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Arme werden reicher

Die Hilfsorganisation Oxfam macht Politik mit einer arg zugespitzten Statistik.

Kleine Hilfe gegen Armut: In Kalifornien trägt ein Obdachloser Nahrungsmittel, die ihm gespendet wurden.
Kleine Hilfe gegen Armut: In Kalifornien trägt ein Obdachloser Nahrungsmittel, die ihm gespendet wurden.
Jae C. Hong, Keystone

Es tönt aufrüttelnd. Die reichsten 42 Personen der Welt würden gemeinsam so viel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Menschheit. Das schreibt die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrem neuesten Bericht zur weltweiten Ungleichheit, veröffentlicht pünktlich zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums. So ungleich verteilt ist also das Vermögen auf der Welt, dass die 3,7 Milliarden Ärmsten nur so viel besitzen wie eine einzige Postauto-Ladung mit den Allerreichsten auf dem Weg nach Davos.

Die Botschaft ist in ihren Grundzügen bekannt – Thomas Piketty und andere Ökonomen haben schon Bestseller darüber geschrieben. Aber das ist nicht der einzige Grund, dass Oxfam mit ihrem regelmässig erscheinenden Bericht heuer auf wenig Echo stiess. Denn vor einem Jahr sah der Vergleich von Oxfam noch weit dramatischer aus: Damals hiess es, nicht 42, sondern nur 8 Personen würden gleich viel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Menschheit. Nach Kritik an der Interpretation der Daten ist Oxfam zurückgekrebst. Oxfam korrigiert im neuesten Bericht die letztjährige Zahl kleinlaut nach oben: «Auf der Basis der nun vorliegenden Daten hätte das Vermögen der ärmeren Hälfte der Bevölkerung im vergangenen Jahr dem der reichsten 61 Personen entsprochen.»

Seit 1990 hat sich die Zahl der Menschen in extremer Armut mindestens halbiert.

Natürlich spielt es im Vergleich zu den 3'700'000'000 Ärmsten auf der Welt kaum eine Rolle, ob deren gemeinsames Vermögen nun dem der 8, 42 oder 61 Reichsten entspricht. Doch das Vertrauen in solche Zahlenspiele – und in die Hilfsorganisationen, die sie verbreiten – ist doch erschüttert.

Oxfam hat noch ein anderes Problem. Die Organisation wirbt mit dem Slogan «Für eine gerechte Welt. Ohne Armut». Dass die Welt punkto Armut aber zählbare Fortschritte macht, kommt in ihrem Bericht zu kurz: Seit 1990 hat sich die Zahl der Menschen in extremer Armut mindestens halbiert. Die Weltbank geht heute davon aus, dass rund 10 Prozent der Erdenbürger in extremer Armut leben. Vor der Jahrtausendwende waren es noch 30 Prozent gewesen.

Die eigentlich ermutigende Botschaft bei der globalen Ungleichheit wäre also: Klar, die Reichen werden immer reicher. Aber die Armen werden nicht ärmer. Im Gegenteil.

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