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Amazon wird fast zu einem Schweizer Shop

Die schweizerische Post wickelt künftig die Verzollung für den Onlinehändler Amazon in der Schweiz ab.

Von wo aus geliefert wird, ist fortan nicht mehr entscheidend für die Kunden in der Schweiz: Amazon-Logistikzentrum im deutschen Rheinberg. Foto: Friedmann Vogel (EPA, Keystone)
Von wo aus geliefert wird, ist fortan nicht mehr entscheidend für die Kunden in der Schweiz: Amazon-Logistikzentrum im deutschen Rheinberg. Foto: Friedmann Vogel (EPA, Keystone)

Ein riesiges Sortiment, Preistransparenz, kostenlose Lieferung und dies möglichst rasch: Diese Vorteile wollen die Kunden in der Schweiz nicht mehr missen. Beim weltgrössten Händler Amazon gabs bis jetzt einige Einschränkungen: Nicht alle 300 Millionen Artikel, die auf der Plattform des US-Giganten angeboten werden, finden den Weg in die Schweiz. Dazu kommen für den Kunden je nach Ware hohe Zollkosten.

Das soll mindestens teilweise künftig wegfallen. Amazon hat mit der Post eine Vereinbarung über die digitale Verzollung getroffen, wie das Westschweizer Fernsehen am Dienstag meldete. Die Post bestätigte den Vertrag. Wirksam werden soll er in den nächsten Monaten. Die elektronische Sammelverzollung ­ermöglicht es Amazon, die Ware innert 24 Stunden in der Schweiz auszuliefern. Die Onlineplattform erscheint für den Kunden wie ein Schweizer Shop, obwohl sie physisch in der Schweiz nicht mit eigener Logistikinfrastruktur präsent ist. Bezahlt wird auf ein Konto bei Postfinance, um die lästige Verzollung muss der Käufer sich nicht mehr kümmern. Eine analoge Regelung hat die Post bereits mit dem deutschen Onlinehändler Zalando geschlossen.

Ob die Amazon-Kunden nun voll aus dem 300-Millionen-Sortiment auf der Plattform auswählen können, wird von Carpathia, einem Beratungsunternehmen für Digital-Business, bezweifelt. Grund: Viele Händler, die ihre Ware über Amazon vertreiben, nutzen nicht dessen Logistik. «Dennoch wird neu ein Sortiment von Dutzenden von Millionen Artikeln für die Schweiz zur Verfügung stehen», so Carpathia.

Im letzten Jahr soll Amazon in der Schweiz gut 600 Millionen Franken umgesetzt haben. Im gleichen Zeitraum ­bestellten die Schweizer Internetshopper für 8,6 Milliarden Franken Waren und Güter online, was einem Plus von 10 Prozent zum Vorjahr entsprach, wie die Versandhandelsbranche, die Post und das Marktforschungsinstitut GFK berechnet haben. Die schweizerische Nummer eins, die Migros-Tocher Digitec-Galaxus wies 2017 einen Umsatz von 834 Millionen Franken aus. Branchen­experten spekulieren, dass der US-Konzern seinen Umsatz in den nächsten drei Jahren vervierfachen könnte. Die Ver­lagerung vom stationären Handel in den Onlinehandel dürfte damit ungebremst weitergehen.

Für die Post ist das auf jeden Fall ­erfreuliche Post. Während das Brief­geschäft und die Einzahlungen am Schalter erodieren, wächst das Paketbusiness jedes Jahr. Zwischen 2013 und 2017 kletterte das Volumen von 110 auf 129 Millionen Pakete. Gemäss Post bewirkte diese Lawine in der Sortierung und Zustellung einen Stellenausbau von rund drei Prozent. Bis 2020 sollen für 150 Millionen Franken drei neue Paketzentren in Graubünden, im Tessin und Wallis ­gebaut werden, um die bestehenden drei Standorte zu entlasten.

Amazon-Deal in Frankreich

Der US-Onlineriese kurbelt auch in Frankreich sein Geschäft massiv an. Nachdem Amazon mit der Übernahme der US-Ladenkette Whole Foods erstmals in den Lebensmittelhandel eingestiegen ist, wird nun auch der alte Kontinent ins Visier genommen. Amazon wird mit Monoprix, einer der grössten französischen Supermarktketten, zusammenarbeiten. Die Franzosen werden künftig ihre Produkte über Amazon anbieten. Vorerst werden allerdings nur Kunden in Paris zugreifen können. Der deutliche Kursanstieg der Monoprix-Muttergesellschaft Casino am Dienstag nährte in Finanzkreisen Spekulationen, dass sich die Zusammenarbeit in Zukunft noch intensivieren könnte.

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