Bei diesen Airlines steigen jetzt die Preise

Emirates und American Airlines wälzen die steigenden Ölpreise auf ihre Passagiere ab. Bei Swiss verzögert sich die Entwicklung.

Emirates gehört zu jenen Fluglinien, welche die Ticketpreise anheben. Foto: Keystone

Emirates gehört zu jenen Fluglinien, welche die Ticketpreise anheben. Foto: Keystone

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Das Hauptthema am jährlichen Treffen des Weltluftfahrtverbands (Iata) in diesem Jahr ist der Jetlag. Die Mehrheit der Delegierten wandelte in einer Art Zombie-Status durch die Säle des Kongresszentrums in der australischen Metropole Sydney. Abends wurde nicht wie üblich bis in die Nacht gefeiert, sondern das Bett gesucht – um 4 Uhr morgens war man ohnehin wieder wach. «Jetzt wissen Sie alle mal, wie es uns Australiern geht, wenn wir zu Ihnen reisen müssen», scherzte Alan Joyce, Chef der austragenden Airline Qantas.

Neben der Müdigkeit gab es aber immerhin eine Sache, die alle Fluglinien gleichermassen umtreibt: der Ölpreis. Denn der hängt direkt mit dem Preis für Kerosin zusammen. Innerhalb eines Jahres ist der Preis für ein Fass um rund 50 Prozent gestiegen – auf nun fast 70 Dollar. Das zwang den Weltluftfahrtverband, seine Prognose für die Gewinne des laufenden Jahres um 12 Prozent auf 33,8 Milliarden Dollar nach unten zu korrigieren.

«Doppelter Schlag»

Ein hoher Ölpreis wirkt sich gleich doppelt negativ auf das Ergebnis der Flug­anbieter aus. Zum einen steigen die Treibstoffausgaben markant an. Wie drastisch die Wirkung ist, zeigt ein Blick auf die Zeit zwischen den Jahren 2003 und 2008. Der Ölpreis stieg damals von 34 auf 125 Dollar pro Barrel. Laut Iata stieg der Anteil der Treibstoffkosten an den Gesamtausgaben in dieser Zeit von 14 auf 33 Prozent. Ganz so drastisch ist es jetzt nicht. Der Anteil der Treibstoffkosten an den Gesamtkosten von 778 Milliarden Dollar beträgt laut Iata-Prognose dieses Jahr 188 Milliarden Dollar – fast 24 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es rund 21 Prozent.

Aber: Der Trend dürfte wohl anhalten. Hinzu kommt: Ein steigender Ölpreis kann sich auf die Weltwirtschaft auswirken. Erreicht er die Marke von 100 Dollar, dürfte das nach Ansicht der UBS einschneidende Folgen für die Weltwirtschaft haben. «Fünf von sechs Rezessionen in den USA wurden in der Vergangenheit durch einen raschen Ölpreisanstieg ausgelöst», schreibt sie. Und das wiederum wirkt sich negativ auf die ­Geschäftstätigkeit von Unternehmen aus – die Buchungen von Businessflügen nehmen ab.

American Airlines erhöht die Ticketpreise. Foto: Keystone

Das alles bringt Airline-Chefs nun dazu, etwas einzugestehen, was sie sonst sehr ungern tun: Die Ticketpreise dürften steigen. «Wenn mein grösster Kostenfaktor um 40 Prozent steigt, muss das aufgefangen werden. Wenn die Produktionskosten steigen, steigen irgendwann auch die Kosten für die Konsumenten», sagt Doug Parker, Chef von American Airlines. Bei Emirates ist das auch so. Die Fluglinie verkaufe für diesen Sommer bereits teurere Tickets als zuvor, sagt Emirates-Chef Tim Clark. Zusätzlich zum Ölpreis komme derzeit auch noch der stärkere Dollar hinzu. Das sei ein «doppelter Schlag».

Swiss hat sich klug abgesichert

Nicht überall dürfte sich der hohe Ölpreis gleich schnell auswirken. Fluggesellschaften betreiben beim Kerosinkauf sogenanntes Hedging. Das heisst: Sie sichern sich Optionen zu Zeiten, in denen sie den Preis für besonders vorteilhaft erachten. Das funktioniert wie an der Börse – und ist mit entsprechenden Risiken behaftet. So hatte sich 2016 die inzwischen bankrotte Air Berlin dermassen verschätzt, dass ein falsches Hedging die Verluste um Dutzende Millionen verschlimmerte. Zudem haben nicht alle Fluglinien das Kapital, genügend Optionen für mehrere Jahre zu kaufen.

Bei Swiss wirken sich die höheren Ölpreise für die Passagiere noch nicht aus. Foto: Keystone

Bei der Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Swiss gehört, zahlt sich das nun aus. Sie hat selbst im vierten Quartal dieses Jahres noch 70 Prozent des Treibstoffs gegen steigende Preise abgesichert. «Es trifft zu, dass wir innerhalb der Lufthansa-Gruppe hedgen», sagt eine Swiss-Sprecherin. Für Fluglinien, die richtig gepokert haben, verzögert sich der Teuerungseffekt also bis 2019 oder 2020 – je nach Ölpreisentwicklung. «Die Ticketpreise richten sich grundsätzlich nach dem Markt», so die Swiss-Sprecherin. «Sprich: nach Angebot und Nachfrage. Momentan ist bei uns keine Erhöhung der Ticketpreise geplant.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.06.2018, 11:46 Uhr

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