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Alexa, heul nicht rum!

Amazons Sprachassistentin zeigt nun auch Emotionen. Das wirft einige interessante Fragen auf. Darf Alexa jetzt beleidigt auf dumme Fragen reagieren?

Elektronik mit Gefühlen: Lautsprecher mit Alexa  von Amazon. Foto: PD
Elektronik mit Gefühlen: Lautsprecher mit Alexa von Amazon. Foto: PD

Er ist, so kann man das wohl sagen, der beste Freund der Männer an Bord des Raumschiffs. Freundlich-gleichmütig hilft HAL 9000 den Astronauten der Discovery bei ihren täglichen Verrichtungen. Doch dann stellt sich heraus: Der Bordcomputer ist darauf programmiert, die Menschen loszuwerden. Und sogar als die Crew das begreift, säuselt er noch immer: «Ich fürchte, das kann ich nicht machen, Dave.» Das Maschinenhafte, das sich menschlich gebärdet, sein Wesen aber nicht verleugnen kann, hat, wie im legendären Science-Fiction-Film «2001 – Odyssee im Weltraum», die Menschen schon immer befremdet.

Daher ist es verständlich, wenn der Internetkonzern Amazon seiner künstlichen Intelligenz, die auf das Codewort Alexa hört, nun mehr Emotionen zugesteht. Er will sie also menschlicher machen. Entwickler haben künftig die Möglichkeit, Alexas Stimme ein wenig mehr Farbe zu verleihen, sie so ziemlich alles zwischen erfreut und griesgrämig klingen zu lassen.

Verkaufsschlager sprachgesteuerte Assistenten

Das wirft, wie sich leicht denken lässt, viele Fragen auf. Die zum Beispiel, ab welchem Dummheitsgrad einer Frage Alexa dann missmutig reagieren wird. Oder ob sie bei Witzen schelmisch kichern oder vielleicht auch nur leise glucksen soll. Oder – mutmasslich eine ziemlich wichtige Frage – wie sehr zerknirscht sie sich geben soll, wenn sie mal wieder auf eine Frage nichts anderes zu antworten vermag als: «Das weiss ich leider nicht.»

Obwohl das ziemlich häufig vorkommt, sind die sprachgesteuerten Assistenten – so ihre offizielle Berufsbezeichnung – ein Verkaufsschlager. Die Verlockung ist eben doch gross, sich quasi ein Stück Zukunft ins Haus zu holen. Auch wenn man dann doch nur banale Fragen stellt, wie die nach dem Wetter oder nach einem Kochrezept. Oder die vernetzten Lautsprecher dazu nutzt, den Einkaufszettel zu füllen. Erspart ja immerhin den Weg zu dem Platz, an dem Zettel und Kugelschreiber liegen. Mit dem Smartphone ginge das übrigens auch.

Fortschritte langsamer als gedacht

Die Sprachassistenten, die man auch auf Fernsehern findet oder in Autos, sind mittlerweile recht gut darin, zu verstehen, was ihre Besitzer zu ihnen gesagt haben. Woran es allerdings noch fehlt, ist die Erkenntnis: Was soll das bedeuten, was da gerade gesagt wurde? Dabei tun sich die Maschinchen so schwer, dass die Unternehmen zwischenzeitlich mehr oder weniger heimlich Menschen beschäftigten, die sich die fehlgeschlagenen Ansinnen anhörten und den Maschinen erklärten, was Sache ist. Dumm nur, dass man das den Besitzern nicht so richtig gesagt hatte.

Dumm auch, dass die Fortschritte bei der Intelligenz der Assistenten nicht so gross sind, wie die Herstellerfirmen das wahrscheinlich selbst erhofft hatten. Der alte Traum von Maschinen, die auf Augenhöhe mit Menschen kommunizieren, er wird noch lange genau das bleiben: ein Traum. Da darf Alexa jetzt ruhig eingeschnappt sein.

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