Zum Hauptinhalt springen

Banken verlieren am Hypomarkt – Hausbesitzer profitieren

Mit tiefen Zinsen und flexiblen Konditionen werden Pensionskassen und Versicherungen zur Konkurrenz bei der Hypothekarvergabe.

Maren Meyer
Kaum je war es so günstig, langfristige Hypotheken aufzunehmen. Foto: Urs Jaudas
Kaum je war es so günstig, langfristige Hypotheken aufzunehmen. Foto: Urs Jaudas

Wer für die Finanzierung seines Eigenheims eine Hypothek aufnimmt, muss dies nicht unbedingt bei seiner Hausbank tun. Auch wenn Banken in der Schweiz immer noch an erster Stelle stehen, wenn es um die Kreditvergabe beim Immobilienkauf geht, haben alternative Anbieter wie Versicherungen oder Pensionskassen ihren Marktanteil bei der Hypothekarvergabe in den letzten Jahrenvergrössert.

2014 wurden noch 92 Prozent der über Moneypark abgeschlossenen Hypotheken von Banken vergeben und lediglich 8 Prozent von Versicherungen. Pensionskassen waren beim Hypothekarvermittler der Helvetia-Versicherung noch gar nicht vertreten. Erst 2017 tauchten die ersten Pensionskassen als Kapitalgeber auf. Da hatten die Banken bereits Marktanteile eingebüsst und vergaben noch 68 Prozent dervermittelten Hypotheken. Im letzten Jahr lag ihr Anteil noch bei 56 Prozent – auch für dieses Jahr fällt die Prognose ähnlich aus.

Versicherungen und Pensionskassen gewinnen hingegen an Bedeutung. Bei Moneypark machen sie zwar kaum 20 Prozent der über 100 Anbieter aus, vergaben letztes Jahr dort aber insgesamt 44 Prozent der Hypotheken. Schweizerinnen und Schweizer entdecken die neuen Kapitalgeber vermehrt für sich. Zudem haben auch die Pensionskassen ein Interesse: Denn das anhaltend tiefe Zinsumfeld macht ihnen zu schaffen. Durch die Vergabe von Hypotheken lässt sich noch Rendite erzielen.

Erhebliches Sparpotenzial

Zudem könnten Hypothekarnehmer laut Moneypark bei Pensionskassen Geld sparen. Eine Auswertung in der Deutschschweiz zeigt, dass Kunden im zweiten Halbjahr 2019 eine 10-jährige Festhypothek über 750'000 Franken bei einer Pensionskasse zu einem durchschnittlichen Zinssatz von 0,82 Prozent aufnehmen konnten und damit gegenüber dem Richtsatz von 1,15 Prozent über 24'000 Franken einsparten.

«Pensionskassen und Versicherungen müssen die Vorsorgegelder ihrer Kunden anlegen, und die Rendite bei der Hypothekarvergabe ist auch bei vergleichbaren Risiken noch höher als die auf Bundesobligationen», sagt Moneypark-Chef Stefan Heitmann. Im Gegensatz zu den Banken müssten sich die alternativen Anbieter nicht am Kapitalmarkt refinanzieren, was sie flexibler beim Definieren ihrer Konditionen bezüglich tiefer Zinsen mache. Aber da Pensionskassen Anlagerestriktionen unterliegen würden, könne es vorkommen, dass in manchen Jahren weniger oder gar kein Kapital zur Anlage in Hypotheken zur Verfügung stehe.

Auch beim Angebot der verschiedenen Hypothekarmodelle entwickeln sich die Versicherungen und Pensionskassen zur Konkurrenz der Banken. Setzten sie ursprünglich auf langfristige Festhypotheken, bieten sie nun auch variable oder Libor-Hypotheken.

Das lang anhaltend tiefe Zinsumfeld führt derzeit zu einem neuen Phänomen: «Der Wunsch nach längeren Laufzeiten steigt», sagt Heitmann. Zwar sei die 10-jährige Festhypothek bereits seit einigen Jahren die beliebteste Hypothek der Schweizer, doch viel länger habe man sich bisher nicht recht festlegen wollen. Nun würden fast ein Viertel der Hypothekarvolumen für elf Jahre und länger abgeschlossen.

Um konkurrenzfähig zu bleiben, bieten vor allem Pensionskassen ihren Kreditnehmern neue Möglichkeiten, günstig aus der Hypothek auszusteigen, wie etwa bei einem Immobilienverkauf. Auch könne eine Festhypothek noch während der Laufzeit verlängert werden, sodass sich der Kunde die tiefen Zinsen noch einige Jahre länger sichern könne.

Markt wächst weiter

Die Berner Kantonalbank spürt den Konkurrenzdruck durch Versicherungen und Pensionskassen explizit auf den längeren Laufzeiten. Will der Kreditnehmer frühzeitig aus der Hypothek aussteigen, wird, wie bei Banken üblich, eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig. Diese entspricht der Differenz zwischen dem vereinbarten Zinssatz und dem im Zeitpunkt der vorzeitigen Rückzahlung erzielbaren Zins für eine der Restlaufzeit entsprechenden Anlage am Geld- oder Kapitalmarkt.

So halten es auch die Basler, die Luzerner und die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Bei der ZKB kann eine Nachfolgefinanzierung bei Festhypotheken bis zwei Jahre vor Ablauf der Hypothek fixiert werden. So sind die tiefen Hypozinsen über zwei weitere Jahre gesichert.

Insgesamt wuchs der Schweizer Hypothekarmarkt im letzten Jahr mit 3,2 Prozent etwas langsamer als im Vorjahr. Da lag das Plus bei 3,3 Prozent. Besonders die Kantonalbanken legten zu, wohingegen die Raiffeisenbanken weniger stark wuchsen. Mit einem Marktanteil von 37 Prozent bleiben die Kantonalbanken die wichtigsten Hypothekargeber am Schweizer Markt.

Nachdem 2018 erstmals die Marke von einer Billion geknackt wurde, belief sich die Gesamtverschuldung durch Hypokredite bei Banken in der Schweiz 2019 laut der Schweizerischen Nationalbank auf 1,04 Billionen Franken. Wie gross der zusätzliche Anteil von Versicherungen und Pensionskassen ist, kann nur geschätzt werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch