Appetit auf Luxusmarken

Yafu Qiu, der neue Besitzer von Bally, strebt nach Ruhm in der Modewelt.

Yafu Qiu kauft keine Kleider, er kauft gleich die Kleidermarken. Foto: Tomohiro Ohsumi (Bloomberg, Getty Images)

Yafu Qiu kauft keine Kleider, er kauft gleich die Kleidermarken. Foto: Tomohiro Ohsumi (Bloomberg, Getty Images)

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Man könnte Yafu Qiu als shoppingsüchtig bezeichnen. Seine Einkaufstouren führen den 60-jährigen Chinesen um die ganze Welt, Hunderte von Millionen Dollar gibt er dabei aus.

Yafu kauft keine Kleider, er kauft ganze Kleiderhersteller. Auf Fotos sieht man den grossen, eleganten Mann die Hände anderer ­Männer schütteln – in Pakistan, in Österreich oder Frankreich, im US-Bundesstaat Arkansas. Die Stimmung ist gut, es wird gelacht. Die Verkäufer haben gerade viel Geld erhalten, Yafu ist seinem Ziel einen Schritt näher gekommen.

Preis für Bally bleibt geheim

Die jüngste Kostbarkeit, die sich Yafus Gruppe Shandong Ruyi sichern konnte, heisst Bally. Damit hat die Schweizer Schuh- und Ledermarke – vor 167 Jahren im solothurnischen Schönenwerd gegründet – wieder einmal den Besitzer gewechselt. Die Familie Bally hatte sich bereits 1977 zurückgezogen; seither gehörte die Firma verschiedenen Investoren, seit Juni 2014 einer deutschen Holding, die schon letztes Jahr Verkaufsabsichten andeutete. Offenbar bemühten sich auch andere chinesische Gruppen um die Traditionsmarke. Bally ist kürzlich vor allem in China stark gewachsen. Das Rennen machte Yafu. Wie viel er zahlte, bleibt geheim.

Yafu besitzt über 40 internationale Modemarken, die meisten im Luxusbereich. Dazu zählen der 250 Jahre alte britische Anzughersteller Gieves & Hawkes, das italienische Cerruti 1881 oder das französische Label Sandro. Wollproduzenten und Stoffhersteller ergänzen das Imperium. Mit den Einkäufen verfolgt Yafu ein ehrgeiziges Ziel, wie er in einem seiner seltenen Interviews sagte: Die Shandong-Ruyi-Gruppe soll zum «global leader» in Sachen Mode aufsteigen, zu einem Marktführer, den man überall ernst nimmt. Bally passt da perfekt, das Traditionshaus hebt das Prestige der jungen chinesischen Marke.

Wohnen im Bang & Olufsen House

In seiner Heimat gilt Yafu Qiu als vorbildlicher Unternehmer, ausgezeichnet mit mehreren Innovationspreisen. Er hat eine Tellerwäscherkarriere à la China gemacht. Mit 17 Jahren begann er in einer Textilfabrik, bildete sich weiter, stieg auf. 1998 gründete er die Shandong-Ruyi-Gruppe, benannt nach der nordchinesischen Provinz Shandong, wo sie immer noch ihren Hauptsitz hat. Yafu ist ein angesehenes Mitglied der herrschenden Kommunistischen Partei, er wurde mehrmals in den Volkskongress gewählt, das wenig demokratische nationale Parlament.

In China beschäftigt Yafu Zehntausende von Angestellten. Einmal lud er die 3000 Besten von ihnen in ein Stadion ein, wo er Autos, Fernseher und Scooter verschenkte. Kürzlich beklagte er sich über die steigenden chinesischen Lohnkosten, deshalb lasse er nun Roboter testen.

Trotz des Ruhms zu Hause – Yafu lebt international. Er kaufte eine teure Villa am Hafen von Sydney und bewies auch dabei Markenbewusstsein. Wegen des speziellen Aussehens heisst das Anwesen Bang & Olufsen House.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.02.2018, 23:57 Uhr

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