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Bei Alpiq kommt es zur Kernspaltung

Nach Axpo stellt auch deren Konkurrentin ihre Struktur um. Das könnte den Druck auf die Politik erhöhen.

Franziska Kohler
Die Kernenergie in der Schweiz leidet unter den tiefen Energiepreisen: Kühlturm des AKW Gösgen. Foto: Urs Jaudas
Die Kernenergie in der Schweiz leidet unter den tiefen Energiepreisen: Kühlturm des AKW Gösgen. Foto: Urs Jaudas

Endlich raus aus den roten Zahlen: Das Jahresergebnis von Alpiq sollte eigentlich optimistisch stimmen. Nach zwei Jahren mit grossen Verlusten schreibt der Stromkonzern 2016 einen Gewinn von 294 Millionen Franken. Doch überstanden sind die Probleme nicht. Der tiefe Strompreis drückt das Ergebnis weiterhin, auch der ungeplante Stillstand des AKW Leibstadt hinterliess Spuren. Zudem scheint der Verkauf von Teilen des Wasserkraft-Portfolios schwieriger zu sein als angenommen.

Ein Jahr ist bereits vergangen, seit Alpiq bekannt gab, 49 Prozent des Portfolios für Investoren zu öffnen. Ein Jahr, in dem viel über mögliche Käufer spekuliert wurde, in dem der Konzern aber wenig Handfestes kommunizierte. Der Prozess sei nicht abgeschlossen, weitere Informationen werde es nicht geben, sagte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin auch an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. Sie betonte, dass es zu einer Transaktion nur komme, wenn die drei Kriterien Preis, vertragliche Konditionen und Transaktionssicherheit erfüllt seien.

«Schwierig umzusetzen»

«Diese Formulierung zeigt, dass der Verkaufsprozess harzt», sagt ZKB-Analyst Sven Bucher. Das komme nicht ganz unerwartet. «Die angestrebte Lösung schien uns von Anfang an schwierig umzusetzen. Wir waren eher skeptisch, dass sich damit genügend Käufer finden lassen, die einen angemessenen Preis bezahlen.» Kritisch sieht Bucher die Tatsache, dass es sich um Minderheitsbeteiligungen und einen Paketverkauf mit profitablen und weniger profitablen Wasserkraftwerken handelt.

Anstelle von Neuigkeiten zur Wasserkraft präsentierte Alpiq eine andere Überraschung: Der Konzern erhält eine neue Struktur. Statt dreier wird es neu vier Geschäftsbereiche geben. Eine Sparte umfasst die Stromproduktion aus Schweizer Wasserkraft und Kernenergie – also die Bereiche, die unter den tiefen Energiepreisen leiden und Verluste generieren. Das Prinzip erinnert an das der Bad Bank in der Finanzbranche. Die anderen drei Sparten vereinen Märkte, von denen Alpiq sich Wachstum erhofft: der Rückbau von Atomkraftwerken, die Gebäudetechnik oder die Optimierung von Kraftwerken durch Digitalisierung.

Mit diesen Sparten will Alpiq zudem neues Kapital generieren. Sie sollen 2018 zu 49 Prozent für Investoren geöffnet werden. In welcher Form, sei noch nicht klar, sagt Alpiq-Chefin Staiblin. Ein Börsengang sei nicht ausgeschlossen. Das erinnert an die Strategie der Konkurrentin Axpo. Sie gab im Dezember ebenfalls bekannt, dass sie sich umstrukturiert. Auch sie bündelt die Geschäftsfelder mit Potenzial (die erneuerbaren Energien, das Geschäft mit Stromnetzen und den Energiehandel) in einer neuen Einheit, während die AKW und das Pumpspeicherwerk Limmern in der alten Axpo bleiben. Die neue Einheit soll 2019 an den Kapitalmarkt gebracht werden. Die beiden Strukturen gingen in eine ähnliche Richtung, sagt ZKB-Analyst Bucher, «wobei Alpiq eine noch feinere Aufteilung anstrebt».

Mehr Klarheit, mehr Druck?

Dass auch Alpiq insbesondere die Kernenergie von anderen Geschäftsfeldern trenne, überrasche ihn nicht, sagt ETH-Energieexperte Thomas Geissmann. Die Aufteilung sei nachvollziehbar. «Einerseits kann der profitable Teil zu besseren Konditionen Kapital aufnehmen, was von Vorteil ist, um ein Überleben und Wachstum zu sichern.» Andererseits schaffe die neue Struktur klarere Verhältnisse für die Veräusserung des Wasserkraft-Portfolios.

Auch die Verhältnisse bei «allfälligen zukünftigen Massnahmen für unprofitable Geschäftsteile» wären laut Geissmann klarer. Etwa dann, wenn die Kosten für den Atomausstieg deutlich höher ausfallen sollten als geplant. In welche Richtung das gehen könnte, zeigt ein Blick nach Deutschland: Dort wird darüber debattiert, ob sich die Stromkonzerne vom AKW-Risiko freikaufen und die Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung des Atommülls an den Staat abgeben können.

Laut Alpiq-Chefin Staiblin schafft die neue Struktur zudem mehr Klarheit. Bis anhin seien nicht nur Wasser- und Atomkraft, sondern auch profitable thermische Kraftwerke oder das regulierte Geschäft mit Erneuerbaren in derselben Sparte untergebracht gewesen. In welch schwieriger Lage die Wasser- und die Atomkraft sich befänden, sei nicht deutlich geworden. «Indem wir diese beiden Bereiche isolieren, stellen wir nun Transparenz her», sagt Staiblin. Willkommener Nebeneffekt: Der Druck auf die Politik, die heimische Stromproduktion zu unterstützen, wird so sicher nicht sinken, sondern sich eher noch erhöhen.

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