Wieso der erfolgreichste Investor nun auf Bargeld setzt

Warren Buffett verkauft Aktien und erhöht seinen Cash-Bestand. Was hiesige Anleger daraus lernen können.

Im Wartemodus: Warren Buffett, «das Orakel von Omaha». Foto: Keystone

Im Wartemodus: Warren Buffett, «das Orakel von Omaha». Foto: Keystone

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Die Nachricht lässt aufhorchen. Berkshire Hathaway, die Investmentgesellschaft von Starinvestor Warren Buffett, hat ihren Bargeldbestand weiter erhöht. 122 Milliarden Dollar Cash hatte Berkshire per Mitte Jahr in den Büchern – das ist ein neuer Rekord. Im vergangenen Jahr lag der Bargeldbestand noch unter 110 Milliarden.

Kein anderer Anleger geniesst einen Status wie Buffett. Der amerikanische Grossinvestor gilt als die Referenz, wenn es darum geht, Geld erfolgreich zu vermehren. Entsprechend trägt der 88-Jährige aus dem US-Bundesstaat Nebraska den Übernamen «das Orakel von Omaha». 198 Milliarden Dollar ist derzeit sein Aktiendepot wert. Nun lässt Buffett 122 Milliarden brachliegen.

Dass Buffett den Märkten zunehmend den Rücken kehrt, lässt aufhorchen. Schliesslich ist der Grossanleger als Optimist bekannt, der immer wieder neue günstige Anlagemöglichkeiten findet. Selbst in der Krise investierte er. Einen grossen Teil hat Buffett in konservativen Werten wie Coca-Cola oder Burger King angelegt. Sein Motto: Gegessen und getrunken wird immer.

Lange zeigte sich Buffett gegenüber Techaktien ablehnend. Schliesslich stieg er vor wenigen Jahren im grossen Stil bei Apple ein. Heute hält er Aktien des iPhone-Konzerns im Wert von 50 Milliarden Dollar. Die Apple-Aktie hat sich seit dem Höchststand vor einem Jahr deutlich verbilligt, zugekauft hat Buffett trotzdem nicht.

Ist dem Geldvermehrer die Lust am Investieren vergangen? Warum weigert sich Buffet, sein Cash anzulegen? «Er wartet auf neue günstige Gelegenheiten zum Investieren, doch diese findet er derzeit nicht», sagt Fredi Herbert. Der als «Cash-Guru» bekannte Börsenexperte verfolgt die Karriere von Buffett schon seit den 1950er-Jahren. «Buffett agiert immer sehr vorsichtig. Er hält mehr Bargeld als je zuvor. Das zeigt, dass Buffett die Märkte als überbewertet sieht», ist Herbert überzeugt. Zudem wisse man nicht, ob es zu einer Rezession kommt. «Buffett traut der Regierung Trump nicht. Solange der Handelsstreit andauert, bleibt der weitere Verlauf der Weltwirtschaft sehr unsicher», sagt Herbert.

«Wir sind im Geldmitnahmemodus»

Ist das Signal aus den USA auch für hiesige Anleger ein Zeichen, sich beim Anlegen zurückzuhalten? Es sei wenig überraschend angesichts der durch den Handelsstreit ausgelösten Unsicherheiten und der stattlichen Bewertung von Aktien, dass der eine oder andere Anleger einen Teil der Gewinne realisiere, sagt Timo Dainese von der Vermögensverwaltung Zugerberg Finanz. «Wir sehen aber momentan keinen gross angelegten Rückzug von den Aktienmärkten», erklärt Dainese. «Sonst wären die Indizes rund um den Globus wohl kaum nahe der Allzeithöchststände.»

Trotzdem gibt es Anzeichen, dass Grossanleger vorsichtiger agieren, was Aktien betrifft. Laut Merrill Lynch fliesst wieder mehr Geld in Anleihen, «und die Bargeldkonten werden erhöht», wie das US-Finanzinstitut schreibt. Die Deutsche Bank hat in den letzten Monaten in der Vermögensverwaltung das Aktienportfolio von 50 auf 40 Prozent reduziert. «Wir sind im Geldmitnahmemodus», sagte Investmentchef Christian Nolting gegenüber den Medien.

Kein Fan von Gold

Auch das Gold erfreut sich wieder zunehmender Beliebtheit. Diese Woche hat die Unze Gold erstmals seit 2013 die Preismarke von 1500 Dollar überschritten. Das spricht dafür, dass Investoren Anlageklassen wie Aktien und Immobilien zunehmend als hoch bewertet betrachten.

Von Warren Buffett weiss man, dass er kein Fan von Gold ist. So bezeichnete er das Edelmetall, das keinen Zins abwirft, aus Anlegersicht als «unnütz». Viel lieber hält er ganz einfach Cash. «Angesichts der Tatsache, dass einige Firmen, in die er investiert ist, in Schwierigkeiten stecken und seine Berkshire Hathaway da wohl noch weitere Liquidität einfügen muss, ist der höhere Cashbestand verständlich», sagt Timo Dainese. Zumal die Aktien in den USA hoch bewertet seien.

Erstellt: 08.08.2019, 15:46 Uhr

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US-Firmen horten Bargeld

Auch zahlreiche amerikanische Firmen sitzen derzeit auf so hohen Bargeldbeständen wie noch nie. Kein Unternehmen hat höhere Bargeldreserven als die Google-Mutter Alphabet. Per Ende Juli gab der Techkonzern Cash-Reserven von 117 Milliarden Dollar bekannt. Damit hat Alphabet sogar Apple überholt, welche in ihren Büchern 102 Milliarden liquide Mittel hat. Die hohen Cash-Bestände sind ein Zeichen dafür, dass die Firmen keine Übernahme- oder Investitionsmöglichkeiten finden. Zu viel Bargeld ist für keinen Konzernchef ein Grund zur Freude. Anleger mögen dies nicht. Bleiben Investitionen aus, werden Forderungen laut, durch Sonderdividenden oder Aktienrückkäufe das Geld den Aktionären zurückzuführen. (eme)

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