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Chinesische Banken locken Kunden mit Schweinefleisch

In China gibt es neue Prämien, die bei den Kunden heiss begehrt sind. Je nach Bank und Anlagesumme bekommt man zwischen einigen Gramm und mehreren Kilo Schweinefleisch.

Kostbare Ware auf dem Markt in Peking: Die Schweinefleisch-Preise sind enorm gestiegen. Foto: Jason Lee/Reuters
Kostbare Ware auf dem Markt in Peking: Die Schweinefleisch-Preise sind enorm gestiegen. Foto: Jason Lee/Reuters

Manchmal können sich Prämien für die Kunden wirklich lohnen: Dann gibt es zur Kamera-Ausstattung gleich noch einen passenden Rucksack dazu, zum Fernseher ein Tablet – oder zum Kauf einer Winterjacke schlicht einen Wertgutschein. Oft sind es also eher technische Beigaben, die Kunden locken sollen.

Im Idealfall sollte es etwas sein, das diese auch wirklich brauchen. Ein Grundsatz, den einige chinesische Banken mit ihren neuen Prämien durchaus erfüllen: Wer dort sein Geld anlegt, der wird mit einer Ration Schweinefleisch bedacht. Je nach Bank und Anlagesumme bekommen Kunden zwischen einigen Gramm und mehreren Kilo, berichtet die South China Morning Post.

«Schweine gegen Scheine»

Allerdings lautet das Tauschgeschäft nicht immer direkt «Schweine gegen Scheine»: Wer zum Beispiel bei der Linhai Rural Commercial Bank in der Provinz Zhejiang mindestens 10'000 Yuan (umgerechnet etwa 1284 Euro) für mehr als drei Monate anlegt, bekommt seine Ration nicht direkt am Bankschalter überreicht.

Stattdessen gibt es ein Los für eine Schweinefleisch-Lotterie, in der verschiedene Fleischpakete bis hin zu mehreren Kilogramm verlost werden. Lokale Medien berichteten, dass es Schlangen vor den Filialen gegeben habe, vor allem ältere Kunden hätten sich für das Angebot interessiert.

Der Grund für die ungewöhnlichen Prämien ist eine dramatische Notlage: Weltweit grassiert die Afrikanische Schweinepest, die die Tiere innerhalb weniger Tage dahinrafft. China ist besonders stark betroffen, als grosser Produzent wie als grosser Konsument gleichermassen. Seit August 2018 sollen schon mehrere Hundert Millionen chinesische Schweine direkt oder indirekt durch die Schweinepest getötet worden sein.

30 Kilogramm pro Kopf

Wie in vielen aufstrebenden Wirtschaftsnationen ist Fleisch und insbesondere das vom Schwein in China ein wichtiger Teil der Ernährung. Pro Kopf verzehrten die Chinesen im vergangenen Jahr der OECD zufolge gut 30 Kilogramm, das Land zählt damit international zur Spitzengruppe.

Schweinefleisch liefert viele Proteine, aber auch wirtschaftlich ist es vor allem in ländlichen Regionen wichtig: Etwa ein Drittel der chinesischen Produktion kommt von Kleinbauern.

Die trifft die Schweinefleisch-Krise also gleich doppelt: Ihr Geschäft leidet besonders, weil die Krankheit und die nötigen Vorsorge-Tötungen ihre Bestände radikal dezimieren – gleichzeitig verdoppelten sich die Einkaufspreise für ein Kilo Schweinefleisch binnen eines Jahres ungefähr.

Preise sinken minimal

Die Banken wollen diese schwierige Situation nun zu ihrem Vorteil nutzen, und derzeit scheint diese Strategie zu funktionieren. Ob sich die Lage in Sachen Schweinepest bald wieder bessert, ist noch nicht absehbar: Bisher gibt es noch keinen Impfstoff, der Virus überlebt auch tiefgekühlt und ist schnell übertragbar.

Die chinesische Regierung versuchte zuletzt massiv, die Krankheit mit neuen Vorschriften und Förderungen zu bekämpfen. Im November gab es tatsächlich zum ersten Mal seit einem Jahr wieder mehr Schweine in China als im Vormonat, die Preise sanken minimal. Sollte das so weitergehen, müssten sich die Banken wohl irgendwann wieder neue Prämien ausdenken – oder einfach auf die bewährten Gutscheine und Technikgeschenke zurückgreifen.

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