Wieso die Schweizer Nationalbank einen Hotel-Chef sucht

Die Währungshüterin hat Besitztümer, die man von einer Nationalbank auf den ersten Blick nicht erwarten würde.

Das Chalet «Panorama» des Hotels Hasli-Zentrum der Schweizerischen Nationalbank. Quelle: PD

Das Chalet «Panorama» des Hotels Hasli-Zentrum der Schweizerischen Nationalbank. Quelle: PD

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat es derzeit nicht einfach. Ein Währungskrieg tobt, und sie muss versuchen, den Schweizer Franken so stabil wie möglich zu halten. Doch der Franken wertet sich im Vergleich zum Euro auf: Momentan gilt ein Franken-Euro-Kurs von unter 1.09 Franken. Da hilft es sicher, dass die SNB einen Rückzugsort in den Alpen hat.

Die SNB ist nämlich nicht nur Währungshüterin, sondern auch Hotelbesitzerin. Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Nationalbank gehört ein Hotel. Es besteht aus zwei Chalets – «Panorama» und «Murmeli» – und steht auf dem Hasliberg im Berner Oberland. Im Sommer beliebter Wanderort, im Winter Schneesportdestination. Blick auf die Alpen inklusive: und das für Mitarbeitende, aber auch für Externe.

Das Hotel ist gerade auf der Suche nach einer neuen Chefin oder einem neuen Chef. Dies meldet das Nachrichtenportal «Bloomberg». Die SNB verlangt in der Ausschreibung mehrjährige Erfahrung in der Hotellerie, idealerweise mit entsprechender Ausbildung, etwa Hotelfachschule oder Wirtepatent. Dazu sollte man noch Deutsch, Englisch und Französisch beherrschen.

«Eines meiner liebsten Hotels»

Was das Hotel alles zu bieten hat, lässt sich sehen: Ein beheizter Indoorpool, ein Whirlpool, ein Kraftraum usw. usf. stehen zur Verfügung. Das hat wohl auch den Ausschlag gegeben, dass es auf einer einschlägigen Hotelbewertungsseite sehr hoch bewertet wird. Die Gäste waren teilweise schlicht begeistert. «Eines meiner liebsten Hotels in der Schweiz», heisst es da etwa. Oder: «Das Haslizentrum der SNB ist ein sehr gut geführtes, sauberes Hotel mit aussergewöhnlich guter Küche.»

Kein Wunder: Für das Wohlergehen der Gäste sind 16 Angestellte zuständig, inklusive Küchenmannschaft. Insgesamt verfügt das Hotel über 11 Zimmer und 16 Appartements für 2 bis 6 Besucher. Für eine Nacht im Doppelzimmer im teureren Chalet «Murmeli» zahlen Gäste 129 Franken bei Halbpension, im «Panorama» ists 10 Franken günstiger.

Das Hotel wurde Anfang der 1980er-Jahre eröffnet. Es wird als Ferienzentrum für die Mitarbeiter der Nationalbank genutzt und wird von der Wohlfahrtsstiftung für das Personal der SNB betrieben. Es ist derweil nicht das einzige Besitztum, das man bei einer Nationalbank auf den ersten Blick nicht erwarten würde. So führt die SNB noch das Studienzentrum Gerzensee. Neben der akademischen Forschung diene es auch als Zentrum zur Ausbildung von Zentralbankfachleuten, wie ein Sprecher sagt. Das Studienzentrum stehe auch für externe Veranstaltungen und Weiterbildungen zur Verfügung.

Neonazi und Bargeld

Laut «Bloomberg» ist die Schweizerische Nationalbank nicht die einzige, die sich als Währungshüterin ein Hotel gönnt. Das österreichische Pendant zur SNB hat sein Hotel mittlerweile aber verkauft, weil es nicht rentierte. Und in England denkt man offenbar darüber nach, ebenfalls eine Freizeitanlage abzustossen.

Das Hotel stand auch schon negativ in den Schlagzeilen. Mitte der 2000er-Jahren fand dort laut dem «SonntagsBlick» eine Veranstaltung von Rechtsradikalen statt. Gemietet hat das Hotel ein Lehrling der Nationalbank, wie ein Sprecher damals bestätigte.

Ein amüsanteres Detail aus der Geschichte der Unterkunft: Noch heute warnt das Hotel auf der Website davor, dass man nicht elektronisch bezahlen kann. Doch die Massnahme zur Stützung des Bargelds ist mittlerweile aufgegeben worden: Man kann jetzt auch mit Karte zahlen.

Erstellt: 13.08.2019, 17:52 Uhr

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