Coop und Migros: Weihnachten im September

Die beiden Supermärkte haben in diesen Tagen Lebkuchengebäck in die Regale aufgenommen. Viele Kunden kritisieren den Verkaufsbeginn Ende Sommer.

Herbstgebäck, das weihnächtliche Gefühle auslöst: Aktuelle Backwaren von Coop und Migros. Foto: Doris Fanconi

Herbstgebäck, das weihnächtliche Gefühle auslöst: Aktuelle Backwaren von Coop und Migros. Foto: Doris Fanconi

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Der Sommer geht in die Verlängerung. Bis mindestens Anfang nächster Woche soll es schön und rund 27 Grad warm bleiben. Doch nicht alle mögen dem Sommer ein letztes Mal frönen. Während die einen über einen letzten Schwumm im See oder in der Limmat nachdenken, rüstet sich der Detailhandel bereits für die kalten Wintermonate. Zumindest in den Regalen von Coop und Migros sind in dieser Woche die ersten Artikel aufgetaucht, die an Weihnachten erinnern. Konkret verkaufen die beiden Unternehmen Lebkuchengebäck. Bei Coop sind unter anderem Lebkuchen ­Allerlei im Angebot. Bei Migros gibt es ebenfalls bereits mehrere Lebkuchenprodukte zu kaufen.

Die weihnachtlich aufgemachten Artikel ärgern diverse Kunden. «Ich habe Guetsli ja sehr gerne», schreibt ein Leser des «Tages-Anzeigers». «Aber bevor die Badesaison zu Ende ist, sollte es meines Erachtens kein Weihnachtsgebäck in den Einkaufsregalen haben.» Zimtsterne oder Spekulatius esse er am liebsten zu einer Tasse Tee, wenn draussen die Schneeflocken fielen.

Sturm auf Facebook

Der Ärger über den frühen Start des Weihnachtsgeschäfts ist an sich nichts Neues. Allerdings nerven sich viele Konsumenten, dass sich der Verkaufsstart immer weiter nach vorne verschiebt. So schrieb der TA letztmals 2012 grösser über das Thema. Damals starteten die Detailhändler im Oktober mit dem Verkauf von weihnachtlichen Artikeln. Eine Migros-Kundin machte ihrem Ärger auf dem sozialen Netzwerk Facebook Luft: «Bitte beachtet doch, dass die Jahreszeit nach Sommer der Herbst ist, und nicht Weihnachten!» Der Artikel wurde von über 24 600 Nutzern geteilt und provozierte mehr als 1700 Kommentare. Sie wisse, dass das frühzeitige Erscheinen von Weihnachtsguetsli damit begründet werde, dass die Kunden dies so wollten. «Dem möchte ich entgegensetzen: Ich, und jeder andere, den ich bisher gefragt habe, möchte das nicht!»

Der viel beachtete Facebook-Beitrag löste innerhalb der Migros eine Debatte aus. «Der Sturm in den Medien hat dazu geführt, dass es eine interne Diskussion zum Thema Weihnachtsverkauf gegeben hat», erklärte damals ein Migros-Sprecher dem TA. Der Detailhändler werde prüfen, ob man im nächsten Jahr den Start des Weihnachtsverkaufs auf Allerheiligen – also Anfang November – verschieben wolle.

Dies ist jedoch nicht passiert. Das ­nationale Weihnachtsgebäck werde weiterhin im Lauf des Oktobers verkauft, sagt Sprecherin Martina Bosshard. Dies habe die Migros im Anschluss an die erwähnte Diskussion beschlossen. Derzeit führe der Detailhändler einige «herbst­liche Artikel», zu denen der Lebkuchenstern gehört. Diese Artikel, zu denen etwa auch Biberli, Panettone oder Pandoro gehören, würden zum Teil auch übers ganze Jahr verkauft.

Gebäck gehört zum «Herbstsortiment»

Ähnlich klingt es bei Coop. Das Lebkuchengebäck sei gar nicht Teil des Weihnachts-, sondern des Herbstsortiments, sagt Sprecherin Nadja Ruch. Zu Letzterem gehören etwa auch Magenbrot, nussige Schokoladen oder Messmocken. Ruch zeigt Verständnis für jene Kunden, die Lebkuchengebäck mit Weihnachten in Verbindung brächten. Das Weichnachtsgeschäft starte jedoch wie schon seit vielen Jahren üblich erst Mitte Oktober.

Die Abgrenzung zwischen Herbst- und Weihnachtsgebäck hat auch in Deutschland zu einer Debatte geführt. Weihnachtsgebäck bei hochsommerlichen Temperaturen finde er genau richtig, sagte kürzlich Michael Hähnel. Er ist Vorsitzender der Geschäftsleitung des bekannten Bachkwarenherstellers Bahlsen. Er verweist in einem Artikel in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) auf eine Untersuchung, der zufolge vier von fünf Deutschen schon vor der Adventszeit Lebkuchen kauften. Nur ein Fünftel wolle, dass der Staat etwas gegen die spätsommerliche Lebkucheninvasion in den Läden unternehme. Wie in der Schweiz laufen die Lebkuchen unter der Bezeichnung «Herbstgebäck».

Ganz anderer Meinung ist die deutsche Evangelische Kirche. Vizepräsident Thies Grundlach kritisiert die durchgängige Kommerzialisierung der christlichen Feste und bemängelt, dass schon der Name «Herbstgebäck» den Bezug zu Weihnachten bewusst unsichtbar mache. Derweil liefen in der Bahlsen-­Fabrik in Berlin die Lebkuchen schon seit Juni vom Band, schreibt die FAZ. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2016, 22:01 Uhr

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