Die Schweizer Helfer des griechischen Ministers

Wie Ex-Minister Akis Tsochatzopoulos Schmiergeld aus Rüstungsgeschäften bei Schweizer Banken versteckte.

Der frühere griechische Minister Akis Tsochatzopoulos erscheint vor einem Gericht in Athen (aufgenommen am 22. April 2013). Foto: Angeliki Panagiotou (AFP Photo)

Der frühere griechische Minister Akis Tsochatzopoulos erscheint vor einem Gericht in Athen (aufgenommen am 22. April 2013). Foto: Angeliki Panagiotou (AFP Photo)

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Er war einer der wenigen Angeklagten, die persönlich vor dem Athener Berufungsgericht erschienen. Die anderen überliessen die Bühne dem berühmtesten Sträfling Griechenlands. Akis Tsochatzopoulos war einst einer der mächtigsten Männer des Landes. Er war eine prägende Figur der griechischen Sozialisten und bekleidete in mehreren Regierungen hochrangige Posten. So war er unter anderem fünf Jahre lang Verteidigungsminister.

Mit der Festnahme Tsochatzopoulos’ 2012 endete die Karriere abrupt. Heute steht der 78-Jährige sinnbildlich für die Korruption in Griechenland. Die Justiz wirft ihm vor, bei Waffengeschäften von den 1990er-Jahren bis 2006 Bestechungsgelder in Millionenhöhe kassiert zu haben. So soll beim Kauf von deutschen U-Booten und russischen Flugabwehrsystemen eine hohe Prämie beim Minister gelandet sein.

Vor kurzem hat ein Athener Straf­gericht Tsochatzopoulos in zweiter Instanz zu einer 19-jährigen Haftstrafe ­verurteilt. Der Ex-Politiker ist wieder im Gefängnis und sitzt dort den Rest seiner Strafe ab.

Finanzplatz in schlechtem Licht

Zusammen mit dem Ex-Minister wurden jüngst die Urteile von mehr als einem Dutzend Mitbeschuldigten bestätigt. Nur bei einem Mitangeklagten liessen die Richter Milde walten. Die Strafe von Nikolaos Z., Tsochatzopoulos’ Cousin und seine langjährige rechte Hand, wurde verkürzt. Z. bereute seine Taten öffentlich. Er war in der Vergangenheit ein wichtiger Zeuge der Athener Staatsanwaltschaft. Er ist auch der Mann, der der Justiz verraten hat, wie Tsochatzopoulos den Fluss der Bestechungsgelder über Schweizer Banken leitete.

Tsochatzopoulos nutzte den helvetischen Finanzplatz, um die Schmiergeldzahlungen zu verschleiern. Nun zeigen zwei kürzlich ergangene Entscheide der Bundesanwaltschaft, die Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegen, wie einfach die Banken es ihm und seinem Clan dabei machten. Er und sein engstes Umfeld verfügten über zahlreiche Konten bei Schweizer Geldhäusern. Tsochatzopoulos, seine Frau und seine Ex-Frau waren Kunden bei mehr als einem Dutzend Schweizer Instituten, darunter UBS und Credit Suisse.

Der griechische Minister konnte die Konten aber nicht selbst eröffnen, weil sich die Banken prominente Personen genau anschauen. Tsochatzopoulos’ heikle Geschäfte wären wohl aufgeflogen. Daher schickte er seinen Cousin vor. Dieser agierte als Strohmann und konnte das Geld unbemerkt in die Schweiz bringen. Von dort floss es über Scheinfirmen wieder zum griechischen Minister und seinen Vertrauten.

Tsochatzopoulos ist mit einem abgelaufenen Pass von Z. in die Schweiz gereist und hat sich bei Banken als Z. ausgegeben.

1999 eröffnete Z. bei der Zürcher Niederlassung der Bank Morgan Stanley ein Konto. Er gab sich als vermögender Holzunternehmer aus, der einige Millionen auf das Konto einzahlen will. In den nächsten Jahren flossen gegen 50 Millionen Dollar. Das Geld stammte nicht von Z., sondern von Helfern der deutschen und russischen Rüstungskonzerne, die damit den Minister schmierten.

Von dort verteilte Z. das Geld über weitere Firmen zu anderen Schweizer und ausländischen Banken. Um die Geldtransfers zu verschleiern, wurden zusätzliche Unternehmen übernommen oder wertvolle Kunstgegenstände gekauft. Z. machte dabei gegenüber den Banken falsche Angaben. So versicherte er den Geldhäusern schriftlich, dass das Geld ihm gehöre. Eine Lüge.

Später sagte Z. gegenüber der Schweizer Justiz, dass er keine Kontobeziehung aufgenommen habe, bei der er der ­tatsächliche wirtschaftliche Berechtigte der Gelder gewesen sei. Es sei aber laut Aussagen von Z. auch so gewesen, dass zumindest bei der Bank Morgan Stanley der Bankberater (Name der Redaktion bekannt) gewusst habe, dass es sich bei Z. um einen Strohmann handelte, heisst es im Dokument der Bundesanwaltschaft. Das Versteckspiel führte mitunter zu absurden Situationen. Tso­chatzopoulos ist sogar mit einem ­abgelaufenen Pass von Z. in die Schweiz gereist und hat sich bei den Schweizer Banken als sein Cousin Z. ausgegeben und beraten lassen.

13 Jahre lang nichts bemerkt

Erst 13 Jahre nach der Kontoeröffnung bemerkte die Zürcher Niederlassung von Morgan Stanley, dass etwas faul war. Im April 2012 meldete das Geldhaus seinen Kunden der Geldwäschereimeldestelle. Dies geschah rund zwei Wochen nachdem griechische Medien über die Verhaftung von Ex-Minister Tsochatzopoulos berichtet hatten und es in der Presse erste Hinweise darauf gegeben hatte, dass er womöglich sein Geld in der Schweiz versteckte.

Prompt wurde gegen den hochrangigen Politiker auch in der Schweiz ermittelt. Auch gegen seinen Strohmann und Cousin Z. lief hierzulande ein Strafverfahren. Vorgeworfen wurden ihm Geldwäscherei und Urkundenfälschung. Da Z. in Griechenland aber bereits wegen derselben Straftaten verurteilt wurde, hat die Schweizer Justiz darauf verzichtet, ihm eine zusätzliche Strafe aufzubrummen.

Vier Jahre für den Cousin

In Griechenland wurde der Cousin des Ministers im Berufungsprozess zu vier Jahren Haft verurteilt. Da er reuig war und als einziger der Angeklagten ein Geständnis abgelegt hatte, wurde die Freiheitsstrafe aber in eine Geldstrafe umgewandelt.

Tsochatzopoulos machte nicht nur mit seiner nun definitiven Verurteilung Schlagzeilen. Auch privat musste er jüngst einen Rückschlag verkraften. Seine zweite Frau will sich von ihm scheiden lassen. Sie liebe zwar ihren Mann, heisst es in der griechischen Presse, doch der ganze Skandal um den Ex-Minister habe dazu geführt, dass sie nun unschuldig verurteilt worden sei.

Die Schweizer Banken wollen aus dem Fall gelernt haben. Die Kontrollen seien noch einmal strenger geworden. Kunden müssten beweisen, woher die Gelder stammten, und auch belegen, dass sie versteuert seien. «Einen kompletten Schutz vor Kunden mit kriminellen Energien gibt es aber nicht», sagt ein hochrangiger Zürcher Banker.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2017, 19:16 Uhr

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