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Bergkantone erhalten Hilfe aus dem Tal

Die Zweitwohnungsinitiative hat der Bauwirtschaft in den Bergkantonen nicht geschadet. Weil in den regionalen Zentren gebaut wird.

Auf dem Berg wird mehr umgebaut: Ferienwohnungs-Überbauung in Cumbel, Lumnezia GR. (20. April 2016).
Auf dem Berg wird mehr umgebaut: Ferienwohnungs-Überbauung in Cumbel, Lumnezia GR. (20. April 2016).
Gian Ehrenzeller, Keystone

Nach der Annahme der Zweitwohnungsinitiative sah der Bündner Baumeisterverband schwarz. Wegen der Initiative dürften im Bauhauptgewerbe 600 bis 800 Arbeitsplätze verloren gehen, prophezeite damals der Verband. Ganz so düster kam es jedoch nicht.

Der Personalbestand hat sich in Graubünden zwar von 2011 bis heute tatsächlich um rund 800 auf 4900 Angestellte reduziert. Doch dieser Einbruch ist vor allem auf eine boombedingte starke Ausdehnung der Beschäftigung in den Jahren 2010 und 2011 zurückzuführen. 2009 und 2012 waren die Personalbestände dagegen mit rund 5000 Arbeitsplätzen auf vergleichbarem Niveau wie heute.

Tourismusregionen angeschlagen

Ziemlich stabil geblieben sind in dieser Periode auch die Umsätze der Bündner Bauunternehmen. Seit 2010 pendeln sie zwischen 0,9 und 1 Milliarde Franken, wie die Zahlen des Schweizerischen Baumeisterverbandes zeigen.

Diese statistische Stabilität, die sich auch in anderen Bergkantonen beobachten lässt, heisst jedoch nicht, dass die Zweitwohnungsinitiative die Baubranche in den Bergkantonen nicht verändert hätte. So meldet der Bündner Baumeisterverband für das erste Halbjahr 2016 zwar insgesamt eine gute Baukonjunktur. Doch das gilt nicht für alle Regionen.

Umbau auf dem Berg, Neubau im Tal

Erfreulich ist die Auftragssituation laut dem Baumeisterverband nur im breit gefächerten Talboden rund um Chur. Die Tourismusregionen dagegen verzeichnen stagnierende oder sogar rückläufige Bauinvestitionen. Das stellt auch die Grossbank Credit Suisse in ihrem Bauindex Schweiz für das dritte Quartal 2016 fest. Überdurchschnittlich gut seien die Aussichten für die Bauwirtschaft nur in einzelnen Talschaften, heisst es im Bericht.

Stabilisierend auf das Baugewerbe in den Berggebieten wirkt sich zudem aus, dass vermehrt neben Tiefbau- auch Umbau-Aufträge vergeben werden. So stellt der CS-Bauindex für die meisten Regionen in Graubünden und Wallis und für das Berner Oberland einen deutlichen Anstieg der Umbau-Gesuche fest. Den Grund für diesen Trend sieht die Grossbank darin, dass durch die Einschränkung des Baus neuer Zweitwohnungen der Umbau bestehender Wohnungen zu Ferienwohnungen attraktiver geworden ist.

Stabilität wird nachlassen

Beim Neubau konzentriert sich jedoch die Bautätigkeit auf die Talböden rund um die regionalen Zentren. Das wirkt sich auch auf die Bauunternehmen aus. «Sie weichen auf die Talregionen aus, wo es noch eine starke Nachfrage nach Erst-Wohnungen gibt», sagt CS-Immobilienexperte Fabian Waltert auf Anfrage. Entsprechend angestiegen sei in diesen Regionen auch der Wettbewerbs- und Preisdruck.

Zusetzen wird den Bauunternehmen jedoch vor allem, wenn die Nachfrage in den regionalen Zentren einbricht. Das ist gemäss Waltert zu erwarten, weil die Zuwanderung nachlässt. Er prognostiziert der Baubranche in den Berggebieten darum eine Strukturbereinigung. «In dieser Hinsicht wird sich in den nächsten ein bis zwei Jahren einiges tun», sagt er.

SDA/sep

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