Black Friday gewinnt an Schwung, hat aber noch Aufholpotenzial

Die Deutschschweiz zeigt sich empfänglicher für den Shoppingevent als die Westschweiz; die Romands planen sogar einen Gegenevent für einen karikativen Zweck.

Durchschnittlich erhalten Kunden bis zu 20 Prozent Rabatt; im niedrigen Preissegment sogar bis 50 Prozent: Black Friday an der Zürcher Bahnhofstrasse. (23. November 2018)

Durchschnittlich erhalten Kunden bis zu 20 Prozent Rabatt; im niedrigen Preissegment sogar bis 50 Prozent: Black Friday an der Zürcher Bahnhofstrasse. (23. November 2018) Bild: Walter Bieri/Keystone

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Die Black Friday-Welle gewinnt in der Schweiz immer stärker an Schwung. Mehrere hundert Geschäfte – sowohl «physische» Läden wie auch Online-Shops – nehmen am Freitag, dem 29. November an dem Event für Schnäppchenjäger teil. Allerdings gibt es auch Stimmen, die ein vernünftigeres Konsumverhalten einfordern.

In der Schweiz hatte der «Black Friday» im Jahr 2014 mit einer Initiative des Warenhauskonzerns Manor Fuss gefasst und nimmt seither Jahr für Jahr an Geschwindigkeit auf. «Seit 2015 hat sich das Nachfragevolumen hierzulande jedes Jahr fast verdoppelt», sagte Jérôme Amoudruz, Gründer der Plattform Blackfriday.ch, welche die Aktionen dieses Tages in der Schweiz auflistet.

Über 300 Millionen Franken

Für das laufende Jahr erwarten die Experten noch einen Anstieg um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Event: Insgesamt planen die Schweizer Konsumenten laut GfK-Umfrage Ausgaben von 310 Millionen Franken. Immerhin könnte der «Black Friday» kaum günstiger liegen – mit einem Datum kurz nach dem Zahltag und drei Wochen vor Weihnachten.

Gegenüber anderen Ländern hat die Schweiz allerdings noch sehr viel Aufholpotenzial: In Grossbritannien, Frankreich, Deutschland oder Italien etwa läuft der Shopping-Event laut dem GfK bereits den Weihnachtsverkäufen den Rang ab.

Erfolgsgeschichte

Für Manor ist der «Black Friday» eine Erfolgsgeschichte. «Wir verzeichnen Jahr für Jahr einen starken Umsatzanstieg», sagte eine Sprecherin der Warenhausgruppe im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Es handle sich bereits um einen sehr bedeutenden Event, auch wenn das viel länger dauernde Weihnachtsgeschäft weiterhin viel wichtiger sei.

Neben einer Ankurbelung der Umsätze erhofft sich das Warenhaus auch eine Erweiterung ihrer Kundschaft: «Für Manor ist dies auch eine der Möglichkeiten, neue Kunden zu gewinnen, die Treueprogramme zu bewerben und unsere treuen Kunden zu halten», erklärte die Sprecherin.

Gross Rabatte

Auch für viele Unternehmen dürfte es einer der wichtigsten Effekte des Events sein, neue Kunden anzuziehen. Das bestätigt etwa auch der junge Online-Shop «Coffeeavenue», der Produkte rund um Kaffee und Tee anbietet: «Unsere primäre Motivation ist es, zusätzlichen Verkehr auf unserer Webseite zu generieren», räumt Mitgründer Sébastien Grillet ein.

Im Schnitt belaufen sich die Rabatte am «Black Friday» bei hochpreisigen Produkten auf 15 bis 20 Prozent, im niedrigen Preissegment belaufen sie sich gar auf 30 bis 50 Prozent. Zwar sei es vor Weihnachten nicht einfach, die Gewinnspannen zu senken, meint Amoudruz. Der Umsatz könne aber das sechs- bis zwölffache eines normalen Verkaufstags betragen und bis 15 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen.

Welscher «Fair Friday»

Im Vergleich der Landesteile zeigt sich die Westschweiz bisher weniger empfänglich für das Shoppingevent als die Deutschschweiz. Hier dürfte auch Einfluss von Deutschland eine Rolle spielen – im nördlichen Nachbarland existiere der Black Friday bereits sehr viel länger und sei besser etabliert, meint Amoudruz.

Die Kritik an dem Event ist gerade in der Romandie laut zu hören. So hat die Buchhandelskette Payot für diesen Tag aus Protest gegen den «Anreiz zum Überkonsum» einen «Fair Friday» ausgerufen. Dabei werden am 29. und 30. November die Beträge auf den Kassenzetteln nach oben aufgerundet und das so gesammelte Geld der Caritas gespendet.

«Der Fair Friday soll den Verbrauchern der Schweiz, einem der reichsten Länder der Welt, bewusst machen, dass mehr als eine halbe Million Menschen in Armut leben», sagte Payot-Chef Pascal Vandenberghe im Gespräch mit AWP.

In der Deutschschweiz hat die Aktion noch keine Nachahmer gefunden, was sich laut dem Payot-CEO aber ändern könnte. Man habe bereits «ernsthafte Kontakte», entsprechend könne man sich vorstellen, dass der «Fair Friday» kommendes Jahr auch diesseits des «Röstigrabens» durchgeführt werde. (nag/sda)

Erstellt: 22.11.2019, 10:36 Uhr

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