Krise ade: Banker sind wieder begehrt

Die Zahl der offenen Stellen in der Finanzbranche steigt wieder. Es sind jedoch andere Jobs als früher.

Die UBS am Paradeplatz: In Zürich sind besonders viele Stellen offen. Foto: Urs Jaudas

Die UBS am Paradeplatz: In Zürich sind besonders viele Stellen offen. Foto: Urs Jaudas

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Das Ende des Bankgeheimnis galt nicht nur als eine grosse Gefahr für die Schweizer Banken, sondern wurde auch als eine Bedrohung für das hiesige Bankpersonal gesehen. 20'000 Stellen könnten verloren gehen, weil der wichtigste Vorteil gegenüber anderen Finanzplätzen wegfalle, so die düsteren Schätzungen der Branchenkenner.

Ganz falsch lagen die Prognosen nicht. Besonders die Grossbanken UBS und Credit Suisse haben in den letzten Jahren schmerzhafte Einschnitte beim Personal vorgenommen. Es wurden Stellen ausgelagert und weggespart. Die Spuren zeigen sich auf dem Finanzplatz Zürich. Zwischen 2011 und 2014 ging die Anzahl der Vollzeitstellen auf dem grössten Schweizer Bankenplatz von rund 56'500 auf 51'800 zurück. Laut einer Umfrage der Bankiervereinigung unter ihren Mitgliedern, wies noch im letzten Jahr der Trend in der Branche deutlich abwärts. Viele Institute strichen Stellen und nur wenige wollten neue aufbauen. Doch scheint sich nun die Stimmung bei den Instituten zu bessern.

Durchschnittlich 2800 Stellen ausgeschrieben

Die gröbsten Reorganisationen seien durch, sagt ein Kenner der Finanzbranche. Es werden seit einiger Zeit wieder vermehrt Stellen geschaffen. Das zeigen die neusten Daten des Branchenverbandes Arbeitgeber Banken. Besonders viele Stellen sind in der Grossregion Zürich und in der Ostschweiz offen, angespannt bleibt die Lage jedoch in der Westschweiz.

Im zweiten Quartal waren durchschnittlich 2800 Stellen ausgeschrieben – 16 Prozent mehr als im Vorquartal. Dadurch ist die Zahl der offenen Arbeitsplätze in der Branche wieder grösser als jene der Arbeitslosen.

Stephan Surber vom Kadervermittler Page Executive stellt fest, dass in der Finanzbranche gezielt Experten eingestellt werden. «Privatbanken, Vermögensverwalter oder Family Offices suchen vermehrt Personal», so Surber. Laut dem Experten für Executive Search ist der Bedarf nach Finanzexperten so hoch wie schon lange nicht mehr.

Wettlauf um Kundenberater

Bei der Zürcher Privatbank Julius Bär sind rund 130 Stellen offen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden bei Bär in der Schweiz mehr als 75 Stellen geschaffen. Auch Vontobel verzeichnet eine wachsende Zahl von Beschäftigten. In der Schweiz stieg die Zahl der Angestellten gegenüber dem Vorjahr um rund 100 Personen. Das Institut ist weiterhin auf der Suche nach passenden Kundenberatern. Die Zahl der Mitarbeiter, die sich direkt um die vermögenden Kunden kümmern, stieg um 12 Prozent.

Die vornehmen Privatbanken liefern sich ein Wettrennen um die besten Kundenberater. Sie sollen dafür sorgen, dass die verwalteten Vermögen der Banken wachsen. Das zeigt sich etwa bei der Privatbank Julius Bär oder der Bank Vontobel. «We are in hiring-mode», sagte Vontobel-Chef Zeno Staub kürzlich.

Angestellt werden bei den Geldhäusern mehrheitlich sogenannte Front-Funktionen, die sich um die vermögende Kundschaft kümmern. «Besonders gefragt sind derzeit Kundenberater oder Private Market Experten», so Stephan Surber vom Kadervermittler Page Executive. Diese würden gar nicht nur von Banken gesucht, sondern auch bei Family Offices oder unabhängigen Vermögensverwaltern, die ihr Geschäft ausbauen wollen. Ob der Trend anhält sei schwierig zu sagen. «Die Bedürfnisse der Kunden wechseln schnell», sagt Surber. Für das zweite Halbjahr sei er aber zuversichtlich.

Vermehrt IT-Experten

Das Beratungsunternehmen Oliver Wyman hat jüngst in einer Studie festgestellt, dass sich die Anzahl der Stellen bei den inländisch ausgerichteten Schweizer Banken, UBS und CS ausgenommen, zwischen 2011 und 2016 um 0,4 Prozent pro Jahr erhöht hat. Bei vergleichbaren Banken aus Deutschland und Südeuropa sank die Beschäftigung jährlich um 1 Prozent.

Die Anforderungen an die Mitarbeiter sind aber heute andere, als vor der Krise. «In den vergangenen Jahren haben sich die Stellenprofile verändert. Es gibt weniger einfache Tätigkeiten, dafür ist die Zahl der komplexen Jobs angestiegen», so Bankenexperte Roger Stettler von Oliver Wyman. Gesucht sind heute vermehrt IT-Experten, die Geschäftsprozesse der Banken digitalisieren. Neue Berufsprofile sind zudem dazu gekommen, so würden heute einige Geldhäuser auch Social-Media-Fachkräfte beschäftigen. Bei der Zürcher Kantonalbank werden verstärkt Mitarbeiter mit anderen Profilen gesucht, als denjenigen des klassischen Bankers. Gefragt sind vor allem Fachkräfte, die Kompetenzen für die fortschreitende Digitalisierung mitbringen würden, dazu zählen etwa Big Data Spezialisten oder Experten für das Innovationsmanagement. Bei sehr spezifischen und im Arbeitsmarkt stark nachgefragten Profilen sei es nicht einfach, die entsprechenden Fachkräfte zu finden, so ein ZKB-Sprecher.

Der Trend zu mehr hochqualifizierten Mitarbeitern bei Schweizer Geldhäusern hat auch einen Einfluss auf die ausbezahlten Löhne. Diese steigen laut der Studie von Oliver Wyman an.

Infografik: Offene Stellen im Schweizer Finanzsektor Grafik vergrössern

Das liegt daran, dass es weniger Personal für Routinearbeiten braucht, sich aber teure Spezialisten um die Digitalisierung des Bankgeschäfts kümmern, sagt Stettler. Der Anstieg der Personalkosten bei den Inlandbanken belief sich in den letzten fünf Jahren auf 2,1 Prozent pro Jahr. Das ist wesentlich mehr als die Inflationsrate - und in vielen anderen Branchen.

Steter Rückgang

So richtig will man in der gebeutelten Finanzbranche noch nicht an die Trendwende glauben. Seit der Finanzkrise hat sie im Schnitt rund 1000 Arbeitsplätze pro Jahr verloren. Einige angefragten Arbeitsmarktexperten und Verbandsfunktionären gehen daher nicht davon aus, dass sich diese Entwicklung abschwächt. Sie sind nur schon froh, wenn die Zahl der Bankmitarbeiter nicht mehr weiter absinkt.

Ein Spitzenmanager auf dem hiesigen Bankenplatz vermutet gar, dass das Personalwachstum bei vielen Schweizer Banken nicht nachhaltig sei. Das Geschäft werde bei vielen Instituten nicht so stark zulegen, wie sie es sich jetzt ausmalen würden. Und damit würden dann dereinst auch die aufgebauten Stellen überflüssig.

Erstellt: 28.07.2017, 20:39 Uhr

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