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Auch Freihandel hat Grenzen

Die EU-Kommissarin Cecilia Malmström zieht in den Handelskrieg.

Ein Leben für den Freihandel: Cecilia Malmström. Foto: Thierry Monasse (Keystone)
Ein Leben für den Freihandel: Cecilia Malmström. Foto: Thierry Monasse (Keystone)

Offene Märkte, tiefe Preise für alle Konsumenten durch robusten globalen Wettbewerb: Ein Leben lang hat die 49-jährige EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström diese Werte vertreten. Aber wenn sie diese Woche in den USA Handelsminister Wilbur Ross trifft, wird sie mit Strafzöllen und Abschottung drohen. Donald Trumps angedrohte Importzölle werden ihr keine andere Wahl lassen. Das werde der «Freihändlerin» geradezu «körperliche Schmerzen» bereiten, mutmasst die «Frankfurter Allgemeine Zeitung».

Die Schwedin, Mitglied der Liberalen Partei, war Europaministerin in Stockholm, bevor sie 2010 nach Brüssel wechselte. Das passte in das Leben der promovierten Politikwissenschafterin. Schon als neunjähriges Mädchen war Cecilia Malmström mit ihrer Familie für ein paar Jahre nach Paris übersiedelt. Mit 19 kehrte sie zurück, um an der Sorbonne zu studieren. Dann arbeitete sie in Stuttgart und Barcelona als technische Assistentin. Malmström spricht die Sprachen aller Länder, in denen sie lebte, dazu Italienisch und selbstverständlich Englisch. Zurück in ihrer Geburtsstadt Göteborg, arbeitete sie als Psychiatriepflegerin und Lehrerin, um ihr Studium zu finanzieren.

«Wie ein Fisch im Wasser»

1999 kam Malmström zum ersten Mal nach Brüssel, zunächst als Abgeordnete im Europäischen Parlament. Darin bewegte sie sich «wie ein Fisch im Wasser», sagen Kollegen. Dabei halfen ihr Humor und ihr Talent, sich schnell Freunde zu machen. Den europäischen Steuerzahlern wollte sie jährlich umgerechnet 230 Millionen Franken ersparen: Sie setzte sich an vorderster Front dafür ein, dass das Parlament ganzjährig in Brüssel bleibt und auf den monatlichen Reisezirkus nach Strassburg verzichtet.

In der EU-Kommission war Cecilia Malmström zuerst zuständig für Innenpolitik. Und schon eine der ersten Massnahmen, die sie ergriff, schien mit den Werten einer Liberalen in Konflikt zu stehen: Sie trieb die Sperrung von Websites voran, die Kinderpornos verbreiten. Sofort galt sie als «Censilia». Kritiker sagten, sie bereite der Zensur im Internet den Boden. Es traf sie, dass diese Kritiker nicht so recht unterscheiden mochten zwischen freier Meinungsäusserung und Kindsmissbrauch.

Hobby: Pinguine sammeln

Malmström ist seit 2003 Mutter von Zwillingen, einem Mädchen und einem Knaben. Mit ihnen teilt sie ein Hobby: Pinguine sammeln. Sie hat davon Tausende, aus Stoff, aus Plastik, Porzellan, Silber, zum Aufblasen, als Lampen, als Schachfiguren. «Es sind coole Tiere, die unter extremen Bedingungen leben», sagte Malmström der schwedischen Zeitung «Expressen». Trotzdem hätten sie ihren Spass, wenn sie auf dem Bauch über Eisflächen rutschen. «Und sie sind auch Feministinnen. Die Männchen brüten.»

Von Malmströms Ehemann Mikael ist kaum mehr bekannt, als dass er die Pinguininvasion in der Brüsseler Familienwohnung stoisch erträgt.

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hiess es fälschlicherweise, das Europäische Parlament verzichte auf den monatlichen Umzug nach Strassburg. Das war das bisher nicht verwirklichte Ziel von Cecilia Malmström

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