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Berufsverbot für Ex-Bankchef bestätigt

Die Bank Leodan ging vor drei Jahren unter. Ihrem früheren Chef wurde die Nähe zum skandalumwitterten Investor Florian Homm zum Verhängnis.

Im September 2007 tauchte Homm ab, erst 2012 trat er wieder öffentlich auf: Florian Homm, ehemaliger Hedgefondsmanager, Bestsellerautor und Volkswirt im Rothschildpark, Frankfurt 2016. Foto:Tim Wegner (laif)
Im September 2007 tauchte Homm ab, erst 2012 trat er wieder öffentlich auf: Florian Homm, ehemaliger Hedgefondsmanager, Bestsellerautor und Volkswirt im Rothschildpark, Frankfurt 2016. Foto:Tim Wegner (laif)

Das Berufsverbot ist eine der härtesten Strafen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma): Fünf bis sechs Banker werden jährlich damit belegt. So auch Ex-Bankchef Peter Stadelmann (Name geändert). Er leitete von 2009 bis 2016 die Zürcher Bank Leodan. Er stolperte über die Nähe zu seinem wohl wichtigsten Kunden, dem deutschen Investor Florian Homm.

Homm galt als Finanzgenie. Ende der Neunzigerjahre und zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts machte der Hedgefonds-Manager ein Vermögen. Der Absturz folgte kurz darauf: Homm wurde vorgeworfen, Kundengelder im Wert von 170 Millionen Franken abgezweigt und einen Grossteil davon in der Schweiz versteckt zu haben. In mehreren Ländern, etwa den USA, wurde gegen ihn ermittelt. Er war zeitweise gar auf der «Most Wanted»-Liste der US-Bundespolizei FBI zu finden.

Im September 2007 tauchte Homm ab, erst 2012 trat er wieder öffentlich auf. Ein Jahr später sass er in einem italienischen Gefängnis 15 Monate in Auslieferungshaft, konnte danach aber nach Deutschland zurückkehren. In der Schweiz ist er auf dem Radar der Bundesanwaltschaft. Das Bundesstrafgericht in Bellinzona wies aber gemäss der NZZ die Anklageschrift im Fall Homm vor zwei Monaten zurück.

Verletzung grundlegender Sorgfaltspflichten

Auch Bankchef Stadelmann geriet in den Strudel von Homm. Er war ab 2004 dessen Bankier, als er noch bei einem anderen Institut arbeitete. Auch beriet er Homms Ex-Frau und ihre wohltätige Stiftung für bedürftige Kinder in Liberia. Stadelmann gründete 2009 seine eigene Bank, sie wurde später zur Bank Leodan.

Das Kapital kam gemäss der «SonntagsZeitung» zu einem Grossteil von Homm. Dessen Ex-Frau war mit einem Vermögen von 25 Millionen Franken eine wichtige Kundin. Sie besass bei der Leodan mehrere Konten. Auch dieses Geld soll von Homm stammen. Denn die Behörden vermuten, dass die Scheidung von Homm und seiner Frau nur dazu erfolgte, das gemeinsame Vermögen zu schützen.

Homm galt als Finanzgenie. Ende der Neunzigerjahre und zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts machte der Hedgefonds-Manager ein Vermögen: Im Rothschildpark, Frankfurt 2016. Foto: Tim Wegner (laif)
Homm galt als Finanzgenie. Ende der Neunzigerjahre und zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts machte der Hedgefonds-Manager ein Vermögen: Im Rothschildpark, Frankfurt 2016. Foto: Tim Wegner (laif)

Die Bank hatte aber laut der Finma nicht genügend abgeklärt, woher das Geld stammte. Damit verletzte sie die Geldwäschereinormen. 2011 wurde Leodan darüber ins Bild gesetzt, dass auch in der Schweiz gegen Homm ermittelt wird. Trotzdem habe Bankchef Stadelmann nicht gehandelt – auch nicht, als im Verlauf des Jahres 2011 schrittweise Summen im Gesamtwert mehrerer Millionen Franken von den Leodan-Konten von der Ex-Frau Homms und deren Stiftung abflossen. Auch die Herkunft dieser Gelder hätte die Bank abklären müssen.

Im April 2015 setzte die Finma einen Aufpasser bei der Leodan ein. Im Februar 2016 leitete sie ein Verfahren gegen das Institut ein. Wenige Monate später gab die Bank ihr Geschäft auf. Gegen Stadelmann sprach die Finma 2017 ein Berufsverbot aus. Sie machte ihn persönlich für verschiedene Verletzungen grundlegender Sorgfaltspflichten im Bereich der Bekämpfung der Geldwäscherei verantwortlich. Und sie verfügte, er dürfe fünf Jahre lang keine leitende Funktion bei einer von der Finma überwachten Firma ausüben.

Offen ist, ob der Ex-Bankchef das Urteil weiterzieht

Stadelmann wollte das nicht hinnehmen und rekurrierte gegen den Entscheid. Die Finma habe nicht gegen die Bank ermittelt, weil sie gegen Geldwäschereinormen verstossen habe, sondern weil sie die Kapitalanforderungen nicht erfüllt habe, so seine Rechtfertigung vor Gericht. Nur weil er Homm gekannt habe, habe er noch keine Geldwäschereinormen verletzt. Zudem bestritt Stadelmann die Behauptung der Finma, dass er mit Homm in Kontakt gestanden hatte, als dieser untergetaucht war. Gemäss dem Urteil des Bundesgerichts gibt es aber E-Mails, die einen regen Kontakt von Ex-Bankchef Stadelmann und Homm belegen.

«Wir mussten feststellen, dass die Überlebenschancen mit unserer Kundenbasis und den verwalteten Vermögen zu gering sind.»

Begründung für das Ende der Bank 2016

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte in der Folge das Berufsverbot der Finma. Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, will sich Stadelmanns Anwalt nicht dazu äussern. Daher bleibt auch offen, ob er das Urteil weiterzieht.

«Wir mussten feststellen, dass die Überlebenschancen mit unserer Kundenbasis und den verwalteten Vermögen zu gering sind», lautete 2016 die Begründung für das Ende der Bank. Vor wenigen Monaten gingen die Reste des Instituts in eine Auffanggesellschaft über. Diese soll für die saubere Abwicklung sorgen.

Homm tritt derweil wieder als Marktexperte auf. Über seine Internetseite «Long & Short» gibt er Anlegern Tipps zum aktuellen Börsengeschehen. Das Jahresabo kostet 659 Euro.

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