Ein Paar, das sich fast blind versteht

Angela Merkel und François Hollande bilden ein wichtiges Tandem: Es hält Europa zusammen.

François Hollande empfängt Angela Merkel. Foto: Pascal Rossignol (Reuters)

François Hollande empfängt Angela Merkel. Foto: Pascal Rossignol (Reuters)

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Der Galan war schneller als die Kanzlerin: Bevor Angela Merkel ihren zu Boden gefallenen Kopfhörer aufheben konnte, überreichte ihn François Hollande ihr mit eleganter Geste, während über ihr Gesicht ein mädchenhaftes Lächeln huschte. Zuvor hatte ihr der französische Präsident ein dickes, weil ehrlich gemeintes Kompliment gemacht: «Angela» habe ihn im Januar, als Frankreich unter den «Charlie Hebdo»-Anschlägen erzitterte, als Erste angerufen und ihren Beistand zugesagt.

Merkel und Hollande, die seit 2012 das deutsch-französische Gespann stellen, verstehen sich heute fast blind: Auf eine Frage eines deutschen Journalisten an der gestrigen Pressekonferenz, ob wirklich russische Panzer in die Ukraine eingedrungen seien, erteilte Merkel ihrem Partner mit einem kurzen Seitenblick das Wort – und er gab die gleich unbedeutende Antwort, die wohl auch die deutsche Regierungschefin gegeben hätte: Derzeit sei nichts bestätigt.

Angela und François sind in den letzten zweieinhalb Jahren ein richtiges Paar geworden. Kein Liebespaar, gewiss: Hie die schwarze Deutsche, da der rote Franzose. Sie legt ein Nulldefizit vor, er will nicht so recht sparen. Sie, die mächtigste Frau der Welt, führt Brüssel an der Leine, er geht dafür in der EU fremd – derzeit am liebsten mit den Italienern, mit denen er eine «lateinische Koalition» («Die Welt») gegen Berlin schmieden will. Zum Schluss finden sie aber immer wieder zusammen.

Sie halten die EU zusammen

Natürlich missversteht man sich zwischen der Spree und der Seine auch mal. Die Deutschen lästern gerade wieder einmal über die Franzosen, weil die zwischen Berlin und Athen lavieren. Hollande erklärte am Freitag im Elysée-Palast, Griechenland müsse seine Verpflichtungen natürlich einhalten (deutsche Linie); zugleich erklärte er, das griechische Wahlresultat müsse «erhört» werden (antideutsche Linie).

Athen versucht nach Kräften, einen Keil zwischen Berlin und Paris zu treiben. Hollande habe dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras am Telefon zugesagt, er werde sich gegenüber der deutschen Kanzlerin für ihn einsetzen, liess eine «griechische Regierungsstimme» kurz vor dem deutsch-französischen Treffen verlauten.

Doch Merkel und Hollande lassen sich nicht auseinanderdividieren. Beide erteilten einem «Grexit» eine Absage und erklärten: «Griechenland muss in der Eurozone bleiben.» Ansonsten trennt sie fast alles in dieser Frage. Aber, viel wichtiger: Sie vermitteln den Eindruck der Einigkeit, sie wollen den Kompromiss. Und darum geht es in Zeiten der Krise, in denen jedes falsche Wort eine Kettenreaktion an der Börse oder der Ukrainefront bewirken kann. Merkel und Hollande halten heute zusammen. Und so halten sie die EU zusammen.

Das Machtgespann wird von den Kleinen in der EU oder den Briten regelmässig angefeindet. Aber derzeit ist der Alte Kontinent ganz froh, dass da noch zwei Politprofis sind, die über ihre eigenen Differenzen hinweg die europäischen Fäden zusammenhalten, um sowohl Griechenland wie die Ukraine zu retten. Oder es zumindest versuchen.

Erstellt: 20.02.2015, 23:21 Uhr

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