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Bahnfahren nach Italien wird teurer

Der italienische Schienennetzbetreiber RFI erhöht ab 2018 die Trassenpreise für internationale Züge stark. Das wird vor allem den Gütertransit durch die Schweiz treffen.

240'000 Quadratmeter gross, 12 Portalkräne, 11 Umschlaggleise. Der nordwestlich von Mailand gelegene Terminal Busto Arsizio-Gallarate ist der grösste Umschlagplatz zwischen Strasse und Schiene in Europa. Bis zu 35 Züge können hier pro Tag abgefertigt werden, der neue Gotthard-Basistunnels soll zusätzliche Auslastung bringen. Damit es auf den Zufahrtsstrecken zum Terminal nicht zu Staus kommt, lässt die Schweiz gerade die Regionalbahnstrecke von Cadenazzo entlang des Lago Maggiore über Luino bis zum Terminal ausbauen. Auf der Strecke sollen ab 2020 Züge mit vier Meter hohen Sattelaufliegern fahren können. Der Bundesrat stellt für diesen Ausbau, der grossteils auf italienischem Boden stattfindet, 150 Millionen Franken bereit.

Doch nun macht ausgerechnet der Betreiber der italienischen Schienen­infrastruktur, Rete Ferroviaria Italiana (RFI), einen Schritt, der die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf der Schiene stark behindern könnte. Ab 1. Januar 2018 wird RFI die Trassenpreise für internationale Züge um 66 Prozent im Personenfernverkehr und um 46 Prozent im Güterfernverkehr erhöhen. RFI wird die Preise auch nach Tageszeit staffeln: Züge, die in der Nacht verkehren, werden mehr kosten als jene am Tag. Der nationale Verkehr ist von der Preiserhöhung nicht betroffen.

Für Hupac, den Marktführer im kombinierten Verkehr sowie Betreiber des Terminals Busto Arsizio-Gallarate, ist die italienische Gebührenerhöhung ein schwerer Rückschlag. Wenn am Tag die Strecken durch Personenzüge belegt sind und in der Nacht die Güterzüge mehr kosten, dann werde das «die Wachstumschancen für den Schienengüterverkehr enorm schwächen», sagt Hupac-Sprecherin Irmtraut Tonndorf. Die italienische Gebührenerhöhung gehe «komplett am Markt vorbei».

Auch René Dancet, Geschäftsführer der in Olten beheimateten Firma RAlpin, die eine «rollende Autobahn» zwischen Freiburg im Breisgau und dem Terminal anbietet, hält die Steigerung der Netznutzungskosten für «höchst problematisch – gerade hinsichtlich der nach wie vor tiefen Strassenkosten und des immer noch tiefen Dieselpreises.»

ÖBB reichten Klage ein

Bei den SBB ist die Trassenpreiser­höhung in Italien ebenfalls ein Thema, bestätigt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Es handle sich um kein SBB-spezifisches Problem: «Jede Eisenbahnverkehrsunter­nehmung, die Züge auch im Netz von RFI fährt, ist davon betroffen.» Tatsächlich schlug zuerst die österreichische Politik Alarm: Georg Willi, Verkehrs­experte der Grünen, protestierte schon Ende letzten Jahres gegen den ge­waltigen Preissprung, der alle Regeln eines fairen Wettbewerbs widerspreche und den internationalen Bahnverkehr in seiner Wirtschaftlichkeit gefährde. ­Darüber freuen könne sich höchstens «die LKW-Lobby, sonst niemand».

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Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) brachten beim Verwaltungsgerichtshof in Turin eine Klage gegen RFI und den italienischen Eisenbahnregulator ART ein. Auch der italienische Eisenbahngüterverkehrsverband Fercargo hat geklagt. Nichts unternehmen kann hingegen vorerst das Schweizer Bundesamt für Verkehr, «weil wir von den Italienern offiziell nicht über die Trassenpreiserhöhung informiert wurden», sagt BAV-Sprecher Gregor Saladin. Wenn die Italiener internationale Züge tatsächlich anders als nationale Züge behandeln würden, wäre das ein klarer Fall von ­Diskriminierung, so Saladin. Vorerst erwartet das BAV, zumindest rechtzeitig von den italienischen Partnern informiert zu werden. Bundespräsidentin Doris Leuthard bestätigt dem TA, dass sie aus Medienberichten von der Er­höhung der Trassenpreise in Italien wisse. Offiziell sei der Bund aber nicht informiert worden: «Die Schweiz hat darum noch nicht interveniert, wir werden aber natürlich mit Interesse verfolgen, was seitens der italienischen Bahn ­gemacht wird.»

Armin Weber, bei den SBB Chef des internationalen Personenverkehrs, möchte zu den Plänen der RFI nicht direkt Stellung nehmen, da im Personenverkehr die Züge an der Grenze von den SBB an die Staatsbahn Trenitalia übergeben werden und diese die zusätzlichen Kosten zu tragen habe. Preissprünge bei einzelnen Verkehrsarten verursachten immer grosse finanzielle Belastungen, die das bisherige Verkehrsangebot im Bestand gefährden können, sagt Weber: «Letztlich sollten Trassenpreise eine langfristig verlässliche Planungsgrösse bilden – im Interesse der Bahnkunden.»

Auch die SBB haben erhöht

Die SBB erhöhten ihre Trassengebühren am 1. Januar 2017 und wollen damit 100 Millionen Franken zusätzlich einnehmen. Die Billette wurden dadurch durchschnittlich um 2,5 Prozent teurer. Die Trassenpreise in Italien galten bis jetzt als besonders niedrig in Europa. RFI rechtfertigt die Erhöhung damit, dass die Qualität deutlich steigen werde und die Trassenpreise noch immer niedriger als in den Nachbarländern seien. Dem widerspricht der österreichische Grüne Georg Willi: In Österreich liege der Preis für einen Güterzug pro Kilometer bei 1.36 Euro, auf der Strecke über den Brenner nach Italien bei 2.45 Euro. Italien habe bisher 2.15 Euro pro ­Kilo­meter verlangt und wolle nur für ­internationale Güterzüge auf 3.13 Euro er­höhen.

In der Schweiz liegt der Preis für Güterzüge zwischen 6 und 8 Franken pro Kilometer. Die Berechnung ist allerdings extrem komplex, da es seit der Reform auch Zu- und Abschläge für den Verschleiss der Schienen durch die Waggons gibt. Im Personenfernverkehr wird vermutlich auch Trenitalia die Preiserhöhung weitergeben - weshalb die ,Tickets von Zürich nach Mailand zwischen 8 und 10 Prozent teurer werden könnten. Klar sei jedenfalls, dass eine Erhöhung der Kosten schlecht für die Bahn sei und sich schnell auf den Modalsplit auswirken werde, sagt der Sprecher des Verkehrsclubs Schweiz, Matthias Müller: «Wenn die Bahn teurer wird, nützt das anderen Verkehrsträgern.»

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