Afrika empfiehlt sich den Gamern

Derzeit findet in Köln die Gamescom statt, die grösste europäische Messe für Videospiele. Erstmals zeigen sich dort Hersteller aus Afrika.

Besucher der Gamescom testen neue Videospiele.

Besucher der Gamescom testen neue Videospiele. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Gamescom ist am Dienstag in Köln gestartet. Zum Treffen der Videospielindustrie werden nach Angaben der Veranstalter bis zum Samstag 350’000 Besucher erwartet. Die Gamescom gilt als grösste Messe für interaktive Unterhaltung. In diesem Jahr präsentieren sich 1000 Aussteller aus 50 Ländern.

Dazu gehören erstmals fünf Videospielehersteller aus Afrika. Sie nahmen am Entwicklerkongress Devcom teil, der im Rahmen der Gamescom stattfindet. Die fünf unabhängigen Studios stammen aus verschiedenen afrikanischen Ländern und bringen einen unterschiedlichen Hintergrund mit. Es handelt sich um Masseka Game Studio aus der Zentralafrikanischen Republik, Studio Lomay aus Madagaskar, Mog Media Design aus Niger, Weza Interactive aus Kenia und Frontfire aus Algerien.

Afrikanisches Brettspiel fürs Smartphone

Beispiel Masseka: Das Studio konzentriert sich auf Spiele, welche dem Rest der Welt Afrika näherbringen sollen. Kreativer Kopf und Gründer ist Teddy Kossoko, der in Frankreich Computerwissenschaften studiert hat. In Europa lernte der 23-Jährige die Gamekultur kennen. Masseka Game Studio hat für mobile Endgeräte die digitale Variante des Spiels Kissoro herausgebracht. Dabei handelt es sich um ein altes Brettspiel aus Zentralafrika, das Schach ähnelt. Die Entwicklung dauerte drei Jahre. Das Geld stammt aus Crowdfunding.

Die afrikanischen Entwickler nach Europa gebracht hat Sidick Bakayoko, Gründer und Chef von Paradise Games. Die Firma aus der Elfenbeinküste versteht sich als Drehkreuz für die Videospieleszene in ganz Afrika, indem sie Hersteller und Gamer zusammenbringt. «Unser Traum ist es, Videospiele als einen der Haupttreiber der afrikanischen Wirtschaft zu etablieren, der Millionen von Menschen auf dem ganzen Kontinent Arbeit gibt», sagt Bakayoko. Um das zu erreichen, brauche es aber ein starkes Ökosystem mit Spieleentwicklern aus Afrika, die ihre Spiele in die Welt exportieren und international bekannt werden.

Die Videospielindustrie erwirtschaftet weltweit einen Umsatz von umgerechnet knapp 100 Milliarden Franken. Schon fast ein Drittel dieser Einnahmen stammen von Spielen auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets. Afrika stellt mit 500 Millionen Einwohnern, die ein Mobiltelefon besitzen, ein grosses Potenzial dar.

Nummer eins aus China

Dennoch spielt der Kontinent in der internationalen Branche keine Rolle. Die grossen Akteure stammen entweder aus den USA oder aus Asien. Bekannte Namen lauten Sony, Microsoft und Activision Blizzard. Der Weltmarktführer heisst jedoch Tencent und hat den Sitz in Shenzhen in China. Zu seinem Portfolio gehören erfolgreiche Spiele wie «League of Legends» und «Clash of Titans». Tencent erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von umgerechnet 22 Milliarden Franken.

In der Schweiz haben sich etwa 80 Jungunternehmen der Entwicklung von Videospielen verschrieben. Im vergangenen Geschäftsjahr setzten sie ungefähr 50 Millionen Franken um, wie der Verband Swiss Game Developers Association (SGDA) schätzt. Der Verband hat bisher knapp 250 Schweizer Spiele dokumentiert.

Bekannt in der Schweizer Videospieleindustrie ist Giants Software mit Sitz in Schlieren im Kanton Zürich. Das Unternehmen entwickelt den «Landwirtschaftssimulator». Er ist ein weltweiter Erfolg. Die Bauernhofsimulation brachte über 8 Millionen Franken ein. Rund 5 Millionen Downloads verzeichnet das Spiel in seinen unterschiedlichen Versionen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.08.2018, 16:27 Uhr

Artikel zum Thema

Berufswunsch: Profi-Gamer

Was haben Mesut Özil und der TCS gemeinsam? Beide setzen auf E-Sport. Welche Perspektiven die Disziplin in der Schweiz bietet, zeigen neue Zahlen. Mehr...

Warum Staatsbetriebe auf Videospiele setzen

Postfinance stellt professionelle Gamer an – das Team wird von einem Coach trainiert. Auch Swisscom prüft den Einstieg in den E-Sport. Was steckt dahinter? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Es sammelt sich nur der Staub in ihnen: Frauen zerschmettern in Indien Töpfe aus Ton, um gegen den Mangel an Trinkwasser zu protestieren. (16. Mai 2019)
(Bild: Amit Dave) Mehr...