Was gute Vorsorge ausmacht

In der Pensionskasse spart jede und jeder für das eigene Alter – aber ganz unterschiedlich. Eine Beispielrechnung zeigt, worauf zu achten ist.

Der Rentensatz ist nicht entscheidend: Wichtiger sind der Sparprozess und die Zinsen, die aufs Guthaben kommen. Foto: Getty Images

Der Rentensatz ist nicht entscheidend: Wichtiger sind der Sparprozess und die Zinsen, die aufs Guthaben kommen. Foto: Getty Images

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Die Monatsrente der beruflichen Vorsorge stagniert. Die Auszahlung an die Rentner ist gemäss den Zahlen des Bundesamts für Sozialversicherung BSV seit 1992 von 1690 Franken bis 2005 auf monatlich 2500 Franken gestiegen. Die Durchschnittsrente – darin eingerechnet solche von Teilzeitbeschäftigten – schrumpft seither. Da verwundert es nicht, dass sich Familie Schweizer um die finanzielle Vorsorge sorgt.

Die Pensionskassen senken für Neupensionierungen den Rentenumwandlungssatz, weil das individuell gesparte Vorsorgeguthaben sonst nicht für die gestiegene Lebenserwartung der Menschen reicht. Deshalb zählt für die Einschätzung der eigenen Situation, wie umfänglich zusammen mit dem Arbeitgeber in Form von Salärprozenten vorsorgegespart wird und wie viel Zins die Kasse jedes Jahr dem Saldo gutschreibt. Das bestimmt, wie gross das Vorsorgekapital wird.

Minimalsparen reicht nicht

Beim Sonntagskaffee mit den erwachsenen Kindern klagt in unserem Beispiel Vater Josef, der bald den sechzigsten Geburtstag feiert, über die Rentensatzsenkung seiner Pensionskasse. Fünf Jahre vor Pensionierung werde ihm der Umwandlungssatz von 6,2 Prozent auf 5,6 Prozent zusammengestrichen. «Auf meiner Million Pensionsvermögen bekomme nicht mehr 62'000 Franken, sondern nur noch 56'000 Franken im Jahr.»

Die dreissigjährige Tochter Manuela, die nach dem Jusstudium in einer Anwaltskanzlei arbeitet, lässt sich vom Vater das Infoschreiben zeigen: «Da steht jedoch, dass du von der Pensionskasse zur teilweisen Kompensation eine Aufzahlung von 6 Prozent auf dein Vorsorgevermögen kriegst.» So werde doch aus der Million ein Vorsorgeguthaben von 1,06 Millionen Franken «Das gibt dann anstelle der von dir befürchteten 56'000 Franken eine Jahresrente von beinahe 60'000 Franken – nicht viel weniger, als du bislang erwartet hattest», rechnet Manuela vor.

Für 2018 zahlten die Pensionskassen im Schnitt 1,4 Prozent Zins.

Nun schaltet sich der 33-jährige Sohn Franz ein, der bei einem Informatikunternehmen eben den ersten Karriereschritt gemacht hat: «Ich pfeif auf den Umwandlungssatz.» Die Pensionskasse seiner Firma habe die Berechnung schon auf 5 Prozent gesenkt: «Bis ich in vermutlich 35 Jahren in Pension gehe, kriege ich womöglich nur noch 4 Prozent Rentensatz.»

Franz ist wichtiger, dass sein Arbeitgeber 60 Prozent und er nur 40 Prozent der jährlichen Sparbeiträge zahlt. «Zudem sind bei uns die Sparsätze höher als vom Gesetz vorgeschrieben, somit wird mein Pensionsguthaben viel rascher steigen.» Beide Einzahler müssen gemäss dem Gesetz über die berufliche Vorsorge zusammen progressiv über das Lebensalter steigend mindestens 7, 10, 15 und für die letzten zehn Jahre bis Pensionierung 18 Prozent des berücksichtigten Salärs sparen.

Die gesetzliche Vorgabe entspricht über die Altersgruppen gemittelt jährlich durchschnittlich 12,5 Prozent Lohnsparprozente. Gemäss BSV liegt der Landesschnitt deutlich höher. Inklusive freiwilligen Einzahlungen lassen sich durchschnittlich 18,7 Lohnprozente ermitteln, die von Arbeitgebern und Beschäftigten zusammen beruflich vorsorgegespart werden.

In unserer Beispielfamilie lenkt Manuela die Diskussion auf die Kritik, das schweizerische Vorsorgesystem benachteilige Teilzeiter. Sie hat ihren Beschäftigungsgrad nach der Geburt von Tochter Paula auf 50 Prozent verringert und dachte erst, sie würde nun selbst in diese Vorsorgefalle tappen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sparen eben nicht auf dem vollen Bruttosalär für die Pension, sondern erst auf Salärteilen über 21'000 Franken. Für den Sparprozess der beruflichen Vorsorge wird vom Bruttosalär ein Koordinationsbetrag von knapp 25'000 Franken in Abzug gebracht.

Achtung: Vorsorgefalle Teilzeit

Manuela staunte nicht wenig, als ihr Chef sie auf den halbierten Koordinationsabzug des für sie geltenden Vorsorgereglements aufmerksam machte. «Es ist kompliziert», sagt sie am Familientisch, «aber deswegen wird auf meinem Teilzeitgehalt von 50'000 Franken doch im Umfang von etwa 38'000 Franken von mir und dem Arbeitgeber Sparbeiträge auf mein Pensionskonto bezahlt, und nicht wie gesetzlich vorgesehen auf nur 25'000 Franken».

Ihr Vater grummelt, auch damit werde sie nicht weit kommen. Doch beide Geschwister wissen, dass der Akkumulationseffekt über die Jahrzehnte des Vorsorgesparens sehr wohl wirkt. «Kommt noch der Zinseszins hinzu», ruft Manuela. Erfreut hatte sie festgestellt, dass ihre Vorsorgeeinrichtung 2 Prozent Zins gutschrieb, obschon der BVG-Mindestzins lediglich 1 Prozent vorgibt.

Für 2018 zahlten die Pensionskassen im Schnitt 1,4 Prozent Zins, wie der Vorsorgedienstleister Complementa ermittelt hat. Den Zinsentscheid fällt jede Pensionskasse weitgehend eigenständig. Kräftig Zins zahlen können Kassen, die den Umwandlungssatz niedrig halten. Weil sie so ihre Lasten begrenzen, sind sie in der Lage, Vermögensanlagen renditeträchtiger zu investieren.

(Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 07.08.2019, 16:29 Uhr

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