Postfinance steigt ins Mittelfeld ab

Die Bank zog mit attraktiven Angeboten Kunden an. Das ist vorbei. Sie spürt die Negativzinsen stärker als andere Institute. Das wirkt sich auch auf die Konditionen aus.

Mit dem guten Angebot scheint es bei der Postfinance vorbei zu sein. Foto: Thomas Egli

Mit dem guten Angebot scheint es bei der Postfinance vorbei zu sein. Foto: Thomas Egli

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Als Postfinance-Kunde hat man sich in den letzten Monaten fast schon daran gewöhnt. Immer wieder wurden in den letzten Monaten die Gebühren erhöht oder die Konditionen verschlechtert. Als Letztes wurden die Kreditkartenkonditionen angepasst. Neu müssen Post­finance-Kunden bei Einkäufen in Fremdwährungen höhere Zuschläge bezahlen, gleichzeitig sinkt die Rückvergütung auf den Kartenumsatz. Per 1. August werden zudem die Zinsen gesenkt. Für ein Privatkonto betragen sie nun 0 Prozent, bei einem E-Sparkonto werden sie auf 0,05 Prozent halbiert. Zudem wird in diesen Tagen ein neues Gebührenmodell beim Onlinetrading eingeführt. Neu bezahlt jeder Kunde 90 Franken, dafür erhält er zumindest einige Börsengeschäfte gratis. Die Bank wird so für Kunden immer unattraktiver. Natürlich steht sie damit nicht allein da. Zahlreiche Banken haben in den letzten Monaten die Zinsen gesenkt und die Gebühren erhöht.

Laut Postfinance würden diverse unabhängige Vergleiche zeigen, dass sie weiterhin zu den günstigsten Banken gehört. Benjamin Manz, der Geschäftsführer des Vergleichsdienstes Moneyland.ch, sieht das anders. «In den letzten Jahren hat Postfinance sowohl die Zinssätze bei Sparkonten, Säule-3a-Konten oder Privatkonten überdurchschnittlich gesenkt als auch verschiedene Kosten erhöht.» Davon betroffen seien das Firmenkonto, das Online­trading, die Kreditkarten oder die Gebühren für Auslandskunden. Damit rangiere die Bank bei den Konditionen in vielen Produktkategorien nur noch im Mittelfeld. Sie werde so zu einer normalen Bank, die in einigen Bereichen nicht mehr mit besonders attraktiven Angeboten Kunden anlocke, so Manz. Das eröffne anderen Banken die Chance, sich mit attraktiven Konditionen besser positionieren zu können.

Vorteile ade

Dabei verfügte die Bank besonders für Kleinsparer über das bessere Angebot als die Konkurrenz und zog so massiv Kunden an. Damit scheint es nun vorbei zu sein. Bei den Quartalsergebnissen wies Postfinance einige Tausend Kunden weniger aus, wobei für den Rückgang hauptsächlich das Löschen von Doppelzählungen verantwortlich sei. Heute zählt sie gegen 3 Millionen Kunden, sie haben bei der Bank ein Vermögen von gegen 115 Milliarden Franken angelegt. Damit ist sie punkto Kundenzahlen eine der grössten hiesigen Banken. Zum Vergleich: Die Raiffeisen-Gruppe hat 3,7 Millionen Sparer mit einem Vermögen von rund 150 Milliarden Franken. Bei der UBS ist jeder dritte Schweizer Haushalt Kunde. Doch Postfinance erhöht die Gebühren nicht, weil sie die Kunden schröpfen will. Jeder Entscheid lasse sich begründen, so die Bank. Das Zinsniveau ist tief, das wirkt sich auf die Sparzinsen aus. Die Kreditkartengebühren sinken wegen eines Weko-Entscheids, also müssen auch die Konditionen angepasst werden. Und beim Onlinetrading wird eine neue Plattform eingeführt. So weit, so gut. Doch zeigen die beständigen Änderungen der Tarife auch, dass die Bank an jedem Schräubchen drehen muss, um noch Geld zu verdienen. Denn Post­finance hat gegenüber anderen Instituten ein schwerwiegendes Problem. Die Bank darf keine Hypotheken oder Firmenkredite vergeben. So will es das Gesetz. «Wenn die Politik diese Haltung beibehält, haben wir das zu respektieren», so ein Sprecher. Aber sie solle sich auch der Konsequenzen bewusst sein. «Wir sind aufgrund des Kreditverbots gezwungen, unsere Kundengelder an den nationalen und internationalen Finanzmärkten anzulegen», so der Sprecher. Diese Einschränkung wiege in der heutigen Marktkonstellation noch schwerer als bisher, denn im Gegensatz zu anderen Banken habe Postfinance keine Möglichkeit, die aktuelle Erosion der Zinsmarge über eine Margenausweitung im Kundenkreditgeschäft etwas abzufedern. Die Kundengelder werden mehrheitlich in Anleihen investiert. Diese werfen aber im aktuellen Zins­umfeld kaum eine Rendite ab. Die Situation wird sich nicht verbessern, sondern eher verschlechtern. Höher verzinste Anleihen laufen aus, sie werden mit weniger rentablen Papieren ersetzt. Bislang konnte die Bank den sinkenden Zinsertrag an die Kunden weitergeben. Das geht jetzt nicht mehr. Die Sparzinsen sind bereits bei 0 Prozent. Das Jahresergebnis dürfte daher deutlich schlechter ausfallen als im Vorjahr.

Gewinn schwindet

Damals erzielte die Bank einen Jahres­gewinn von 575 Millionen Franken. Wie stark dieses Jahr der Einbruch sein wird, will die Bank nicht kommentieren. In den ersten drei Monaten des Jahres erzielte die Bank einen Gewinn von 102 Millionen Franken. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr waren es noch 172 Millionen Franken gewesen. Vor allem der Zinsertrag steht unter Druck.

Die Postfinance drängt daher darauf, dass das Postgesetz geändert wird. Nur so kann sie in das margenträchtigere Geschäft mit Hypotheken und Firmenkrediten einsteigen. Derzeit ist eine Motion des Solothurner SP-Ständerats Roberto Zanetti hängig. Sie dürfte im Herbst im Parlament beraten werden. Ihre Chancen stehen nicht besonders gut. Der Bundesrat lehnte den Vorstoss Ende des letzten Jahres ab. Für eine Teilprivatisierung der Postfinance sei es noch zu früh. Es brauche keine weiteren Anbieter für Hypotheken oder Kredite in der Schweiz. Ob die Motion im Parlament eine Chance hat, ist ungewiss. Zu den stärksten Konkurrenten der Postfinance zählen die im Hypothekengeschäfte starken Kantonalbanken. Sie haben kein Interesse an neuer Konkurrenz.

Zanetti ist optimistisch, was seine Motion betrifft: «Wenn die selbst ernannten Marktschreier der Marktwirtschaft ihren eigenen Glaubenssätzen folgen, müsste es eigentlich eine Mehrheit geben.»

Erstellt: 03.07.2016, 19:50 Uhr

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