Raiffeisen verliert gleich neun Verwaltungsräte

Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz treibt den Erneuerungsprozess voran. Es kommt zu einem Exodus im obersten Exekutivorgan.

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Nach der Vincenz-Affäre bleibt bei der Raiffeisenbank kein Stein auf dem anderen: Bis 2020 werden acht der aktuell elf Verwaltungsratsmitglieder aus dem obersten Leitungsgremium von Raiffeisen Schweiz zurücktreten, teilte die Bank am Donnerstagabend mit. Ein weiteres Mitglied werde sich nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stellen, hiess es weiter.

Raiffeisen Schweiz will damit nach eigenen Angaben einen geordneten Erneuerungsprozess gewährleisten. Bei den acht abtretenden Verwaltungsräten handelt es sich um Rita Fuhrer, Angelo Jelmini, Daniel Lüscher, Philippe Moeschinger, Urs Schneider, Franco Taisch, Edgar Wohlhauser und Werner Zollinger.

Mit Laurence de la Serna habe sich auch ein neues Verwaltungsratsmitglied entschieden, sich nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stellen, dies aufgrund von Veränderungen im beruflichen Umfeld sowie aus persönlichen Gründen.

Die nächsten Rücktritte erfolgen auf die ordentliche Delegiertenversammlung vom Juni, zwei weitere per ausserordentliche Delegiertenversammlung vom Herbst. Damit werde der 2016 gestartete Erneuerungsprozess vorangetrieben und dessen Fahrplan festgelegt, teilt die Bank mit. Die Evaluation möglicher Nachfolger werde umgehend in die Wege geleitet.

Nebst Wohlhauser und Zollinger, welche aufgrund der statutarischen Amtszeitbeschränkung im Juni nicht mehr wiedergewählt werden können, habe sich auch Taisch entschieden, sich nicht mehr zur Wiederwahl zu stellen. Der Rücktritt Taischs wurde bereits am Vortag in Medienberichten vorweggenommen. Er wolle sich auf seine unternehmerischen Engagements und auf seine Titularprofessur an der Universität Luzern konzentrieren, lautet die Begründung für seinen Entscheid.

Von den fünf weiteren Rücktritten erfolgen diejenigen von Lüscher und Schneider per ausserordentliche Delegiertenversammlung im Herbst, diejenigen von Fuhrer und Moeschinger per Delegiertenversammlung im Juni 2019. Jelmini schliesslich wird im Juni 2020 zurücktreten.

An der für den 10. November 2018 anberaumten ausserordentlichen Delegiertenversammlung sollen nebst der Wahl eines neuen Verwaltungsratspräsidenten zwei neue Mitglieder in das Gremium gewählt werden. Bereits im Juni sollen bekanntlich Rolf Walker und Thomas Rauber den Verwaltungsrat verstärken.

VR verdiente knapp 44 Prozent mehr

Vor zwei Tagen präsentierte die Bank ihren Geschäftsbericht: Der Verwaltungsrat der Raiffeisen Schweiz hat im Geschäftsjahr 2017 eine Gesamtentschädigung von 2,41 Millionen Franken bezogen. Das sind 43,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die drittgrösste Schweizer Bank begründet die deutliche Erhöhung mit dem Mehraufwand, der als systemrelevante Bank fällig geworden sei.

Zudem zähle der Verwaltungsrat seit dem vergangenen Jahr zwei Mitglieder mehr. Die höchste Einzelgesamtvergütung entfiel auf den inzwischen zurückgetretenen Verwaltungsratspräsidenten Johannes Rüegg-Stürm mit 548'300 Franken. Raiffeisen-Konzernchef Patrik Gisel verdiente derweil 1,81 Millionen Franken, dazu kamen Leistungen an Personalvorsorge in Höhe von 601'796 Franken. Insgesamt bezog die Geschäftsleitung, die erweiterte Geschäftsleitung und der Leiter der internen Revision eine Gesamtvergütung von 11,03 Millionen Franken.

Ruf ramponiert

Der Ruf der Genossenschaftsbank wurde zuletzt arg ramponiert. Hintergrund ist die Affäre rund um den ehemaligen Bankchef Pierin Vincenz, der auch Verwaltungsratspräsident der Kreditkartenfirma Aduno war.

Aduno hatte gegen Vincenz im letzten Dezember Anzeige eingereicht. Untersucht wird, ob er bei der Übernahme der Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich abkassiert hat. Vincenz bestreitet die Vorwürfe. Er sitzt seit Anfang März in Untersuchungshaft. (nag/sda)

Erstellt: 26.04.2018, 21:45 Uhr

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