Zum Hauptinhalt springen

7 Produkte, die einfach nicht verschwinden

Und: Warum diese längst totgesagten Dinge immer noch auf dem Markt sind.

Es gibt solche, die halten sich ewig. Dazu gehört etwa Coca-Cola. Seit 1892 wird das Süssgetränk verkauft. Oder die Sojasauce von Kikkoman, die es seit 1917 gibt. Oder auch den seit 1734 erhältlichen Tee von Twinings. Dafür gibt es einen guten Grund: Diese Produkte decken immer noch ein wichtiges Bedürfnis der Konsumenten ab. Die braune Limonade, die braune Sauce und das braune Aufgussgetränk sind aber eine absolute Ausnahme. Die meisten Produkte leben nur ein paar wenige Jahrzehnte, wenige Jahre oder manchmal auch nur ein paar Monate.

Die Betriebswissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang vom Lebenszyklus, dem alle Erzeugnisse unterliegen. Sie werden in den Markt eingeführt, erleben alsbald ein beschleunigtes Wachstum, schliesslich eine Stabilisierung, bis die Umsätze sinken und das Produkt wieder aus den Läden verschwindet. Wie lange der Zyklus dauert, hängt von der Innovations- und Marketingkraft des Herstellers ab – aber auch von der Konkurrenzsituation, den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Besonders in der Telekommunikations- und Unterhaltungselektronik sind die Zyklen mitunter extrem kurz geworden. In der Lebensmittelbranche sind sie oftmals länger, wie Coca-Cola, Kikkoman und Twinings zeigen.

Es gibt aber auch Produkte, die schon lange ganz am Ende ihres Zyklus stehen. Sterben wollen sie aber nicht. Sie sind technisch längst überholt, werden nicht mehr wirklich benötigt und entsprechen auch nicht mehr dem Zeitgeist. Dennoch gibt es für sie nach wie vor eine Nachfrage. Die Stückzahlen sind zwar klein, meist setzen nur mehr Liebhaber und Gewohnheitsnutzer auf sie. Aber die Oldtimer werden trotzdem noch produziert und verkauft – nur nimmt es fast niemand wahr.

Schreibmaschine

2003 machte ein deutsches Familienunternehmen einen mutigen Schritt. Andere hätten gesagt, es sei ein selbstmörderischer Schritt. Die kleine Firma Bandermann aus Kaarst in Nordrhein-Westfalen kaufte die traditionsreiche deutsche Schreibmaschinenmarke Triumph-Adler vom gleichnamigen Konzern, der sich inzwischen auf Lösungen fürs Dokumentenmanagement konzentriert. «Wir dachten damals, dass wir das Geschäft vielleicht noch fünf Jahre lang weiterführen können», erinnert sich Geschäftsführerin Sonja Bandermann-Dickmanns. Es kam anders. «Wir verkaufen heute jährlich rund 10 000 Schreibmaschinen.» Die Absatzzahlen seien seit Jahren stabil. Gebaut werden die Modelle, die um die 200 Franken kosten, heute in Indonesien. Die meisten Exemplare werden an Firmen verkauft, die sie für Vorgänge brauchen, bei denen Durchschläge gemacht werden müssen. Doch auch Privatleute kaufen noch immer Schreibmaschinen, obwohl PC und Laserdrucker längst erschwinglich geworden sind. «Es sind tendenziell schon ältere Menschen», erklärt Bandermann. «Aber aus dem Detailhandel hören wir auch, dass Schriftsteller gerne Käufer von Schreibmaschinen sind.»

