Am falschen Ort angesetzt

Ein Exempel an den Kontingenten für Angehörige aus Drittstaaten zu statuieren, ist aus mehr­facher Sicht falsch.

Mangel: Unternehmen müssen sich global nach Experten umschauen, da sie nicht immer hierzulande oder in der EU fündig werden.

Mangel: Unternehmen müssen sich global nach Experten umschauen, da sie nicht immer hierzulande oder in der EU fündig werden. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Der Bundesrat gibt in dieser Sache gar kein gutes Bild ab. Die Frage, wie viele Arbeitskräfte aus Staaten ausserhalb der EU in der Schweiz arbeiten dürfen, hat die Landesregierung gespalten. Anfänglich setzte sich SP-Justizministerin Simonetta Sommaruga durch. Sie wollte der Bevölkerung signalisieren, dass der Bundesrat das Ja zur Zuwanderungsinitiative ernst nimmt. Eine tiefere Zahl an Kontingenten für Angehörige aus Drittstaaten bot sich für ein Signal bestens an. Denn hier musste sich der Bundesrat nicht fürchten, die EU zu verärgern. Der Bundesrat folgte Sommaruga – in der Meinung, eine Senkung der Kontingente um 2000 auf 6500 sei für die Wirtschaft verkraftbar.

Doch weit gefehlt. Bald setzte der Protest der betroffenen Firmen und Kantone ein. Im letzten Jahr reichten die Kontingente noch knapp aus, im laufenden Jahr in einigen Kantonen dagegen nicht mehr. Der Druck der Wirtschaft wurde stärker und hat nun Wirkung gezeigt. Der Bundesrat lenkt ein, wenn auch nur widerwillig. Dies zeigt sich daran, dass er die Senkung nur zur Hälfte rückgängig macht: Die Kontingente werden für 2017 lediglich um 1000 erhöht.

Will  die Schweiz ein attraktiver Standort für innovative  Firmen bleiben, muss sie in einem gewissen Mass für Arbeitskräfte aus der ganzen Welt offen sein.

Ein Exempel an den Kontingenten für Angehörige aus Drittstaaten zu statuieren, ist gleich aus mehr­facher Sicht falsch. Deren Zahl ist schlicht zu klein, um einen spürbaren Effekt auf die Zuwanderungs­zahlen zu bewirken. Für Firmen aus der Pharma- oder der Informatikbranche sind die Fachkräfte dagegen sehr wichtig. Ihr Spezialwissen zu finden, ist offenbar so schwierig, dass die Unternehmen sich global nach Experten umschauen müssen, da sie nicht in jedem Fall hierzulande oder in der EU fündig werden.

Will die Schweiz ein attraktiver Standort für innovative Firmen bleiben, muss sie in einem gewissen Mass für Arbeitskräfte aus der ganzen Welt offen sein. Nur so kann unser Land eine Heimat für Weltmarktführer wie Roche, Nestlé oder Google bieten.

Der Bundesrat ist damit aber nicht davon ent­bunden, das Potenzial an Fachkräften im Inland stärker zu fördern. Den runden Tischen und Appellen von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann müssen nun endlich konkrete Taten folgen.

Erstellt: 12.10.2016, 21:36 Uhr

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