Zehntausende Wohnungen in der Schweiz stehen leer

Die CS zeigt neue Zahlen zum Wohnungsmarkt. Noch hält der Boom bei Neubauten an, allerdings warnt der Baumeisterverband vor einem Abschwung.

72'000 Wohnungen stehen in der Schweiz leer. Städtische Siedlung in Zürich. Bild: Keystone

72'000 Wohnungen stehen in der Schweiz leer. Städtische Siedlung in Zürich. Bild: Keystone

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Aufgrund erster veröffentlichter Zahlen einzelner Kantone und Städte rechnet die Credit Suisse auch in diesem Jahr mit einem erneuten Anstieg der Leerstände auf dem Schweizer Wohnungsmarkt.

Gemäss eigener Hochrechnung erwartet die CS schweizweit einen Anstieg der Zahl der leerstehenden Wohnungen um 8'000 auf über 72'000 (Vorjahr 7'800). Der Anstieg betrifft weitestgehend Mietwohnungen, wie die Bank am Mittwoch mitteilte.

Der seit 2010 bestehende Trend zu steigenden Leerständen hält nach Einschätzung der CS somit an. In sechs der sieben Kantone, die ihre Zahlen bereits bekannt gegeben haben, hat sich das Wachstum der Leerstände gar beschleunigt.

In den betreffenden Regionen sei die Anzahl leerer Wohnungen um 17 Prozent gestiegen, so stark wie in keinem Jahr seit 2000. Schweizweit dürfte der Anstieg gemäss der Hochrechnung jedoch geringer als in den vorab veröffentlichten Kantonen ausfallen.

Marktmacht verschiebt sich zu den Mietern

Die Leerwohnungsziffer komme damit voraussichtlich bei rund 1,6 Prozent zu liegen nach 1,45 Prozent im Vorjahr, ein Wert, der zuletzt vor 20 Jahren übertroffen wurde. Insgesamt nehme das Stadt-Land-Gefälle weiter zu. Ausserhalb der Grosszentren dürfte die Leerwohnungsziffer inzwischen rund 1,8 Prozent betragen (2017: 1,62 Prozent).

Auch 2019 wird ein weiterer Anstieg der Leerstandsquote erwartet, wenn auch mit geringerem Tempo. Die Nachfrage erhalte Unterstützung durch das erstarkte Wirtschaftswachstum, bei der Zuwanderung setze allmählich eine Bodenbildung ein und der Reinzugang an Wohnungen dürfte nicht weiter zulegen, zumal die Zahl baubewilligter Wohnungen zuletzt auf hohem Niveau relativ stabil war, hiess es in der Studie weiter.

Eine Trendwende sei damit nicht in Sicht, schrieben die CS-Ökonomen. Dies habe auch zur Folge, dass sich die Marktmacht weiter von den Vermietern zu den Mietern verschiebe, und der Druck auf die Mietpreise insbesondere ausserhalb der Zentren weiter zunehmen dürfte.

Sorgenkind Wohnungsmarkt

Der Wohnungsmarkt ist das Sorgenkind der Baubranche. Der Baumeisterverband stellt sich jedoch auf eine Abkühlung der Wohnbautätigkeit ein. Denn seit einigen Jahren würden mehr neue Wohnungen gebaut als nachgefragt. Wann und wie schnell die Abkühlung komme, sei aber kaum vorauszusehen. Je länger sie jedoch auf sich warten lasse, desto deutlicher werde sie ausfallen.

In der kurzen bis mittleren Frist gehen die Baumeister aber weiterhin davon aus, dass viele Mietwohnungen gebaut werden. Denn angesichts der tiefen Zinsen seien Immobilien für Investoren immer noch eine attraktive Alternative zu Staatsanleihen oder Obligationen.

Erst vor kurzem hatte das Bundesamt für Statistik (BFS) für das zweite Quartal ein Umsatzplus von 4,7 Prozent und damit deutlich bessere Zahlen gemeldet. Die Diskrepanz erklärte der SBV auf Anfrage einerseits mit methodischen Unterschieden bei der Berechnung. Andererseits stütze er sich lediglich auf das Bauhauptgewerbe ab (Hoch- und Tiefbau), während das BFS auch das Ausbaugewerbe erhebe.

(oli/sda)

Erstellt: 05.09.2018, 11:19 Uhr

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