Zichorienkaffee

Was heute ein Grundnahrungsmittel ist, war früher ein Luxusprodukt. Kaffee war im 19. Jahrhundert den oberen Zehntausend vorbehalten. Der Normalbürger musste sich mit einem Heissgetränk aus gerösteten und gemahlenen Pflanzenteilen begnügen. Die Herstellung des Kaffeeersatzes war ein gutes Geschäft. Besonders erfolgreich positionierte sich darin die Firma Heinrich Franck Söhne aus dem deutschen Ludwigsburg. Schon im 19. Jahrhundert exportierte sie erfolgreich in die Schweiz. Um Zölle zu vermeiden, baute sie 1884 eine Fabrik in Basel. Später übernahm sie die heimische Konkurrenz mit ihrem Bestseller «Aroma». Seither war «Franck Aroma» der hierzulande bekannteste Ersatzkaffee. Er wird aus den Wurzeln der Gemeinen Wegwarte hergestellt. Obwohl er während des Zweiten Weltkriegs seinen Höhepunkt erlebte, gibt es ihn bis heute. «Die Konsumenten und Liebhaber von Franck Aroma sind tendenziell ältere Personen, die damit aufgewachsen sind», sagt eine Sprecherin von Nestlé, der das Produkt inzwischen gehört. Da dieses mit Filterkaffee gemischt werde, komme es bei der jüngeren Generation weniger an. Die trinkt lieber Kapsel- oder Bohnenkaffee.

Super-8-Film und -Kamera

Es waren lange Abende, wenn der Nachbar zur Vorführung seines Ferienfilms einlud. Der Sohn am Strand, die Gattin am Restauranttisch, ein Schwenk über die Berge von Mallorca – ein langes Werk ohne Dramaturgie und mit filmerisch lamentabler Qualität. In den 70er-Jahren wurde Filmen plötzlich für eine breite Masse machbar. Ermöglicht hat das Kodak. 1965 hatte der US-Konzern das Super-8-Format lanciert. Es zeichnete sich durch grössere Bilder und vor allem eine einfachere Handhabung aus. Der Film musste nicht mehr mühsam eingefädelt werden, sondern kam in Kassetten daher und nahm ab 1973 auch den Ton mit auf. Damit traf Kodak den Nerv der Zeit. Super 8 wurde ein Riesenerfolg. Erst die Videorevolution in den 80er-Jahren bereitete dem Boom ein rasches Ende. Filme waren zwar noch zu kaufen, Kameras nicht mehr. Nun aber erlebt das Format eine Renaissance. Vor einem Jahr präsentierte Kodak nach 30 Jahren Unterbruch zum ersten Mal wieder eine neue Super-8-Kamera. Sie richtet sich an junge Filmer, die mit ihr auf ein Filmfeeling setzen, das Video nicht liefern kann. Der Hersteller lobt selbst die «einzigartige ästhetische Qualität», die nur Super 8 liefern könne.

Audiokassette

Gab es ein intimeres Geschenk als ein Mixtape? Die Lieblingssongs von Schallplatten auf Kassette zu überspielen, war mühsame Fleissarbeit. Als Belohnung hatte man aber ein ganz individuelles Präsent beisammen, das sich dank der Grösse von 10,16 auf 6,35 auf 1,27 Zentimeter schön verpacken liess. In den 70er-Jahren galten Kassette und Kassettenrekorder als technologische Wunder. Man konnte nicht nur Musik abspielen, sondern diese auch aufnehmen. Die Technik an sich war zwar nicht neu, Tonbänder existieren bereits seit etwa 1930. Erstmals waren sie nun aber handlich und wurden so für Privatnutzer verwendbar. Vorab japanische Konzerne waren für den Siegeszug der Kassette verantwortlich. Erst Ende der 90er-Jahre wurde sie zuerst von Digital Audio Tape (DAT) und Minidisc, später von CD-R und schliesslich von MP3 abgelöst. Doch nun erleben Kassetten eine Renaissance. Sie seien greifbar, günstig und schnell verwendbar, lautet die Erklärung von Experten. Künstler wie Eminem oder Blink 182 geben ihre Alben inzwischen wieder als Audiokassette heraus. Hergestellt wird das Rohprodukt heute fast ausschliesslich vom indonesischen Unternehmen Panggung Electric.

