Zu verkaufen: Luxushotel in Flims

Das Hotel Waldhaus in Graubünden wird wegen Überschuldung zwangsversteigert. Es ist nicht das erste Fünfsternhaus in der Schweiz, das mit Finanzproblemen zu kämpfen hat.

Das Hotel Waldhaus sucht nach neuen Investoren. Foto: Moritz Hoffmann (Look-Foto)

Das Hotel Waldhaus sucht nach neuen Investoren. Foto: Moritz Hoffmann (Look-Foto)

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Für über 900 Aktionäre der Flimser Luxusherberge Waldhaus war es ein schwarzer Dienstag: Das Fünfsternhotel musste gestern wegen Überschuldung die Bilanz deponieren. Aufatmen kann die Belegschaft. Mit Ausnahme von ­maximal 7 Personen könnten alle rund 120 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze behalten. Der Hotelbetrieb wird von einer Auffanggesellschaft weitergeführt. Und das Management sucht weiter nach neuen Investoren, die die Anlage übernehmen wollen.

Gion Fravi, Verwaltungsratspräsident des Waldhaus Flims Mountain Resort, ist zuversichtlich, dass man neue Geldgeber finden wird: «Investoren erhalten eine funktionierende Hotelanlage in einer der attraktivsten Ferienregionen der Schweiz, nahe von Zürich.» Die Nobelherberge werde voraussichtlich Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres zwangsversteigert.

Das Genick gebrochen hat dem Waldhaus ein Abschreiber in der Höhe von 30 Millionen Franken. Seit der Finanzkrise von 2008 hatte das Berghotel mit einem schwierigen Umfeld zu kämpfen. Schliesslich wurde eine Sanierung des Unternehmens unumgänglich. «Aus diesem Grund wurde eine Neubewertung unserer Anlage nötig, und es stellte sich heraus, dass sie mit 30 Millionen Franken zu hoch in den Büchern war», so Fravi. Nach der Abschreibung war das Eigenkapital der alten Betreibergesellschaft negativ, und sie musste gestern Konkurs anmelden.

Spektakuläre Misserfolge

Man habe Fehler gemacht, so der Verwaltungsratspräsident gestern selbstkritisch. Beim Marketing hätten die Flimser die Stammkundschaft aus der Schweiz vernachlässigt. Stattdessen fokussierte man auf aufstrebende Schwellenländer. Doch die Gästeschar sei ausgeblieben. Zudem habe man bei der Zimmerqualität noch Verbesserungspotenzial – nach hohen Investitionen in die Parkanlage und den Wellnessbereich war das Geld für die Renovation der Zimmer ausgegangen. Auch der starke Franken habe nicht zur Entschärfung der Situation beigetragen.

Das bittere Fazit: Trotz Preisnachlässen erreichte das Waldhaus nicht die Auslastung, die für den profitablen Betrieb nötig gewesen wäre.

Die goldenen Zeiten des Hotels liegen nicht lange zurück. 2006 fand hier die Herbstsession der eidgenössischen Räte statt. Mit dem Aus des Traditionshauses erreicht die Hotelleriekrise der Schweiz gleichsam ein neues Niveau, wie Waldhaus-Präsident Fravi sagt. «Nun ist auch die Luxushotellerie in Schwierigkeiten geraten.»

Zu den spektakulären Misserfolgen gehört auch das Davoser Hotel Intercontinental. Das «goldene Ei» ging 2014 in Konkurs – nur ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Betriebs, der ähnlich wie das Waldhaus mit einer geringen Auslastung kämpft. Ein Jahr zuvor war die ­Hotelgruppe Victoria-Jungfrau, zu der Häuser in Bern, Luzern, Interlaken und Zürich zählen, wegen ausbleibenden ­Erfolgs verkauft worden.

Experten stimmen überein, dass sich das Luxussegment den allgemeinen Schwierigkeiten im Tourismus nicht entziehen kann. «Die Luxushotellerie steht seit längerer Zeit unter Druck», sagt Jürg Stettler von der Hochschule Luzern. «Sie hat dieselben Probleme wie die Betriebe im normalen Preissegment.»

Preisbewusste Reiche

Zu schaffen macht der Branche nicht nur die starke Währung. Laut Stettler hat auch der internationale Wettbewerb zugenommen. «Reiche Kunden informieren sich heute genauso wie gewöhnliche Touristen auf Onlineportalen und vergleichen die Angebote.» Die Folge sei ein harter Preiskampf unter denjenigen Hotels, die nicht als einzigartig wahrgenommen würde – unabhängig von der Anzahl der Sterne. «Die Superreichen, die sprichwörtlich Geld aus dem Fenster werfen, sind dünn gesät», sagt Stettler, «sie machen nur einen kleinen Teil der Kundschaft aus.»

Ähnlich wie im Gesamtmarkt sind in der Luxushotellerie zwar die Übernachtungszahlen stabil. Doch die Herkunft der Gäste ändert sich. Aus den USA sowie aus den Schwellenländern kommen mehr, aus Europa weniger Gäste. So ist etwa die Anzahl deutscher Besucher gemäss Zahlen der Vereinigung Swiss Deluxe Hotels nunmehr schon im sechsten Jahr in Folge rückläufig. Dagegen wuchs die Anzahl der Gäste aus China allein 2014 um 15 Prozent.

«Die Luxushoteliers sind angesichts des starken Frankens gefordert», sagt Stefan Mathys, Mediensprecher von Swiss Deluxe Hotels, «aber viele Betriebe haben die letzten Jahre gut gemeistert.» Er verweist darauf, dass die Strukturbereinigung in der Vergangenheit vor allem im mittelklassigen Bereich stattgefunden habe, während die Zahl der Fünfsternhäuser zugenommen habe. «Man muss sich keine generellen Sorgen um das Segment machen.»

Als wichtigen Erfolgsfaktor nennt Mathys eine stabile Eigentümerschaft, die über viele Jahre hinweg Investitionen stemmen und auch schwierige Zeiten überstehen könne. Ebenso zentral sei die Vermarktung. Hier hätten die hochpreisigen Hotels einen Vorteil bei der Erschliessung ferner Märkte. «In Asien, im Nahen Osten und in Brasilien liegt das grösste Potenzial.»

Erstellt: 07.04.2015, 23:28 Uhr

Übernachtungszahlen steigen im Februar

Die starke Aufwertung des Frankens Mitte Januar hat den Schweizer Tourismus im Februar nicht gebremst. Die Zahl der Logiernächte nahm gegenüber dem Vorjahr sogar um 6 Prozent auf 3,1 Millionen zu, wie das Bundesamt für Statistik mitteilte. Zum deutlichen Plus haben sowohl in- wie ausländische Gäste beigetragen. Die Schweizer buchten 8,4 Prozent mehr Logiernächte. Die Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland nahmen um 3,8 Prozent auf ­ 1,6 Millionen zu. Dabei hat die Zahl der Logiernächte nicht nur in den städtischen Zentren zugenommen, sondern auch in den grossen Bergregionen Graubünden, Wallis (je 6,4 Prozent) und Berner Oberland (11,8 Prozent) sowie in der Region Luzern/Vier­waldstättersee (17,8 Prozent). (SDA)

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