Die schmutzige Hypothek der Weltbank

Die UNO-Tochter gibt sich gern als Vorreiterin in Sachen Klimaschutz. Doch sie investiert immer noch in Kohle und Öl.

Kohle ist in vielen Teilen der Welt immer noch ein wichtiger Energielieferant: Minenarbeiter in Kolumbien. Foto: Bloomberg, Getty

Kohle ist in vielen Teilen der Welt immer noch ein wichtiger Energielieferant: Minenarbeiter in Kolumbien. Foto: Bloomberg, Getty

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Was Naturgewalten anrichten können, das weiss in diesen Tagen niemand besser als die Einwohner der Hafenstadt Beira in Moçambique. Seit der Zyklon Idai über Teile des Landes hinwegzog, liegt Beira weitestgehend in Trümmern. 600 Menschen starben allein in Moçambique, die Cholera breitet sich aus.

Klimaforscher erwarten, dass solche Zyklone häufiger werden, wenn sich das Klima weiter erwärmt. Daran könnte auch Moçambique selbst seinen bescheidenen Anteil haben. Und auch die Weltbank – obwohl die sich zuletzt so lautstark dem Klimaschutz verschrieben hat.

Nach Recherchen der deutschen Entwicklungsorganisation Urgewald und des Konsortiums investigativer Journalisten investiert die Weltbank mit all ihren Töchtern immer noch viel Geld in fossile Energie. So seien in den Finanzjahren 2014 bis 2018 insgesamt 12 Milliarden Dollar in Öl, Gas oder Kohle geflossen, aber nur 5 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien. Ihr gesamtes Energieportfolio umfasst demnach 21 Milliarden Dollar für fossile, aber nur 7 Milliarden für erneuerbare Energien wie Wind oder Sonne.

Die Weltbank, deren Mitglieder heute zur Frühjahrstagung zusammentreffen, weist die Vorwürfe zurück. Allein im vergangenen Jahr habe sie für den Klimaschutz 20,5 Milliarden Dollar bereitgestellt, so viel wie nie. 10 Milliarden seien in saubere Energien geflossen. «Nichts davon spiegelt der Urgewald-Report», sagt ein Sprecher.

Viele Kredite haben Laufzeiten von bis zu 35 Jahren. Sprich, sie sind Relikte alter Weltbank-Politik. Doch es gibt auch junge Projekte. Erst auf den zweiten Blick erweisen sie sich als fossile Förderung. An Moçambique etwa, das auf gewaltigen Mengen Kohle sitzt, gab die Weltbank einen Kredit zur Armutsbekämpfung – aber unter kohlefreundlichen Auflagen: Es gebe Bedenken, so zitiert der Report aus Weltbank-Dokumenten, dass der Staat bei Minen «potenzielle Investoren extrem hoch belastet und von Investitionen abschreckt». Am Ende gab es für Kohleinvestoren Steuersenkungen und eine niedrigere staatliche Förderabgabe.

Geld für reichsten Afrikaner

Schon vorher hatte der Privatbank-Arm der Weltbank, die International Finance Corporation (IFC), einen üppigen Kredit für den Bau einer Kohlebahn zum Hafen Nacala gewährt. Damit soll die Kohle zum Exportprodukt für Moçambique werden. Die Rohstoffeinnahmen, so erklärt die Weltbank, hätten «enormes Potenzial bei der Armutsbekämpfung». Allerdings haben die Exporte auch enormes Klimapotenzial.

Beim Bau einer Raffinerie in Nigeria konnte der reichste Mann Afrikas auf die Weltbank zählen: 150 Millionen Dollar Kredit gab die IFC für den Bau einer Raffinerie des Unternehmers Aliko Dangote. Allerdings sei das Geld nicht direkt für die Raffinerie geflossen, betont die Weltbank – sondern für die Herstellung von Düngemitteln in der Anlage. Man erwarte, dass dies Nigerias Landwirtschaft helfe, sagt ein Sprecher. Ob Dangote die verschiedenen Teile seiner Raffinerie auch so deutlich trennt, ist allerdings nicht bekannt. Gleichzeitig ist die IFC den Recherchen zufolge an mindestens fünf Banken beteiligt, die Dangote Geld für die riesige Raffinerie geliehen haben.

Es sind versteckte, oft indirekte Förderungen, die so gar nicht zu den jüngsten Bekenntnissen der Weltbank passen. Erst vorigen Monat hatte die damalige Interimspräsidentin, Kristalina Georgieva, in einem Interview vor den dramatischen Folgen der Erderwärmung gewarnt. «Wie können wir von Entwicklung sprechen, wenn wir zugleich die ökologischen Grundlagen zerstören?», hatte sie gefragt.

Nichtsdestotrotz gab die Weltbank in Guyana, vor dessen Küste Exxon Mobil Öl gefunden hat, Geld an die Regierung – für die Verwaltung rund um die Ölvorkommen. Reine «technische Hilfe» sei das: «Diese Hilfe finanziert keine Förderung von Öl oder Gas.» Kritiker der Bank sehen darin eine Finte, um dafür das Feld vorzubereiten. Nun ist das kleine Land auf bestem Weg, zur zweitgrössten Ölnation Südamerikas zu werden.

Erstellt: 10.04.2019, 21:18 Uhr

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