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Brexit zwingt Briten wohl zur Zinssenkung

Angesichts einer drohenden Rezession nach dem Brexit-Schock steuert die britische Notenbank auf die erste Zinssenkung seit 2009 zu.

Beobachtet die wirtschafliche Entwicklung Grossbritanniens nach dem Brexit-Entscheid mit Sorge: Mark Carney, Gouverneur der Bank of England an einer Pressekonferenz in London am 5. Juli.
Beobachtet die wirtschafliche Entwicklung Grossbritanniens nach dem Brexit-Entscheid mit Sorge: Mark Carney, Gouverneur der Bank of England an einer Pressekonferenz in London am 5. Juli.
Dylan Martinez, Keystone

Die Londoner Notenbank steht nach dem Brexit-Schock vor einer Zinssenkung. Entgegen der Erwartung der Finanzmärkte hatte sie im Juli noch stillgehalten, jedoch für August einen Schritt nach unten signalisiert.

Dieser erscheint nun immer wahrscheinlicher, da Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft die Währungshüter aufgeschreckt haben: Die Unternehmer richten sich darauf ein, dass der langjährige Boom auf der Insel endet und das Wachstum kurzfristig fast zum Erliegen kommt. Viele Experten erwarten, dass die Bank of England (BoE) deswegen in die Offensive geht.

«Sie ist auf Gefechtsstation und dürfte den Leitzins auf 0,25 Prozent senken», prophezeit Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Seit der Weltwirtschaftskrise im März 2009 liegt der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,5 Prozent. Selbst ein Währungshüter wie BoE-Führungsmitglied Martin Weale, der zuletzt immer wieder zur Vorsicht bei Zinssenkungen mahnte, zeigte sich angesichts der schlechten konjunkturellen Nachrichten alarmiert.

Unsicherheit lässt die Konsumlaune sinken

Laut einer Umfrage des Instituts IHS Markit unter rund 1000 Firmen hat das EU-Austrittsvotum die Wirtschaft auf der Insel im Juli so scharf abstürzen lassen wie seit Anfang 2009 nicht mehr.

Die unklaren Aussichten, wann und unter welchen Umständen das Vereinigte Königreich mit dem global wichtigen Finanzplatz London aus der Europäischen Union (EU) ausscheidet, sorgt für Unsicherheit bei Firmen und Konsumenten.

Das Konsumklima brach zuletzt sogar so stark ein wie seit 1990 nicht mehr. Auch das Pfund steht unter Druck. Dies alles trübt die Gewinnaussichten der Firmen – so auch bei der Fluggesellschaft British Airways: Auslandsreisen sind für Briten erheblich teurer geworden, weil ihre Währung am Urlaubsort weniger wert ist.

An der Kurbel drehen

BayernLB-Ökonom Johannes Mayr erwartet mit Blick auf die Pfund-Schwäche, dass die Währungshüter zur erneuten Überraschung der Märkte auf eine Zinssenkung verzichten werden: «Denn eine Lockerung könnte das deutlich angeschlagene Pfund noch mehr ins Rutschen bringen, zumal der Markt nach einem Zinsschritt direkt weitere Senkungen und wohl auch negative Zinsen vorwegnehmen dürfte.»

Der Experte rechnet allerdings damit, dass die BoE auf jeden Fall Massnahmen zum Ankurbeln der Darlehensvergabe ergreifen wird. Denn andernfalls droht eine Kreditklemme – mit gravierenden Konsequenzen für die ganze Wirtschaft.

Sorge vor Wertverlust von Immobilien

Laut Fachleuten könnte die BoE Geldinstitute bei der Refinanzierung belohnen, die ihre Darlehensvergabe ausgebaut oder zumindest konstant gehalten haben. Die Währungshüter hatten 2012 bereits ein ähnliches Programm aufgelegt.

Als Reaktion auf das EU-Austrittsvotum vom 23. Juni hat die Notenbank zudem schon die Kapitalregeln für die Banken gelockert. Sie müssen vorerst nicht mehr Geld für schlechtere Zeiten beiseitelegen. Nach dem Brexit-Votum geht zudem die Sorge um, dass Immobilien massiv an Wert verlieren werden, insbesondere am Finanzstandort London, dem nun eine deutliche Schwächung droht.

(SDA)

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