Bedingungsloses Grundeinkommen ist gut für die Gesundheit

Ein Anreiz für die Arbeitssuche wurde in der Auswertung des gross angelegten Gratislohn-Projekts in Finnland aber nicht nachgewiesen.

In der Schweiz scheiterte das Projekt bereits im Anfangsstadium: Demonstration für das Grundeinkommen in Zürich: (5. Juni 2016)

In der Schweiz scheiterte das Projekt bereits im Anfangsstadium: Demonstration für das Grundeinkommen in Zürich: (5. Juni 2016) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Das bedingungslose Grundeinkommen wirkt sich positiv auf die Gesundheit von Arbeitslosen aus, beschleunigt aber nicht deren Rückkehr auf den Arbeitsmarkt: Zu diesem Schluss kommen Forscher in der vorläufigen Auswertung eines auf zwei Jahre angelegten Pilotprojekts in Finnland.

Die Empfänger des bedingungslosen Grundeinkommens litten demnach weniger unter Stress, Konzentrations- oder Gesundheitsproblemen als eine Kontrollgruppe. «Sie blickten auch zuversichtlicher in die Zukunft», erklärte Minna Ylikännö von der finnischen Sozialversicherungsbehörde (Kela) am Freitag.

Ein erhoffter Anreiz für die Arbeitssuche wurde in der Auswertung des Projekts aber nicht nachgewiesen. «Den Empfängern des bedingungslosen Grundeinkommens gelang es weder besser noch schlechter als der Kontrollgruppe, einen Job zu finden», erklärte Forschungskoordinator Ohto Kanninen.

560 Euro pro Monat

Der auf zwei Jahre angelegte Grossversuch zum bedingungslosen Grundeinkommen war im Dezember zu Ende gegangen. Eine zufällig ausgewählte Testgruppe von 2000 Arbeitslosen erhielt in dieser Zeit steuerfrei jeden Monat 560 Euro, ohne dass diese Zahlung an Bedingungen geknüpft war.

Hinzu kamen je nach Familienstand Kindergeld und im Fall einer festen oder freien Anstellung das jeweilige Gehalt. Daneben gab es eine Kontrollgruppe von Arbeitslosen, welche die herkömmlichen Unterstützungsleistungen erhielten.

Die Forscher wollten herausfinden, ob das bedingungslose Grundeinkommen einen besseren Anreiz setzt, einen Job zu finden, als traditionelle Arbeitslosenhilfen, die im Falle einer Anstellung entfallen. Das Experiment beschränkte sich dabei ausschliesslich auf bereits arbeitslose Teilnehmer – es ging nicht um eine Art Bürgereinkommen, das unabhängig von Reichtum, Familienstand oder Arbeitsverhältnis an jeden gezahlt wird.

Teilnehmer zufrieden

Die ersten Ergebnisse des Experiments sind nach Angaben der Experten noch vorläufig und beziehen sich nur auf das erste Jahr der Studie. Die am Freitag vorgelegten Rückschlüsse sind damit noch nicht abschliessend.

Einer der Teilnehmer äusserte sich zufrieden mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. «Ich konnte alle Aufträge annehmen, die mir angeboten wurden», sagte der Journalist Tuomas Muraja. Vorher sei das viel schwieriger gewesen, weil er immer habe ausrechnen müsse, was durch die Zusatzeinnahmen und den Verlust von Arbeitslosengeld übrig bleibe.

Reformation des Sicherungssystems

Die finnische Regierung plant nach Angaben von Sozialministerin Pirkko Mattila nicht, das bedingungslose Grundeinkommen im gesamten Land einzuführen. Dennoch sei das Experiment «sehr erfolgreich» gewesen. Die Daten der Untersuchung könnten nun genutzt werden, um das soziale Sicherungssystem zu reformierten, sagte Mattila. Das sei die nächste grössere geplante Reform.

Das bisherige System gilt als bürokratisch. Arbeitssuchende verlieren ihren Anspruch auf staatliche Hilfen bei einer Anstellung - auch bei nur kurz dauernder und schlecht bezahlter Beschäftigung. In Finnland war die Zahl der Arbeitslosen angesichts einer vier Jahre langen Wirtschaftsflaute in die Höhe geschossen, sie sinkt langsam wieder. Die Arbeitslosenquote fiel im Dezember unter sieben Prozent.

Rheinauer Experiment gescheitert

Für den Test des bedingungslosen Grundeinkommens in Rheinau ZH im letzten Jahr waren zwar genügend Anmeldungen eingegangen, die Initianten, die das Projekt lanciert hatten, konnten dafür jedoch zu wenig Geld sammeln.

Mehr als sechs Millionen Franken hätte die Initianten sammeln müssen, um das Grundeinkommen-Experiment in Rheinau durchzuführen. Einen Tag vor Ablauf der Frist wurden aber bisher lediglich 150'000 Franken von den Gönnern eingezahlt – ein Bruchteil des Geforderten, wie diese Zeitung berichtete. (nag/AFP)

Erstellt: 08.02.2019, 15:27 Uhr

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