Lauber sollte pokern lernen

HSBC-Deal: Genfs Staatsanwalt mokiert sich über den Bundesanwalt.

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Für 40 Millionen Franken hat sich die Genfer Tochter der Grossbank HSBC aus einem Geldwäschereiverfahren freigekauft. Der Deal ist das Ergebnis einer Pokerrunde, die man sich so vorstellen muss: Am 10. April 2015 trafen sich Genfs Generalstaatsanwalt Olivier Jornot und sein Vize Yves Bertossa mit einer HSBC-Delegation und drapierten auf dem Verhandlungstisch vier dicke Dossiers. Dann legten sie ihre Stirn in Falten und sagten mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein: «Die Sache ist klar: In diesen vier Fällen wurde Geld gewaschen.»

Gelogen war das nicht. Die Staatsanwälte hatten viel belastendes Material – aber vor allem wenig Interesse, während Jahren in der halben Welt ehemalige HSBC-Kader zu jagen, um Beweise zu sammeln. Der Poker ging auf. Die Anwälte der Bank insistierten nicht. Sie waren beauftragt, die Sache aus der Welt schaffen.

Den HSBC-Managern sassen die Swissleaks-Enthüllungen über risikoreiche Geschäftspraktiken, kriminelle Kunden, die Hausdurchsuchung und Beschlagnahmungen zu sehr in den Knochen. Man einigte sich auf eine juristische Form: Wiedergutmachung – für 40 Millionen Franken.

Genfer Pragmatismus

Prominenter Abwesende beim Genfer Deal war Bundesanwalt Michael Lauber. Er hätte vor Jornot und Bertossa in die HSBC einmarschieren können. Diese hätten ihm den Vortritt gewähren müssen. Doch Lauber lehnte ab – weil er kein Verfahren anhand der vom ehemaligen HSBC-Informatiker Hervé Falciani gestohlenen Daten führen könne, wie er in der Zeitschrift «L’Hebdo» ausführte. Das erstaunt. Die Genfer Strafbehörde hat gemäss eigener Angaben mit der Hausdurchsuchung bei HSBC bloss verifiziert, was Journalisten über Falcianis Daten geschrieben hatten.

In der Stunde des Triumphs mokierte sich Generalstaatsanwalt Jornot nun über den Bundesanwalt. «Ich befasse mich mit der Frage, was kann ich tun, statt daran zu denken, an welchen juristischen Normen ich mir die Finger verbrennen könnte», sagte er. Doch vielleicht ist das Problem weniger die Juristerei. Jornot sollte Lauber das Pokern lehren.

Erstellt: 05.06.2015, 18:31 Uhr

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