ZVV gerät wegen Spartickets unter Druck

Vergünstigte Billette soll es im gesamten Fernverkehr geben – also auch im Schnellzug von Zürich nach Winterthur. Der ZVV wehrt sich.

Preisüberwacher Stefan Meierhans will, dass auch in Tarifverbünden Spartickets eingeführt werden.

Preisüberwacher Stefan Meierhans will, dass auch in Tarifverbünden Spartickets eingeführt werden. Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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Tarifverbunde kennen keine Spartickets im Fernverkehr. Dies, obwohl einige Strecken per definitionem Fernverkehrsstrecken sind, und dort sind solche vergünstigten Angebote üblich. Das passt Preisüberwacher Stefan Meierhans gar nicht. Er will nun wissen, aus welchen Gründen die Tarifverbunde bisher keine Sparbillette auf Fernverkehrsstrecken in ihre Tarifwelt integriert haben. Bis Ende Juni haben sie Zeit, sich zu erklären, heisst es auf Anfrage beim Preisüberwacher. Von Bad Ragaz nach Frauenfeld...

Das Phänomen, das Meierhans kritisiert, lässt sich am besten an Beispielen aufzeigen. Wer etwa am nächsten Montag um halb 11 von Bad Ragaz nach Frauenfeld fahren will, kann dies auf verschiedene Arten tun. Etwa über Wil: Man zahlt dafür 15.30 Franken im Ostwind-Tarifverbund. Dabei wird ein Teil der Strecke in Fernverkehrszügen gefahren. Fährt man nun über Zürich, kostet die gleiche Strecke – dank einem Sparticket – nur 8.40 Franken. Die Dauer bleibt gleich.

...oder von Luzern nach Zofingen

Ein zweites Beispiel: Wer von Luzern nach Zofingen fährt, zahlt mit Halbtax 10.40 Franken. Dies ist der Preis innerhalb des regionalen Verbunds. Löst man nun von Luzern bis nach Olten, zahlt man teilweise nur die Hälfte des Preises, fährt mit dem gleichen Zug und steigt einfach eine Haltestelle früher aus.

Deshalb will der Preisüberwacher, dass es auf solchen Abschnitten künftig zuggebundene Sparbillette geben soll. Der Rabatt beschränke sich dabei auf den Abschnitt einer Reise, der mit dem Fernverkehr zurückgelegt wird. Die Tramstrecke an den Bahnhof würde nicht vergünstigt, so die Idee.

Zum Teil sei man mit einem Fernverkehrszug über eine Stunde in einem solchen Verbundgebilde unterwegs. Die Tariflogik des Nahverkehrs werde grossflächig auch dem Fernverkehr übergestülpt. Ein Widerspruch, der anhand der Sparbillette zutage trete. «Die Verbunde und ihr Wachstum haben diesen Widerspruch erst geschaffen. Hand für eine Lösung soll scheinbar auch weiter nicht geboten werden.»

Zonen- versus Streckentickets

Warum nun der eine Preis höher ist als der andere, ist in der Anlage des Systems begründet. In einem Tarifverbund wird in Zonen abgerechnet. Im ersten Beispiel kauft der Kunde die Berechtigung, in allen Zonen von Ostwind den öffentlichen Verkehr zu nutzen. Und das für 3 Stunden. Nur: Wer lediglich von Bad Ragaz nach Frauenfeld will, dem nützt das wenig. Denn zurückfahren ist nicht möglich, weil die Fahrt bereits 2 Stunden dauert. Laut einem Papier des Preisüberwachers wünschten die Kunden für grosse Distanzen ein Bahnhof-zu-Bahnhof-Billett. Sie würden keinen Vorteil in der Nutzung aller Transportmittel über alle diese Zonen sehen.

Verkehrsverbunde sind mehrheitlich im Regionalverkehr tätig, der zu einem erheblichen Teil subventioniert ist. Der Fernverkehr, der von den SBB betrieben wird, hingegen muss eigenwirtschaftlich sein. Das sind grundsätzlich andere Voraussetzungen. Die Preisgestaltung innerhalb der Verbunde liegt jedoch in deren Hoheit. Auch wenn es sich um Fernverkehrszüge der SBB handelt. Für die Verbunde kämen deshalb Spartickets innerhalb ihrer Region einer Systemänderung gleich.

Bahnhof-zu-Bahnhof-Ticket nicht vorgesehen

Mit einem ZVV-Ticket beispielsweise kann etwa auf einer Fernverkehrsstrecke von Winterthur nach Zürich-Flughafen gefahren werden. Wenn nun auf dieser Strecke Spartickets angeboten würden, fiele der Fernverkehr aus dem Verbundsystem heraus, sagt ein ZVV-Sprecher. Das heisst, der ZVV müsste ein Bahnhof-zu-Bahnhof-Ticket anbieten. Das ist aber nicht vorgesehen, weil Zonentickets verkauft werden. «Dadurch würde der Tarif schwierig nachvollziehbar, kompliziert und somit kunden-unfreundlicher, was nicht erwünscht ist», sagt der Sprecher.

Die Begründung des ZVV zeigt: Die Idee des Preisüberwachers stösst auf wenig Gegenliebe. Viele andere Tarifverbunde wollten sich mit Verweis auf den Brief des Preisüberwachers noch nicht äussern.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.06.2019, 16:06 Uhr

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