Kohlepapier

Kaum einer denkt heute noch daran, für was das CC steht, mit dem er den Chef oder die Arbeitskollegen in seine E-Mail einkopiert. Die Abkürzung steht nicht für einen gewalttätigen Fussballpräsidenten, sondern für «Carbon-Copy» und stammt vom früher benutzten Durchschlag eines Dokumentes mit Kohlepapier. Dies war lange Zeit die schnellste und eleganteste Technik, um Kopien zu erstellen. Schrieb man mit einem Kugelschreiber oder einer Schreibmaschine auf ein Blatt Papier, wurde Farbe vom darunterliegenden Kohlepapier auf das untere Blatt übertragen. 1801 hatte ein Turiner Tüftler diese Innovation erfunden, die das Leben von Millionen Beamten und Sekretärinnen erleichterte. Trotz Digitalisierung der Arbeitswelt wird die Technik bis heute verwendet. 13 Millionen Blatt Kohlepapier verkauft Hersteller Pelikan pro Jahr, die meisten davon in Belgien, Deutschland und Italien. Aber auch in Asien und Südamerika werden noch richtige Carbon-Copys gemacht. «Es sind vor allem Kunden mit gestalterischen Berufen wie etwa Architekten, Grafiker oder Designer, die diesen Artikel nachfragen und ihn für ihre Arbeit verwenden», sagt eine Sprecherin von Pelikan.

Landkarte

Die Abzweigung verpasst? Ein Blick auf das Smartphone genügt, um dem Autofahrer zu sagen, wo genau er sich gerade befinde und wie er doch noch ans Ziel komme. Die Entwicklung der Mobiltelefone hin zu Hochleistungs-Taschencomputern hat dazu geführt, dass heute jeder ein ausgewachsenes Navigationsgerät für die Welt mit sich herumträgt. Gedruckte Karten können da nicht mithalten. Trotzdem ist deren Herstellern die Arbeit nicht ausgegangen. Jedes Jahr werden in der Schweiz Karten im Wert von 5 Millionen Franken verkauft. Der Umsatz ist seit Jahren stabil. «Strassen- und Landkarten bilden nicht mehr den Hauptpfeiler. Vielmehr bieten wir eine breite Palette für Freizeitaktivitäten», sagt eine Sprecherin des Berner Verlags Hallwag Kümmerly+Frey, «also Karten für Velofahrer oder Freizeitwanderer.» Die anhaltende Nachfrage erklärt sie damit, dass klassische Papierkarten einen Gesamtüberblick böten, was auf dem Smartphone weniger gut möglich sei. Zudem eigneten sie sich besser, um «ein Gefühl für die topografische und geografische Gesamtsicht zu vermitteln». Nicht zuletzt hat die Papierkarte einen grossen Vorteil: Sie hat keinen Akku, der sich im dümmsten Moment leert.

Filterlose Zigarette

Vor drei Jahren hätte fast ihr letztes Stündchen geschlagen. Schuld daran ist das stilisierte Bild einer tanzenden Spanierin mit Wespentaille und langem Rock, das die blauen Packungen der Gitanes sans Filtre seit 1947 ziert. Eine neue EU-Direktive verbot damals auf Zigarettenschachteln alles, was darauf hinweisen könnte, dass Glimmstängel jung, gesund oder schön machen könnten. Doch die filterlosen französischen Kultzigaretten überlebten auch diesen Sturm. Noch heute bekommt man sie im Fachgeschäft und an Kiosken. Sie trotzen damit auch dem jahrelangen Trend hin zu E-Zigaretten und leichteren Tabakprodukten, dem Gitanes sans Filtre so gar nicht entsprechen. «Sie sind im Verkauf, da es für Marke und Produkt eine Nachfrage und eine Fangemeinde gibt», sagt eine Sprecherin des britischen Konzerns Imperial Brands, zu dem die 107-jährige französische Marke gehört. Man halte «nicht aus Sentimentalität an einem Produkt fest». Die Käufer der filterlosen Gitanes seien tendenziell männlich, aber im Alter gemischt – von jung bis alt. Sie schätzten die «französische Herkunft, das Intellektuelle und Künstlerische» der Marke sowie den «charakteristischen Geschmack».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch