Studie der National Defense University in Washington D. C. und des auf Sicherheitsfragen spezialisierten US-Unternehmens IBI Consultants.

Laut IBI-Chef Douglas Farah wurden in der fünfjährigen Untersuchung in elf Staaten 183 Personen und 205 Briefkastenfirmen in 26 Ländern ausgemacht, die den Mafiastaat unterstützen. Darunter sind Prominente wie Staatschef Nicolás Maduro, Industrieminister Tareck El Aissami, Nicaraguas Präsident Daniel Ortega oder der kolumbianische Ex-Guerillaführer Iván Márquez.

Ölverkäufe in der Höhe von 200 Millionen Dollar fingiert

Die Studienautoren beschreiben vier Strategien, wie die Geldwäsche in grossem Stil funktioniert. Über Bestechungszahlungen, Kokainhandel, illegale Goldverkäufe und Banktransfers. Zwischen 2007 und 2018 dürften über die kriminellen Netzwerke mindestens 10 Milliarden US-Dollar aus Venezuela abgeflossen sein.

Erfundene Öldeals sind eine Methode. Der staatliche Ölkonzern PDVSA besitzt 60 Prozent an Alba Petróleos in El Salvador und 51 Prozent an Albanisa in Nicaragua, was kontinuierliche Geldflüsse ermöglicht. Alba Petróleos kassierte zwischen 2010 und 2017 ohne Öllieferungen von PDVSA 1,2 Milliarden Dollar. Der Albanisa-Ableger importierte kaum Öl und weist dennoch in nur einem Jahrzehnt 4 bis 6 Milliarden Dollar als Einkommen aus.

IBI entdeckte fiktive Ölverkäufe im Wert von 200 Millionen Dollar, zudem nie gelieferte Bestellungen von Solarpanels oder Flaschenwasser für zweistellige Millionenbeträge. Angebliche Käufe technischer Ausrüstung für PDVSA in Spanien entpuppten sich als gefälscht, die Gelder flossen stattdessen in Immobilien und Jachten. Alba Petróleos vergab zwischen 2007 und 2017 an acht Firmen in Panama Kredite in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar. Von dort wanderte das Geld auf Bankkonten in der Schweiz, in Belize, Russland und auf den Cayman-Inseln.

Auch Glencore hat profitiert

Auch Schweizer Ölhändler stehen im Verdacht, vom Korruptionssumpf in Venezuela profitiert zu haben. PDVSA beschuldigte im vergangenen Jahr vor dem US-Distriktsgericht in Florida die beiden Mitarbeiter Francisco Morillo und Leonardo Baquero, über ihre in Miami ansässige Firma Helsinge mit den Schweizer Rohstoffriesen Glencore, Trafigura und Vitol Marktabsprachen getroffen und PDVSA um Milliarden gebracht zu haben.

Der ehemalige Scotland-Yard-Detektiv John Brennan sagte aus, dass etliche Schweizer Banken wie EFG International und Credit Suisse bei Geldtransfers halfen. Der Fall Helsinge beschäftigt die US-Justiz und die Genfer Staatsanwaltschaft. Er könnte den abrupten Rücktritt des Glencore-Ölchefs Alex Beard erklären, der diese Woche bekannt gegeben wurde. Laut «Financial Times» dürfte der Abgang mit einem geplanten Deal von Glencore-Boss Ivan Glasenberg mit der US-Justizbehörde zusammenhängen. Diese untersucht Machenschaften in Venezuela, Kongo und Nigeria.

Julius Bär in mutmasslichen Geldwäschefall verwickelt

Auch Infrastrukturprojekte setzt das venezolanische Regime für seine Betrugsmanöver ein. 2007 gaben der damalige Präsident Hugo Chávez und sein Amtskollege aus Nicaragua, Daniel Ortega, den Bau einer Grossraffinerie bekannt. Projektkosten: 6,6 Milliarden Dollar. Mindestens 500 Millionen wurden gezahlt, doch bis heute existiert die Anlage nicht. Bei zwei Besuchen 2014 und 2016 fanden die IBI-Spezialisten lediglich ein leeres Feld, einen Holzzaun und ein paar rostige Tanklager vor.

Im August 2018 wurden in Florida der venezolanische Fernsehmogul Raul Gorrin und zwölf weitere Komplizen der Verschwörung zwecks Geldwäscherei angeklagt. Sie sollen PDVSA um 1,2 Milliarden Dollar erleichtert haben. Gorrin war bis zum vergangenen Jahr ein Grosskunde bei der Schweizer Privatbank Julius Bär, betreut vom deutschen Banker Matthias Krull. Dieser bekannte sich schuldig und wurde im November 2018 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Krull schilderte der deutschen «Zeit» im Januar ein Devisengeschäft. Die Bande hatte der Ölgesellschaft PDVSA 7,2 Milliarden Bolivar geliehen, die auf dem Schwarzmarkt für 35 Millionen Euro gekauft worden waren. Einige Monate später zahlte PDVSA die Summe zum offiziellen Kurs von 510 Millionen Euro zurück. Unterlegt war das Geschäft mit einem Vertrag einer Briefkastenfirma in Hongkong. Gorrin wollte zudem über Krull mindestens 200 Millionen Dollar für die Stiefsöhne von Präsident Nicolás Maduro waschen lassen. Für einen Transfer von 60 Millionen kassierte Krull 600'000 Dollar Provision.

Ex-Finanzminister soll Geld auf 17 Schweizer Konten besitzen

Laut IBI-Chef Douglas Farah hat Venezuela im vergangenen Jahr rund 73 Tonnen Gold an die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft und damit US-Sanktionen umgangen. Über die KSMH-Raffinerie in Surinam, die unter der Kontrolle von Präsident Dési Bouterse steht – einem verurteilten Kokaindealer und Waffenhändler für die kolumbianische Guerillaorganisation Farc –, werden jährlich angeblich 60 Tonnen Gold raffiniert, obwohl das Land nur 28 Tonnen fördert. Ein Besuch vor Ort ergab, dass es gar keine Fabrik gibt. KSMH dient lediglich als Vorwand, um Goldlieferungen aus Surinam problemlos exportieren zu können, das wahre Ursprungsland zu verschleiern und Sanktionen zu umgehen.

Banken in Russland, Hongkong, Panama oder Nicaragua sind willige Helfer. Auch Schweizer Geldhäuser wurden benutzt. Gemäss dem auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Newsletter «Gotham City» haben Vertraute von Maduro fast eine Milliarde Dollar ins Ausland geschafft. Maduros Ex-Leibwächter und Ex-Finanzminister Alejandro Andrade soll 17 Bankkonten bei neun Schweizer Banken besitzen, darunter HSBC, Julius Bär, Credit Suisse, Compagnie Bancaire Helvétique und die Privatbank PKB in Lugano. Rund 70 Konten bei Julius Bär sind von strafrechtlichen Untersuchungen verschiedener US-Behörden zu Geldwäscheverdachtsfällen bei PDVSA betroffen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 10.06.2019, 06:59 Uhr

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