Arbeitsverweigerung und mangelnde Menschenkenntnis

Doris Leuthard sollte die Besetzung der Chefposten bei Bundesbetrieben ihrem Nachfolger überlassen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das hatte sich Bundesrätin Doris Leuthard wohl anders ­vorgestellt, als sie vor einem Jahr bekannt gab, dass sie ­spätestens nach den Parlamentswahlen 2019 abtreten will.­Die grossen Bundesbetriebe SBB und Post, beide im Volk sehr ­beliebt, ­kommen nicht aus den Schlagzeilen. Dabei geht es für einmal weniger um die Erfüllung ihres Leistungsauftrags beim Bürger, sondern um das Selbstverständnis, wie der Ver­waltungsrat und das Management mit ihrer Verantwortung umgehen. Bei der Post ging es um Subventionsbetrug, verschleiert und versteckt über Jahre. Das Unternehmen hat seit bald drei Monaten keinen operativen Chef mehr. Der Verwaltungsrat – ­respektive was von ihm noch übrig bleibt – ist damit beschäftigt, aufzuarbeiten, wie es dazu kommen konnte. Je nach Ausgang wird sich zeigen, ob Post-Präsident Urs Schwaller bleiben kann.

Bei den SBB geht es schlicht um Arbeitsverweigerung. Jedes Jahr hätte ein Ausschuss des Verwaltungsrats tagen und prüfen müssen, ob die Zusatzmandate ihrer Mitglieder zu Interessenkonflikten oder Reputationsrisiken führen. Bloss: Ge­sessen ­haben die Damen und Herren während Jahren nicht. Und Monika Ribar selbst hat geglaubt, ihr Mandat bei der Firma Capoinvest, die in Angola einen Tiefseehafen bauen will, berge keine Reputationsrisiken. Obwohl Angola im ­Korruptionsindex ganz zuoberst steht. Obwohl Panalpina unter Ribar ­gestehen musste, in Angola Schmier­gelder bezahlt zu haben und dafür Millionen für Bussen zahlte. Und obwohl ihr Geschäftspartner vorbestraft war. 

Das alles zeugt davon, dass es den Personen, die von ­Bundesrätin Leuthard in so wichtige Ämter eingesetzt wurden, an Urteilsfähigkeit und damit Leuthard an Menschenkenntnis mangelte. Vielleicht wäre es darum besser, sie würde die ­Besetzung der wichtigen Ämter, die nun frei sind oder noch frei werden, ihrem Nachfolger überlassen. Und sie sollte zur ­Kenntnis nehmen, dass das nicht noch ein Jahr warten kann. 

Erstellt: 30.08.2018, 21:06 Uhr

Artikel zum Thema

Die Aufsicht versagte bei Ribars Wahl

Der SBB-Verwaltungsrat hat seine Aufsichtspflicht «schwer verletzt». Zu diesem Schluss kommt die Geschäftsprüfungskommission. Mehr...

Das fragwürdige Angola-Mandat der SBB-Präsidentin

Paradise Papers Monika Ribar verdiente gut an einem Bauprojekt des angolanischen Staatsfonds. Auch andere Schweizer Promis helfen dem Kopf dahinter. Mehr...

Ribar spielte heikles Mandat herunter

Paradise Papers Ihre Zusammenarbeit mit dem verurteilten schweizerisch-angolanischen Geschäftsmann Jean-Claude Bastos bringt der SBB-Präsidentin politischen Ärger – und einen Reputationsverlust. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Gespenstische Stimmung: Ein Vogel fliegt während des letzten Vollmondes des Jahres über den Statuen der Katholischen Hofkirche in Dresden. (12. Dezember 2019)
(Bild: Filip Singer) Mehr...